Das Vermächtnis der Tempelritter | Originaltitel: National Treasure | Produktion: USA 2004 | Besucher: 9729
Starttermin: Starttermin, Deutschland: 25.11.2004 | Starttermin, International (Produktionsland): 19.11.2004
Genres: Abenteuer
Bewertungen: cooltommy: 8.5 | DiamondDog: 8.5 | RobGordon: 8.0 | Kathybabe: 8.0 | Kai: 8.0 | Mori: 8.0 | willtippin: 7.5 | Matthias: 6.5 | alliance1979: 6.5 | Sebi: 6.0 | tuennes: 6.0 | dreamfall: 5.5
Bewertungsübersicht:
Gesamteindruck: 7.25 (12); Action: 7.83 (6); Anspruch: 4.42 (6); Erotik: 3.5 (5); Humor: 6.17 (6); Musik: 7.25 (6); Unterhaltung: 7.5 (6); Spannung: 7.17 (6)
| Cast: | Crew: | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kritik
die Story:
Sechs Generationen der Familie Gates sind nun schon auf der Jagd nach dem sagenhaften Schatz der Tempelritter, der unendlichen Reichtum und Macht verheißt. Zuletzt wurde Ben Gates (Nicolas Cage) dieser Floh von seinem Großvater ins Ohr gesetzt. Seitdem hat er eine Berufung und ewigen Zwist mit seinem realistischeren Vater Patrick Gates (Jon Voight), der all dies für Spinnerei hält.
Doch nun scheint Ben durch die großzügige Unterstützung des reichen Briten Ian Howe (Sean Bean) endlich eine heiße Spur gefunden zu haben, die auf einem alten Schiffswrack im Eis der Arktis endet. Zur großen Enttäuschung Howes findet sich dort aber nicht der Schatz, sondern nur ein weiterer Hinweis in Form eines Rätsels. Noch an Bord gelingt Ben die Entschlüsselung: Der nächste Fingerzeig muss sich auf dem wichtigsten Dokument der amerikanischen Geschichte befinden, der Unabhängigkeitserklärung - sicher verwahrt im amerikanischen Bundesarchiv und dadurch leider unzugänglich für die Schatzsucher.
Howe kann dies nicht akzeptieren: Er beschließt das Dokument zu stehlen. Da ihm der rechtschaffene Ben und sein Kumpel Riley (Justin Bartha) dabei nur im Wege stehen, werden sie kurzerhand mit dem alten Schiff in die Luft gejagt.
Zum Glück entkommen die beiden Freunde. Doch da ihnen keine Behörde die Geschichte von einer unsichtbaren Karte auf der Rückseite der Unabhängigkeitserklärung glauben will, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als den Gangstern zuvor zu kommen - und das Dokument selbst zu stehlen...
die Kritik:
Die Anleihen der neuesten Bruckheimer-Produktion (King Arthur, Fluch der Karibik) bei einem Klassiker des Abenteuerfilms, nämlich Indiana Jones, sind unübersehbar: Beide Hauptcharaktere sind Archäologen und Schatzjäger, haben Probleme mit ihren Vätern, eine Schwäche für Blondinen und einen Sidekick für die lustigeren Momente des Filmes. Da auch die drei Klassiker aus den 80er Jahren nicht durch übertriebene Logik auffielen, könnte allein diese Anlehnungen schon für entspannten und unterhaltsamen Kinogenuss sorgen.
Doch leider haben die Macher von Das Vermächtnis der Tempelritter übersehen, dass der Erfolg der Indiana Jones- Reihe nicht allein durch die abenteuerliche Jagd nach immer neuen Schätzen entstanden ist, sondern vor allem durch die rasante Rollercoaster-Action, die den Zuschauer nicht zu Atem kommen ließ - und vor allem nicht zum Nachdenken. Hierzu hat man bei den Tempelrittern leider genug Zeit, da die Action phasenweise lahm geraten ist. Und da bemerkt man dann, dass die Schnitzeljagd nach immer neuen Hinweisen doch irgendwie ermüdend ist: Von Hinweis zu Hinweis, manchmal vor, manchmal hinter den Gangstern, mit immer neuen Anekdoten aus der amerikanischen Nationalgeschichte. Vor allem dem nicht-amerikanischen Zuschauer stoßen diese pathetisch-patriotischen Gesten sauer auf. Das war doch zuviel des Guten!
Außerdem schwächelt die Geschichte am Fehlen eines adäquaten Widersachers des Helden. Da die Gangster im Verlauf der Geschichte weitgehend hinter den Guten her arbeiten - und nicht umgekehrt, kommt keine wirkliche Spannung auf. Der Obergangster Howe hat kein Charisma und somit wenig zur Geschichte beizusteuern.
Zu den Darstellern ist in solchen Filmen erfahrungsgemäß nicht viel zu sagen. Allerdings würde ich dem deutschen Hollywood-Import Diana Kruger raten, ihre Filme nicht mehr selbst zu synchronisieren, da man der Monotonie ihrer deutschen Stimme anmerkt, dass sie schon sehr vom amerikanischen Sprachraum assimiliert wurde. Die Synchro war zwar schon besser als in Troja, aber immer noch schlecht.
Einen neuen Weg bei der Filmvermarktung bestritt Buena Vista mit diesem Film, da die ersten zwölf Minuten von Das Vermächtnis der Tempelritter bereits einige Tage vor dem Bundesstart auf Pro 7 zu sehen waren. Ob dies eine gute Entscheidung war, bleibt abzuwarten, denn auch dieser Teil des Filmes besticht nicht durch besondere Rasanz und Spannung.
Kurzkritik
DAS VERMÄCHTNIS DER TEMPELRITTER
INDIANA JONES AUF ABWEGEN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 4. DEZEMBER 2004.
Schatzsuche und Geschichte. Nicolas CAGE (als Benjamin Franklin Gates), ist der beste Mann von Jerry BRUCKHEIMER. Regisseur Jon TURTELTAUB („Cool Runnings“, 1993, „Während Du schliefst“, 1995, „Instinkt“, 1999, „The Kid“, 2000) schickt ihn in ein ultimatives Abenteuer. Auf der Jagd nach dem legendären Gold der Tempelritter ist sogar Harvey KEITEL (als Agent Sadusky), Jon VOIGHT (als Patrick Henry Gates), Sean BEAN (als Ian Howe) und Diane KRÜGER (als Dr. Abigail Chase) mit von der Partie. Der Sommer und der Herbst sind vorbei, der Winter beginnt. Es ist also wieder an der Zeit, dass es dem fröstelnden Publikum heiß im Kino wird. Und so beginnt die Mechanik des Erzählens, die Produzent Jerry BRUCKHEIMER schon des öfteren unter Beweis gestellt hatte. Mit „The Rock-Fels der Entscheidung“, (1996), „Staatsfeind Nr. 1“ (1998), „Con Air“ (1997), „Pearl Harbor“ (2001), „Fluch der Karibik“ (2003) und „King Arthur“ (2004) wurde er Meister der Dekoration und Kostümierung, ohne allerdings den Kulturbetrieb Film qualitativ zu bereichern. Diesmal schickt er Benjamin Franklin Gates in die Urtiefen der amerikanischen Geschichte. Dort soll besagter Schatz der Tempelritter versteckt sein, der nur über eine Schatzkarte zu orten ist. Jene ist von den Gründern der Vereinigten Staaten Thomas JEFFERSON, George WASHINGTON und Benjamin FRANKLIN geschrieben worden. Und weil sie nicht so einfach auf irgendeinem Paper schreiben konnten, mussten sie etwas besonderes auswählen: der Weg zum Schatz ist auf der Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verzeichnet. So macht man sich auf, sie zu finden. Und weil Abenteurer auch Widersacher haben müssen, wird die Schatzsuche be-, und verhindert, wo es nur eben geht.
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist gelinde gesagt ein plumper Abklatsch der Indiana-Jones Filme. Der Film ist das Ende des Abenteuers im Kino, Ende der Kindergeschichten und das Ende der Erzählung, die hier als beseelter Mechanismus wider aller Vernunft Geschichten zwischen Tarnung und Fallen, Kellergewölben, Packeis, Bibliotheken, Archiven und einem alten Schiffswrack erzählt wird. Bilder, mit denen kein Mensch etwas anfangen kann, kommen einem vor wie ein Fernseh-Werbespot. Drinnen (im Film) scheint die Zeit stehen zu bleiben. Die Bilderkette erscheint endlos mit pausenloser Action, Verfolgungen, Finten, Helden, Antihelden und Klischees in einem fort.
BRUCKHEIMER hat, so scheint es, diese Produktionsweise für seine Streifen derart verinnerlicht, dass hier das Maschinenkino zur absoluten Topform im negativen Sinne aufläuft. Heldentum und Abenteuer- Harrison FORD hatte damit begonnen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Der Reichtum des Kinos wurde ihm dank SPIELBERG wie auf einem Tablett dargereicht. Er brauchte sich nur noch zu bedienen. Und das tat er, bei aller Kritik, sehr erfolgreich. Indiana-Jones wurde fast zu einer Legende. Jetzt jedoch kommen die braven Mittel-Klasse Amerikaner an, um die Kraft des erloschenen Jones wieder zum Leben zu erwecken. Natürlich können sie nicht anders als aus der Rolle fallen, entgleisen, in Panik geraten und dauern auf der Flucht sein. Wie ein endloses Feuerwerk prasseln hier die Gegenstände der Außenwelt auf die Innenwelt. SPIELBERG hatte seine Vorstellungen von Heldentum und Abenteuer ohne Getöse über die Bühne gebracht, da sein Binnenraum der Erzählung relativ greifbar war. Heute wird der Zuschauer vorgeführt, er ist sozusagen Prototyp fürs ausprobieren. Da mag es nicht verwundern, wenn „Der Schatz der Tempelritter“ so seltsam durcheinandergemischt ist, dass nur noch ein Wunder diese Figuren, die wie Untote durch den Film hetzen, retten kann. Bei Karl MAY in „Winnetou III“ hieß es einst: „Was soll ich weitererzählen? Die wahre Trauer hat keine Worte. Käme doch bald die Zeit, da man solche (blutigen) Geschichten nur noch als alte Sagen kennt.“ Karl MAY hätte hier nichts besseres zusammenträumen können. Durch die Staaten und noch einmal zurück. Mit Losungen des amerikanischen Traums schlagen sich Freund und Feind durch die Geschichte.
Hier geht es gar nicht um Action, sondern um Gesetze und Werte. In der Tat, um das zu überspitzen, verkommt „Das Vermächtnis der Tempelritter“ zu einem simplen Stück amerikanischen Nationalismus. Denn die Gründungserklärung der amerikanischen Demokratie ist hier eigentlich desavouiert. Und wenn genauer hingesehen wird, sind die eigentlichen Kernpunkte die Umtriebe der Geheimbündler, die in der Unabhängigkeitserklärung involviert erscheinen wie viele es nach dem 11. September 2001 eigentlich schon immer angenommen hatten, und was hier durchaus als Hinweis verstanden werden darf. Zudem erscheint die Hatz durch die nationalen Städte Amerikas doch zu sehr aufgetragen. Und allemal bricht sich der Patriotismus unverschleiert Bahn, wenn die Unabhängigkeitserklärung nebst Code als „gutes und wahres amerikanisches Dokument“ bezeichnet wird.
Mit Einschränkungen waren auch schon die Indiana-Jones Filme mit einem gewissen patriotischen Hang unterlegt. In „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) ging es um die Nazis, die zwar zynisch und lustig dargestellt wurden, aber der amerikanische Held durfte sie besiegen. Und die Geschichte vom Vater und Sohn (Sean CONNERY und Harrison FORD) war wie Jung-Siegfried, der Prüfungen mit Schwert und Glauben bestand. Vater und Sohn sind auch hier allgegenwärtig. Und wenn am Ende die Lüftung der Geheimnisse wartet, dann ist man seltsam gevierteilt. Wissen und Macht, Intellekt und Kraft, Ausstrahlung und Genie, Ahnung und Phantasie. Nur das kann Heldentum hervorbringen, der eigene Platz gefunden werden. Wenn vollends das Bild zu gewinnen scheint, das makellose Rädchen der Bilder, dann sollte man diese Raffinesse versuchen zu durchschauen: „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist Rätselinschrift der Märchen, Träume und Legenden. Von amerikanischer Geschichte hat der Film nicht viel verstanden, oder er will es auch gar nicht verstehen.
Man setzt auf eine Schnitzeljagd quer durch die Staaten. Der Film ist wie eine alte Tragödie in einem modernen Traum, ein Trip, ein Mittler zwischen nationaler Identität und glorifizierender Verklärung der ehernen Werte. Washington, New York und New Jersey- Heimatkunde mit dem Koffer in der Hand. Brillant ist das nicht, sondern flach. In jedem Gebäude fehlt ein Stein. Die Tempelritter- sind sie die Freimaurer? Abgeleitet bleibt diese Galerie bei den amerikanischen Gründern stehen. Georg WASHINGTON als Freimaurer? Nicht zufällig gibt es plumpe Assoziationen, die versteckt immer wieder auftauchen, die in sich wiederum am Nerv dieser Aufführung kratzen: Benjamin FRANKLIN und Benjamin Franklin Gates, ein Zufall? Was fehlt noch? Bill Gates und Microsoft. Archive, eine netter Archivarin, die Diane KRÜGER, eine gute Deutsche verkörpert, oder Ian Howe als Engländer mit dem Hang zur Skrupellosigkeit? Gut und Böse, das ist nicht nur abgenudelter Filmabfallberg, der täglich produziert wird, sondern auch fester Bestandteil dieses Genres geworden, wo sich alles unterbringen lassen kann. Hier ist der Film ein prallgefüllter Plastiksack geworden, der getrost über Bord geworfen werden kann.
Fazit:
Die Tendenz Dutzende von Filmen kopiert zu haben, trifft auf „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ohne wenn und aber zu. So trostlos ist seine Zerstückelung und Verschachtelung. Er ist voller Auslassungen und Gedankenstriche. Im mechanischen Kino sind alle Sinne grau. Während man in die Dunkelheit des Kinos taucht, wird es um einen herum Nacht. Der Film ist kein freundlicher Gegner. Dieser Film ist ein Feind.
INDIANA JONES AUF ABWEGEN
von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 4. DEZEMBER 2004.
Schatzsuche und Geschichte. Nicolas CAGE (als Benjamin Franklin Gates), ist der beste Mann von Jerry BRUCKHEIMER. Regisseur Jon TURTELTAUB („Cool Runnings“, 1993, „Während Du schliefst“, 1995, „Instinkt“, 1999, „The Kid“, 2000) schickt ihn in ein ultimatives Abenteuer. Auf der Jagd nach dem legendären Gold der Tempelritter ist sogar Harvey KEITEL (als Agent Sadusky), Jon VOIGHT (als Patrick Henry Gates), Sean BEAN (als Ian Howe) und Diane KRÜGER (als Dr. Abigail Chase) mit von der Partie. Der Sommer und der Herbst sind vorbei, der Winter beginnt. Es ist also wieder an der Zeit, dass es dem fröstelnden Publikum heiß im Kino wird. Und so beginnt die Mechanik des Erzählens, die Produzent Jerry BRUCKHEIMER schon des öfteren unter Beweis gestellt hatte. Mit „The Rock-Fels der Entscheidung“, (1996), „Staatsfeind Nr. 1“ (1998), „Con Air“ (1997), „Pearl Harbor“ (2001), „Fluch der Karibik“ (2003) und „King Arthur“ (2004) wurde er Meister der Dekoration und Kostümierung, ohne allerdings den Kulturbetrieb Film qualitativ zu bereichern. Diesmal schickt er Benjamin Franklin Gates in die Urtiefen der amerikanischen Geschichte. Dort soll besagter Schatz der Tempelritter versteckt sein, der nur über eine Schatzkarte zu orten ist. Jene ist von den Gründern der Vereinigten Staaten Thomas JEFFERSON, George WASHINGTON und Benjamin FRANKLIN geschrieben worden. Und weil sie nicht so einfach auf irgendeinem Paper schreiben konnten, mussten sie etwas besonderes auswählen: der Weg zum Schatz ist auf der Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verzeichnet. So macht man sich auf, sie zu finden. Und weil Abenteurer auch Widersacher haben müssen, wird die Schatzsuche be-, und verhindert, wo es nur eben geht.
„Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist gelinde gesagt ein plumper Abklatsch der Indiana-Jones Filme. Der Film ist das Ende des Abenteuers im Kino, Ende der Kindergeschichten und das Ende der Erzählung, die hier als beseelter Mechanismus wider aller Vernunft Geschichten zwischen Tarnung und Fallen, Kellergewölben, Packeis, Bibliotheken, Archiven und einem alten Schiffswrack erzählt wird. Bilder, mit denen kein Mensch etwas anfangen kann, kommen einem vor wie ein Fernseh-Werbespot. Drinnen (im Film) scheint die Zeit stehen zu bleiben. Die Bilderkette erscheint endlos mit pausenloser Action, Verfolgungen, Finten, Helden, Antihelden und Klischees in einem fort.
BRUCKHEIMER hat, so scheint es, diese Produktionsweise für seine Streifen derart verinnerlicht, dass hier das Maschinenkino zur absoluten Topform im negativen Sinne aufläuft. Heldentum und Abenteuer- Harrison FORD hatte damit begonnen, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Der Reichtum des Kinos wurde ihm dank SPIELBERG wie auf einem Tablett dargereicht. Er brauchte sich nur noch zu bedienen. Und das tat er, bei aller Kritik, sehr erfolgreich. Indiana-Jones wurde fast zu einer Legende. Jetzt jedoch kommen die braven Mittel-Klasse Amerikaner an, um die Kraft des erloschenen Jones wieder zum Leben zu erwecken. Natürlich können sie nicht anders als aus der Rolle fallen, entgleisen, in Panik geraten und dauern auf der Flucht sein. Wie ein endloses Feuerwerk prasseln hier die Gegenstände der Außenwelt auf die Innenwelt. SPIELBERG hatte seine Vorstellungen von Heldentum und Abenteuer ohne Getöse über die Bühne gebracht, da sein Binnenraum der Erzählung relativ greifbar war. Heute wird der Zuschauer vorgeführt, er ist sozusagen Prototyp fürs ausprobieren. Da mag es nicht verwundern, wenn „Der Schatz der Tempelritter“ so seltsam durcheinandergemischt ist, dass nur noch ein Wunder diese Figuren, die wie Untote durch den Film hetzen, retten kann. Bei Karl MAY in „Winnetou III“ hieß es einst: „Was soll ich weitererzählen? Die wahre Trauer hat keine Worte. Käme doch bald die Zeit, da man solche (blutigen) Geschichten nur noch als alte Sagen kennt.“ Karl MAY hätte hier nichts besseres zusammenträumen können. Durch die Staaten und noch einmal zurück. Mit Losungen des amerikanischen Traums schlagen sich Freund und Feind durch die Geschichte.
Hier geht es gar nicht um Action, sondern um Gesetze und Werte. In der Tat, um das zu überspitzen, verkommt „Das Vermächtnis der Tempelritter“ zu einem simplen Stück amerikanischen Nationalismus. Denn die Gründungserklärung der amerikanischen Demokratie ist hier eigentlich desavouiert. Und wenn genauer hingesehen wird, sind die eigentlichen Kernpunkte die Umtriebe der Geheimbündler, die in der Unabhängigkeitserklärung involviert erscheinen wie viele es nach dem 11. September 2001 eigentlich schon immer angenommen hatten, und was hier durchaus als Hinweis verstanden werden darf. Zudem erscheint die Hatz durch die nationalen Städte Amerikas doch zu sehr aufgetragen. Und allemal bricht sich der Patriotismus unverschleiert Bahn, wenn die Unabhängigkeitserklärung nebst Code als „gutes und wahres amerikanisches Dokument“ bezeichnet wird.
Mit Einschränkungen waren auch schon die Indiana-Jones Filme mit einem gewissen patriotischen Hang unterlegt. In „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) ging es um die Nazis, die zwar zynisch und lustig dargestellt wurden, aber der amerikanische Held durfte sie besiegen. Und die Geschichte vom Vater und Sohn (Sean CONNERY und Harrison FORD) war wie Jung-Siegfried, der Prüfungen mit Schwert und Glauben bestand. Vater und Sohn sind auch hier allgegenwärtig. Und wenn am Ende die Lüftung der Geheimnisse wartet, dann ist man seltsam gevierteilt. Wissen und Macht, Intellekt und Kraft, Ausstrahlung und Genie, Ahnung und Phantasie. Nur das kann Heldentum hervorbringen, der eigene Platz gefunden werden. Wenn vollends das Bild zu gewinnen scheint, das makellose Rädchen der Bilder, dann sollte man diese Raffinesse versuchen zu durchschauen: „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ist Rätselinschrift der Märchen, Träume und Legenden. Von amerikanischer Geschichte hat der Film nicht viel verstanden, oder er will es auch gar nicht verstehen.
Man setzt auf eine Schnitzeljagd quer durch die Staaten. Der Film ist wie eine alte Tragödie in einem modernen Traum, ein Trip, ein Mittler zwischen nationaler Identität und glorifizierender Verklärung der ehernen Werte. Washington, New York und New Jersey- Heimatkunde mit dem Koffer in der Hand. Brillant ist das nicht, sondern flach. In jedem Gebäude fehlt ein Stein. Die Tempelritter- sind sie die Freimaurer? Abgeleitet bleibt diese Galerie bei den amerikanischen Gründern stehen. Georg WASHINGTON als Freimaurer? Nicht zufällig gibt es plumpe Assoziationen, die versteckt immer wieder auftauchen, die in sich wiederum am Nerv dieser Aufführung kratzen: Benjamin FRANKLIN und Benjamin Franklin Gates, ein Zufall? Was fehlt noch? Bill Gates und Microsoft. Archive, eine netter Archivarin, die Diane KRÜGER, eine gute Deutsche verkörpert, oder Ian Howe als Engländer mit dem Hang zur Skrupellosigkeit? Gut und Böse, das ist nicht nur abgenudelter Filmabfallberg, der täglich produziert wird, sondern auch fester Bestandteil dieses Genres geworden, wo sich alles unterbringen lassen kann. Hier ist der Film ein prallgefüllter Plastiksack geworden, der getrost über Bord geworfen werden kann.
Fazit:
Die Tendenz Dutzende von Filmen kopiert zu haben, trifft auf „Das Vermächtnis der Tempelritter“ ohne wenn und aber zu. So trostlos ist seine Zerstückelung und Verschachtelung. Er ist voller Auslassungen und Gedankenstriche. Im mechanischen Kino sind alle Sinne grau. Während man in die Dunkelheit des Kinos taucht, wird es um einen herum Nacht. Der Film ist kein freundlicher Gegner. Dieser Film ist ein Feind.
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