Plakat Inglourious BasterdsInglourious Basterds | Originaltitel: Inglourious Basterds | Produktion: USA, Deutschland 2009 | Besucher: 9389
Starttermin: Starttermin, Deutschland: 20.08.2009
Genres: Kriegsfilm, Action, Drama, Abenteuer
Bewertungen: Mandarine: 10.0 | Anaijavi: 10.0 | willtippin: 9.5 | dreamfall: 9.5 | kowalski84: 9.0 | Cathrine: 9.0 | dotdeguy: 8.5 | Sebenika: 8.5 | cooltommy: 8.5 | ZONNEY: 8.0 | DejaVu: 8.0 | Franky: 7.5 | DiamondDog: 7.5

Bewertungsübersicht:
Gesamteindruck: 8.73 (13); Anspruch: 6.63 (4); Humor: 6.75 (4); Musik: 8.88 (4); Spannung: 8.38 (4); Originalität: 9 (4); Look: 9.25 (4)

Cast: Crew:
Brad PittLt. Aldo Raine
Christoph WaltzCol. Hans Landa
Michael FassbenderLt. Archie Hicox
Eli RothSgt. Donnie Donowitz
Diane KrugerBridget von Hammersmark
Daniel BrühlFrederick Zoller
Til SchweigerSgt. Hugo Stiglitz
Mélanie LaurentShosanna Dreyfus
Gedeon BurkhardCpl. Wilhelm Wicki
Jacky IdoMarcel
B.J. NovakPFC Utivich
August DiehlMajor Dieter Hellstrom
Mike MyersGeneral Ed Fenech
Samm LevinePFC Hirschberg
Julie DreyfusFrancesca Mondino
Paul RustAndy
Ludger PistorWolfgang
Regisseur
Quentin Tarantino
Produzent
Quentin Tarantino
Drehbuch
Quentin Tarantino
Executive-Producer
Bob Weinstein
Harvey Weinstein

Autor: willtippin | 22.08.2009 - 11:52:33
Kurzkritik
Mit seinem neusten Werk hat sich Kultregisseur Quentin Tarantino wieder einmal selbst übertroffen: Die episodenhafte Kriegssatire "Inglourious Basterds" erzählt auf brillante Weise von einer Spezialeinheit im Zweiten Weltkrieg, die Jagd auf Nazis macht - und die Chance erhält, das NS-Regime zu stürzen.
Es war einmal im von Nazis besetzten Frankreich: Eine Gruppe jüdischer Soldaten, bekannt als die "Basterds", hat es während des Zweiten Weltkriegs auf Hitlers Truppen abgesehen. Die gefürchtete Spezialeinheit unter der Führung von Lieutenant Aldo Raine (Brad Pitt) kennt dabei kein Erbarmen: Bekommt sie einen Nazi in die Finger, so wird er skalpiert.
Abseits von den Schlachtfeldern verliebt sich der deutsche Kriegsheld und Filmstar Fredrick Zoller (Daniel Brühl) derweil in die jüdische Kinobetreiberin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent). Was Zoller nicht ahnt: Vor wenigen Jahren wurde Shosannas Familie von dem gnadenlosen Nazi-Offizier Hans Landa (Christoph Waltz) ermordet, und sie wartet nur auf den richtigen Augenblick, um sich an den deutschen Besatzern zu rächen. Dieser scheint gekommen, als in ihrem Lichtspielhaus eine Filmpremiere stattfindet, bei der auch Goebbels (Sylvester Groth) und Hitler (Martin Wuttke) anwesend sind.
Die "Basterds" erfahren ebenfalls von dieser Sondervorführung. Mithilfe der deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) wollen auch sie in Shosannas Kino den finalen Schlag gegen das NS-Regime durchführen...
"Inglourious Basterds" ist ein freies Remake der italienischen Kriegskomödie "Ein Haufen verwegener Hunde" aus dem Jahr 1978. Die ersten Ideen für das Drehbuch dazu hatte Quentin Tarantino bereits kurz nach der Fertigstellung seines Films "Jackie Brown" (1997) - doch da er sich seitdem immer wieder anderen Projekten widmete, konnte er mit der Realisierung seiner Entwürfe erst im vergangenen Jahr beginnen. Das Warten auf den fertigen Film hat sich jedenfalls mehr als gelohnt: "Inglourious Basterds" ist ein weiteres Meisterwerk des Kultregisseurs, das vor allem durch seine brillante und äußerst packende Erzählweise begeistert.
Tarantino versteht es wie kaum ein anderer, episodenhafte Geschichten zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Die Handlung von "Inglourious Basterds" ist in fünf Kapitel unterteilt, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt haben und bestimmte Figurenkonstellationen näher beleuchten. Diese szenischen Ausschnitte, die zum Teil in Echtzeit ablaufen, liefern immer mehr Informationsbausteine mit raffiniert eingestreuten Querverweisen, die für den Zuschauer nach und nach die Zusammenhänge erkennen lassen.
Doch wie bei so vielen Tarantino-Filmen ist die eigentliche Handlung im Grunde nur Nebensache. Was seine Filme vor allem auszeichnet, sind die sehr markanten und äußerst skurrilen Figuren, die exzellent geschriebenen und von einer beispiellosen Dynamik geprägten Dialoge und wirklich grandiose Einzelszenen - und davon gibt es in "Inglourious Basterds" reichlich.
Erstaunlich ist, dass der Film für Tarantino-Verhältnisse recht unblutig ausfällt. Natürlich gibt es auch die eine oder andere Mordszene, die nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete ist, aber dafür, dass hier Nazi-Jäger im Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt stehen, ist "Inglourious Basterds" doch relativ zurückhaltend mit extremen Gewaltszenen - was dem Film sehr zugute kommt. Tarantino legt den Schwerpunkt nicht auf Kämpfe zwischen Soldaten oder große Schlachten, sondern er konzentriert sich ganz auf seine Figuren und die pure Freude am Erzählen.
Dabei überzeugt vor allem die Genremischung aus Italo-Western, Kriegsfilm, Drama und überspitzter Satire. Zudem haftet dem Film etwas Märchenhaftes an: Er wird beispielsweise mit dem typischen "Es war einmal" eingeleitet und enthält eine sehr gelungene Anspielung an "Aschenputtel". Und zum Schluss hat Tarantino sogar seine eigene Version der NS-Geschichte geschrieben.
Besonders beeindruckend ist auch die Leistung sämtlicher Darsteller, denen man den Spaß am Spielen durchweg ansieht - allen voran Christoph Waltz. Der Österreicher wurde für seine Rolle des "Judenjägers" Hans Landa bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes völlig zu Recht als "Bester Hauptdarsteller" ausgezeichnet. In den emotionalen Momenten überzeugt am meisten die Französin Mélanie Laurent, die nicht nur äußerst facettenreich agiert, sondern auch eine ungeheure Leinwandpräsenz besitzt. Hoffentlich sieht man im internationalen Kino demnächst noch mehr von ihr.
Fazit: Mit "Inglourious Basterds" hat Quentin Tarantino eine äußerst amüsante, brillant erzählte Kriegssatire abgeliefert, die mit einem Darstellerensemble in bester Schauspiellaune aufwartet.

(Hier könnt Ihr Euch die Filmbesprechung auch als Video anschauen:
http://www.haz.de/Mediathek/Videos?bcpid=1896837901&bclid=41078912001&bctid=34836741001)
Autor: Mr. Ego | 30.08.2009 - 07:56:24
Kurzkritik
-Inglourious Bastards-eine etwas späte Kritik-

Der Sommer geht nun langsam dahin, und im Kino ist damit auch ein bisserl Schonzeit für Megabuster angesagt. Während sich augenblicklich aber „G.I.JOE“, als zweifelhafter Eyecatcher, im Programm hält, wünschten wir uns für ja doch noch einen Streifen, der seinen Plot nicht unbedingt durch ausufernde CGI-FX überlagert.
Eben jenen Wunsch erfüllt uns jetzt Quentin Tarantino......



“Es war einmal….“ Mit diesem Märchen-Insert leitet Quentin Tarantino, wie ein garstiger Bruder Grimm, sein neuestes Werk „Inglourious Basterds“ ein, und das geschieht weit weniger blutig als sonst. Märchenhaft, unwirklich geht’s allemal zu, denn dem Zauschauer bietet sich eine alternative Geschichtsschreibung, in der Adolf Hitler und Joseph Goebbels ein völlig anderes Ende nehmen, als ihnen angegedacht war.
Ein jüdisches Killerkommando, das auf Anweisung die Nazischergen zu Hauf killt und ihnen, als zusätzliche Order, die Skalps absäbelt, so etwas bleibt, ganz Tarantino eben, ein krasser, abgefahrener „Realitätsverlust“. Aber ansonsten hat er seine Geschichte nicht gänzlich verwitzt, sondern nimmt das Thema, auf eigene Art, sehr ernst.
Davon können wir uns gleich am Anfang überzeugen.

Der Streifen beginnt, gewohnt textlastig, mit einem Gespräch, das eigentlich ein Verhör sein soll. Christoph Waltz (u.a. „Herr Lehmann/2003“), als SS-Standartenführer Hans Landa, ist in seiner, zunächst, perfiden Freundlichkeit, mit der er dem französischen Milchbauern LaPadite begegnet, eine echte Offenbarung. Landa will das Versteck der jüdischen Familie Dreyfus erfahren und bringt sein Gegenüber schlussendlich dazu, sie auszuliefern. Der Österreicher stemmt diese Figur einfach so ekelhaft gut, dass man als Zuschauer fast ins Frösteln kommt. Welch eine Freude, dass uns der vorgesehene Weichspülermime Leonardo Di Caprio dann doch erspart blieb.
Kaum zwanzig Minuten dauert dieses Martyrium. Wenn dann Shosanna Dreyfus (Melanie Laurent) dem Judenjäger Landa als einzige entkommt, schafft es Waltz erneut, dass wir diesen Hakenkreuzheini wirklich hassen können.
15 Jahre später wird die Flüchtige ihn wiedertreffen, bleibt aber unerkannt. Der Zuschauer weiss inzwischen längst von ihrer selbstgewählten Mission, aber auch, dass die „Basterds“ und der englische Geheimdienst das gleiche Ziel haben.
Adolf Hitler und sein Gefolge sollen während einer Kinovorstellung das Zeitliche segnen. Shosanna, die zufällig Inhaberin des Filmtheaters ist, hat in dieser Hinsicht einen eigenen, tödlichen Plan…

Es gibt aber nicht immer Grund zum Jubeln, und daran trägt die fehlbesetzte Diane Krüger eine wesentliche Mitschuld. Die Dame ist völlig talentfrei und wäre im TV, bei der „Lindenstrasse“, besser aufgehoben. Von dort kommt ja bekanntlich Totalüberschätzung Til Schweiger, der, als nächstes Ärgernis, nicht einmal einen vernünftigen Gesichtsausdruck bringt. Er bleibt was er ist, mittelmässig, eindimensional...



Ansonsten kann keiner meckern, auch wenn Meister Tarantino bei seinen Fans absolutes cinematographisches Wissen vorraussetzt.
Die Namen seiner Akteure lesen sich wie ein „Who is Who“ des Kinos, aber nicht jeder weiss damit etwas anzufangen. So darf Brad Pitt als Aldo Raine durchgehen, eine Anspielung auf den Hollywoodschauspieler Aldo Ray(1926-91/u.a.“Die Nackten und die Toten/1958“). Hugo Stiglitz (Herr Schweiger) ist ein mexikanischer Acteur(u. a. „Robinson Crusoe und der Tiger /1970“). Wer richtig hinhört, dem kann nicht entgehen, dass Sgt. Donnowitz, dargeboten von Horrordirector Eli Roth (u.a.“Hostel/05“),im Kino, mit dem die überlebende Shosanna inzwischen ihren Lebensunterhalt bestreitet, den Tarnnamen Anthonio Margheriti (1930-2002) nennt. In der Biographie dieses Filmemachers findet sich neben diversen Horrorpics („Dracula im Schloss des Schreckens“/1971) auch einige Western („Satan der Rache/1969“).

Ohnehin zitiert der erklärte Westernfan Tarantino einmal mehr die Werke seiner verstorbenen Idole Sergio Leone („Spiel mir das Lied vom Tod/1968) oder Sergio Corbucci („Django/1966“) „Es war einmal…/Once upon a time in the west“, das ist auch der englische Originaltitel, den Leones genanntes Kultmovie trägt. Quentin Superstar spielt in seinem Märchenland das Lied vom Tod….

Im übrigen hat der Mann ja immer ein Herz für „Altstars“…Nachdem zuletzt der merkwürdige, inzwischen dahingegangene, David Carradine in „Kill Bill“ seinen Auftritt absolvieren durfte, tritt jetzt der Australier Rod Taylor, als Winston Churchill, auf. Mr. Taylor kennen eifrige Filmfreaks als Zeitreisenden aus dem 60er-Klassiker „Die Zeitmaschine“. Daneben war er auch in Hitchcocks „Die Vögel/1962“ zu sehen.


Angereichert mit einer Prise violenter Action unterhält diese wortgewaltige Mischung aus Western und Kriegsfilm einfach nur gut. Ein bisken Splatter ist auch dabei, macht aber gar nix....



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willtippin: Info erstellt am: 12.10.2008 - 16:39:43
In der Sächsischen Schweiz fiel letzten Donnerstag die erste Klappe für Quentin Tarantinos neuen Film "Inglorious Bastards". Das Kriegs-Epos, ein Remake des Films "Ein Haufen verwegener Hunde" von 1978 (http://german.imdb.com/title/tt0076584), spielt während des Zweiten Weltkriegs und handelt von einer Gruppe in Ungnade gefallener jüdischer US-Soldaten, die die Chance erhält, ihre Exekution zu umgehen. Dazu wird die Truppe auf ein Himmelfahrtskommando gegen die Nazis geschickt mit dem Ziel, so viele von ihnen wie nur möglich zu erledigen und zu skalpieren. Parallel dazu wird die Geschichte der Jüdin Shosanna erzählt, deren gesamte Familie ermordet wurde. Nun leitet sie in Frankreich ein Kino und sinnt auf Rache. Als dann ausgerechnet in ihrem Lichtspielhaus für Hitler und Goebbels eine große Filmvorführung stattfinden soll, plant Shosanna zusammen mit den "Bastards" den entscheidenden Schlag gegen Deutschlands verhassten Führer...
Mit dem Schreiben des Drehbuchs zu "Inglorious Bastards" fing Tarantino bereits kurz nach "Jackie Brown" an, schob dann aber immer wieder andere Projekte dazwischen. Nach eigenen Angaben will er den Film nun bis zu den Filmfestspielen von Cannes 2009 fertig gestellt haben. Gedreht wird an Schauplätzen in Deutschland und Frankreich. Neben Hauptdarsteller Brad Pitt sind mit Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger und August Diehl auch viele bekannte deutsche Schauspieler an dem Projekt beteiligt.
willtippin: RE: Info erstellt am: 14.10.2008 - 22:58:22
Der offizielle Filmtitel lautet inzwischen "Inglourious Basterds" und nicht mehr "Inglorious Bastards", so wie er auf dem Teaser-Plakat zu lesen ist. Mit der neuen Schreibweise möchte sich Tarantino stärker vom Original abheben.
chifan: RE: Info erstellt am: 18.10.2008 - 13:54:32
Irgendwie kann ich mir gar nicht so recht vorstellen, dass Tarantino einen ernsthaften Film dreht. Denn eine Parodie wird es bei der Thematik wohl kaum werden. Bin mal gespannt wie das aussehen wird.
willtippin: Deutschlandpremiere in Berlin erstellt am: 15.07.2009 - 12:48:11
Am 28. Juli findet in Berlin im Theater am Potsdamer Platz die Deutschlandpremiere von "Inglourious Basterds" statt. Neben Regisseur Quentin Tarantino werden auch die Schauspieler Brad Pitt, Til Schweiger, Diane Kruger, Daniel Brühl, Gedeon Burkhard, August Diehl und Christoph Waltz auf dem roten Teppich erwartet.
DejaVu: RE: Deutschlandpremiere in Berlin erstellt am: 16.07.2009 - 13:51:28
Bin gespannt - ist einer der Filme, auf die ich mich aktuell freue... http://dejavu.myblog.de/dejavu/art/8017323/Die-weiteren-Movies-2009
willtippin: "Inglourious Basterds"-Premiere: Quentin Tarantino rockt Berlin erstellt am: 30.07.2009 - 11:46:04
Am Dienstagabend hat Quentin Tarantinos neuer Film, das Kriegsdrama "Inglourious Basterds", seine Deutschlandpremiere gefeiert. Zusammen mit Hauptdarsteller Brad Pitt kam der Kultregisseur nach Berlin und verteilte vor dem Theater am Potsdamer Platz fleißig Autogramme: Der Fanbereich am roten Teppich wurde dabei selbst zu einem kleinen Kriegsschauplatz.
Als ich kurz nach 14 Uhr vor dem Theater am Potsdamer Platz eintraf, in dem am Abend für geladene Gäste die Premierenvorführung von "Inglourious Basterds" stattfinden sollte, waren die Vorbereitungen für die Veranstaltung noch in vollem Gange. Techniker richteten die Scheinwerfer optimal aus, Stellwände mit dem Filmlogo wurden vor dem Pressebereich aufgebaut, und einige Helfer brachten noch die letzten Absperrgitter herbei, die als Trennung zwischen rotem Teppich und Fanbereich dienten.
Die ersten Autogrammjäger waren auch schon da und hatten sich natürlich bereits die besten Plätze hinter den Absperrungen gesichert: direkt dort, wo die Stars am Abend aus ihren Limousinen aussteigen würden. Das Wetter hätte mit viel Sonnenschein und größtenteils wolkenfreiem Himmel nicht besser sein können - auch wenn es für einen kurzen Augenblick nach Regen aussah -, und die Stimmung unter den Wartenden war sehr ausgelassen. Man kam leicht ins Gespräch, berichtete von den Erlebnissen während anderer Filmpremieren und erzählte bereitwillig - oft auch ein bisschen stolz -, von welchem Promi man bei welcher Gelegenheit bereits eine Unterschrift ergattern konnte. Und je näher der Abend rückte, desto spürbarer wurde die Aufregung unter den Anwesenden.
Etwa um 17 Uhr heizte Moderator Steven Gätjen kurz die Fans an und widmete sich dann Probeaufnahmen mit dem Kamerateam. Wenig später fuhr dann auch der Lieferwagen weg, der direkt vor mir im Bereich des roten Teppichs parkte, und ich konnte endlich die ganze Szenerie ungehindert überblicken. Ich stand schräg gegenüber des Fotografenbereichs, nur ein paar Meter von der Stelle entfernt, an der die Stars mit ihren Autos ankommen sollten. Langsam bildeten sich hinter mir auch eine zweite und dritte Reihe, und eine neben mir stehende Tarantino-Anhängerin brachte es auf den Punkt: "Wird eng hier."
Gegen 17.30 Uhr positionierten sich dann die ersten Fotografen, die Security-Mitarbeiter verteilten sich auf dem roten Teppich, und es herrschte reges Treiben. Blickte man sich um, so sah man überall Fans mit bereitgehaltenen Fotos, Postern, Stiften und Kameras - und viele erwartungsvolle und neugierige Blicke. Inzwischen hatten sich hinter den Absperrungen auch eine vierte und fünfte Reihe gebildet, und das allgemeine Gemurmel wurde zunehmend lauter.
Pünktlich um 18 Uhr eröffnete Steven Gätjen die Premierenveranstaltung und versprach ein "unglaubliches Programm". Zunächst gab er einige Hintergrundinfos zum Film und meinte, dass Brad Pitt extra für die Fans aus Los Angeles gekommen sei und Quentin Tarantino die Filmschmiede Babelsberg, in der "Inglourious Basterds" unter anderem gedreht wurde, für "das schönste Studio der Welt" halte. Kurz darauf animierte der Moderator das wartende Publikum dann zum "Warmschreien" und führte noch einige Interviews am roten Teppich. Auf die Frage, was er denn von dem Film erwarte, antwortete ein Fan: "Der wird einfach rocken." Doch zunächst einmal sollte nicht der Streifen rocken, sondern vielmehr der Schöpfer des Werks: Quentin Tarantino.
Nachdem seit etwa 18.20 Uhr die ersten geladenen Gäste über den Teppich gegangen waren - darunter auch viele deutsche Prominente wie etwa Andrea Sawatzki, Xenia Seeberg, Bernd Eichinger oder Axel Schulz -, stieg der Kultregisseur als erster großer Star des Abends aus seinem Wagen und wurde mit beigeistertem Beifall empfangen. Der Augenblick, auf den die meisten schon seit Stunden gewartet hatten, war nun endlich da: Quentin Tarantino, der Meisterwerke wie "Pulp Fiction", "Kill Bill" oder "Death Proof" geschaffen hat, stand nun wirklich - live und in Farbe - vor einem. Und wenn man das Regietalent dabei beobachtet, wie er mit einem breiten Grinsen im Gesicht in die Menge winkt, dann fragt man sich wirklich, wer sich in diesem Moment eigentlich mehr freut: wir Fans, weil wir Quentin Tarantino sehen, oder Quentin Tarantino, weil er uns Fans sieht.
Während sich der Regisseur dann auf den Weg machte, um wirklich jedem, der ihn darum bat, seinen Signierwunsch zu erfüllen, begann hinter den Absperrungen langsam ein Kleinkrieg unter den wartenden Fans. Bei den Autogrammjägern waren nicht nur die in "Inglourious Basterds" mitwirkenden Darsteller sehr begehrt, sondern auch die zahlreichen anderen Promis, die nach und nach eintrudelten. Neben den bereits Erwähnten liefen beispielsweise noch Sven Martinek, Jan Josef Liefers, Oliver Kalkofe, Kaya Yanar, Bettina Zimmermann und Tom Tykwer über den roten Teppich. Wenn man dann - so wie ich - in der ersten Reihe hinter dem Absperrgitter stand, wurde man schon mal halb zerquetscht, aus Versehen bemalt oder zur Seite gedrängt. Und natürlich wurden aus den hinteren Reihen auch immer wieder Poster, Fotos und Stifte über die Köpfe der Vorderen gehalten. Das U-Bahn-Fahren zur Rush Hour ist dagegen die reinste Entspannung...
Trotz Gedränge, Hektik und schierer Reizüberflutung meistert man aber dennoch irgendwie die im Grunde genommen logistische Unmöglichkeit, eine Digitalkamera, einen Silberstift, die zugehörige Kappe, eine stabile Schreibunterlage und verschiedene Fotos, auf denen man gerne Autogramme hätte, mit nur zwei Händen so zu koordinieren, dass nichts herunterfällt. Denn liegt einmal etwas auf dem Boden, kommt man erst wieder heran, wenn die Veranstaltung vorbei ist und sich die Menschenmenge hinter der Absperrung langsam auflöst. Sobald dann jedoch Quentin Tarantino einen halben Meter vor einem steht und das mitgebrachte "Inglourious Basterds"-Foto signiert, ist all das vergessen, und man genießt nur noch völlig angetan den Augenblick.
Nach Quentin Tarantino kamen dann jeweils etwas zeitversetzt die am Film mitwirkenden Schauspieler an, darunter Til Schweiger, Christoph Waltz, Diane Kruger - von den dreien konnte ich ebenfalls ein Autogramm ergattern -, Gedeon Burkhard und Daniel Brühl. Ähnlich begeistert wie Quentin Tarantino wurde natürlich auch der zweite große Star des Abends empfangen: "Inglourious Basterds"-Hauptdarsteller Brad Pitt. Auch er widmete sich ausgiebig den Signierwünschen der Fans. Als er bei mir vorbeiging, war die Menge an ihm hingehaltenen Postern und Bildern jedoch so groß, dass er zum Unterschreiben meines Fotos nicht mehr kam. Schade, denn von ihm hätte ich schon gerne ein Autogramm gehabt. Aber Brad Pitt einmal direkt gegenübergestanden zu haben, hat auch schon was.
Erst als dann alle geladenen Gäste und Stars im Theater zur Filmvorführung verschwunden waren, konnte man die unzähligen Eindrücke der vergangenen Stunden so richtig verarbeiten - und wurde sich plötzlich der enormen Promidichte bewusst, die man gerade erlebt hatte. Als ich dann auf dem Rückweg nach Hannover war, habe ich es eigentlich erst so richtig realisiert: Du hast Quentin Tarantino und Brad Pitt live gesehen. Für mich als eingefleischten Filmfan ist das schon ein überwältigendes Gefühl.
"Inglourious Basterds" startet offiziell am 20. August in den deutschen Kinos. Ich bin schon sehr gespannt - genauso wie auf die nächste Premierenveranstaltung.

(Hier könnt Ihr Euch noch ein Interview anhören, das ich mit den Fans am roten Teppich geführt habe:
http://www.haz.de/Nachrichten/Feuilleton/Spaetvorstellung/Inglourious-Basterds-Premiere-Quentin-Tarantino-rockt-Berlin)
tuennes: RE: Deutschlandpremiere in Berlin erstellt am: 30.07.2009 - 19:20:09
Huch. Jetzt bin ich ein wenig erschrocken: Du bist einer von diesen Autogrammjägern? - Lasst doch die armen Leute in Ruhe! :-D
willtippin: RE: Deutschlandpremiere in Berlin erstellt am: 31.07.2009 - 00:10:06
Na ja, so ein bisschen schon... ;-)
willtippin: Oscar-Nominierungen erstellt am: 03.02.2010 - 01:41:17
"Inglourious Basterds" hat acht Oscar-Nominierungen erhalten, darunter auch eine in der Kategorie Bester Film: Die Oscar-Nominierungen 2010
willtippin: Oscar-Prämierung erstellt am: 08.03.2010 - 17:19:33
Christoph Waltz wurde für seine Rolle in "Inglourious Basterds" mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet: Die Oscar-Gewinner 2010


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