Plakat Mulholland DriveMulholland Drive - Strasse der Finsternis | Originaltitel: Mulholland Drive | Produktion: 2002 | Dauer: 146 Minuten | Besucher: 137470
Starttermin: Starttermin, Deutschland: 03.01.2002
Genres: Drama, Lovestory, Thriller
Bewertungen: lord fiddlebottom: 10.0 | Vallen: 10.0 | hanzstahl: 10.0 | Aitana: 10.0 | Tool: 10.0 | dony: 10.0 | Julia: 10.0 | Jerry Lundegaard: 10.0 | DejaVu: 10.0 | bovbossi: 10.0 | DickLaurent: 10.0 | eu pingu: 10.0 | Saufbruader: 10.0 | Franci: 10.0 | cristina: 10.0 | melatoninwatermellon: 9.5 | Lord RinderBaum: 9.5 | aquario77: 9.5 | Matthias: 9.5 | jonasm: 9.5 | kadda: 9.0 | storm: 9.0 | Mrs Freeze: 9.0 | Audrey: 9.0 | Kai: 9.0 | cheshirecat: 9.0 | Sebi: 9.0 | ZONNEY: 8.5 | Gawain: 8.5 | dreamfall: 8.5 | Anaijavi: 8.5 | dotdeguy: 8.0 | chifan: 8.0 | Sebenika: 8.0 | Paxton: 8.0 | tuennes: 7.5 | Sandmann: 7.0 | Lotta: 7.0 | earny: 6.5 | PMVO: 6.0 | docbrown76: 5.0 | Mori: 4.0 | clemi: 3.0 | Mandarine: 3.0 | ti-do: 2.0 | UHU: 2.0

Bewertungsübersicht:
Gesamteindruck: 8.25 (46); Action: 5.65 (10); Anspruch: 9.57 (14); Erotik: 7.18 (14); Humor: 3.88 (12); Musik: 8.93 (14); Unterhaltung: 8.96 (12); Spannung: 9.75 (10); Originalität: 10 (4); Look: 8.5 (4)

Cast: Crew:
Naomi WattsBetty Elms/Diane Selwyn
Laura HarringRita/Camilla Rhodes
Justin TherouxAdam Kersher
Mark PellegrinoJoe Messing
Regisseur
David Lynch
Produzent
David Lynch
Filmmusik
Angelo Badalamenti
Drehbuch
David Lynch





Autor: Kai | 26.12.2001 - 23:50:10
Kurzkritik
Diesen Film werden sie nicht so schnell vergessen!!!

Der neue Film von Altmeister David Lynch bietet die Beschreibung einiger äussert skuriller Geschehnisse in Hollywood. Während dem Film gab es eregte Diskussionen mit meinen mit-Sneak-Besuchern, in denen wir uns über den Sinn/Unsinn der einzelnen Szenen unterhielten. Einiges klärte sich im Verlauf des Films auf, anderes nicht. Ich werde mir jedoch erst einmal ein paar Hintergrundinfos über den Film holen.

Um den Film richtig zu verstehen sollte ihn man sich vielleicht auch noch ein- oder mehrmals anschauen. Wie auch immer ein hervoragender Sneak-Film. Über Filme wie diesen freue ich mich immer wieder, da sie sonst in Villingen-Schwenningen eben leider nicht zu sehen sind.

Der Film erhält meine Wertung auch wenn ich zugeben muss ihn nicht völlig (eher sogar sehr wenig) verstanden zu haben. Vielleicht sollte man ihn einfach als (expressionistisches) Gedicht betrachten, das seine wahren Intentionen und Ergebnisse auch erst nach einigen Überlegungen preisgibt.

Hinweis: diesen Text verfasste ich direkt nachdem ich den Film zum ersten Mal gesehen hatte, nach einem zweiten Kinobesuch habe ich weitere Kommentare im Kommentar "Meisterwerk" zusammengefasst.
Autor: UHU | 28.12.2001 - 17:57:05
Kurzkritik
Am Ende dieses Film bleibt im eigenen Kopf eigentlich nur ein großes FRAGEZEICHEN übrig, aber nicht nur eins, sondern es sieht eher so aus:



???? ????? ?????? ???...



Wer diesen Film voll verstanden hat, melde sich bitte bei mir! Z.B. ist mir die Rolle des Cowboys im Film unklar, warum rennen der Grinseopa und die Grinseoma nachher als kleine Zwerge durch den Film [.......] ???



Wenn es einen Grund dafür gibt, dann doch der das nichts in dem Film echt, wahr oder wirklich ist, sondern alles ist ein total verpeilter Traum(?), surreal ist. Aber dies war echt heftig, mir zu heftig!! Man wartet auf eine Auflösung, einen Sinn (wenigstens ein bißchen...), aber man bekommt KEINE.



Außer, dass der Regisseur David Lynch sich vielleicht mit diesen Film bei irgendwelchen Psychatrien bewerben wollte (wieviel Angebote er wohl in der letzten Zeit zugeschickt bekommen hat?). Vielleicht benötigt man selber auch eine ganze Menge Psychopharmaca um dem Inhalt des Films näher zu kommen.



Gedreht war der Film ja eigentlich nicht schlecht..., viele Szenen für sich waren eigentlich auch gut (z.B. der 3fache Mord, oder die Ankunft am Flughafen...), genauso viele waren aber auch um es milde zu sagen komisch (z.B. die Szene im Theater Silencio oder die Szene als Betty bei dem Anblick des blauen Würfels veschwindet/ in eine andere Dimension wechselt...). Aber gehört das echt zusammen? Es fehlt einfach der ZUSAMMENHANG!! Es wurde auch eine gewisse Spannung auf das Ende erzeugt, ich dachte die ganze Zeit, dass ich dann den Film VERSTEHEN würde, aber das Ende war ja noch verpeilter als der Anfang!! Ich hab mich auf den Film eingelassen und auch NACHGEDACHT (drum hab ich ich die Kritik auch 2 Tage später geschrieben... ;-) ). Aber nur weil man einen Film nicht versteht kann man doch nicht sagen, dass er gut war!! Ich erwarte ja keine WAHRHEIT (eine Film ist ja nicht die tagesschau), aber doch bitte wenigsten ein bißchen SINN. Ursprünglich sollte der Film eine Fernsehserie werden (und der Pilotfilm war 90 Minuten und ging bis zu dem Finden der Leiche). Vielleicht sollte das ganze bei 20 Folgen a 45 Minuten einen Sinn ergeben, aber leider hab ich ihn in den 146 Minuten nicht entdeckt...



...trotzdem fand ich es gut, dass solch ein filmisches "Meisterwerk" in der Sneak zu sehen war, immerhin hat dieser Film in Cannes den Preis für die beste Regie bekommen. Aber deswegen muß ich den Film noch lange nicht zu meinem Lieblingsfilm erklären...
Autor: anonymous | 09.10.2004 - 23:26:21
Inhaltsangabe
Autor: Bugsy (Ninja_Bunny@lycos.de)

Also die Interpretationen die ich bis jetz gelesen hab, gefallen mir nicht, muss ich ehrlich sagen. Das ist einfach zu........leicht.

Ich kann mich mit dem oft genannten 90minütigen Traum nich zufrieden geben. Ich dachte eher an sowas, wie die Interpretation von aycari ; also eine neue Identität durch die Box.

Durch die Traumgeschichte wird einfach alles viel zu leicht gemacht...
Autor: craax | 11.03.2012 - 21:17:16
Kritik
gut war: schlecht war:
Schauwerte, Faszination, Atmosphäre (Bedrohlichkeit), Spannung, Nachwirkung, starke Darsteller, Konstruktion : unglaublich durchdacht und stringent, Drehbuch & Regie, Symmetrie der Handlung, Logik, Zusammenführung der Fäden:
Mitgefühl
absolut kompromißlos, ohne Rücksicht auf irgendein Zuschauerpotential: sich selbst getreu, unmarkierte Zeit- und Erzählebenen-Wechsel: aber ist das wirklich ein Nachteil?


die Story:

Storyzusammenfassung:

Mittlerweile ist bei Wikipedia eine ausgezeichnete knappgefasste Szenenreihung verfügbar:

im Prinzip: >CamillaDiane Selwyn

die Kritik:

Mulholland Drive v. David Lynch


Ich werde mit Mulholland Drive eine seltene selbstauferlegte Regel brechen. Dies Werk ver-trägt es. Es ist äußerst komplex und stringent konstruiert. Nichts in seinem Aufbau und Kon-struktion ist zufällig. Es ist kein Ergebnis willkürlichen, spontanen Zusammentreffens. Ganz im Gegenteil,- es ist wie weniges in der Filmkunst höchst berechnet, sparsam, verdichtet, al-les Überflüssigen entkleidet,- und in seinem Aufbau von unvermittelter Folgerichtigkeit, in der jedes Detail an seinem Platz sitzt, durch keine Spielerei oder Verdunkelung vernebelt wird, und zum richtigen Zeitpunkt in einem trotzdem höchst undurchschaubaren Spiel zum Tragen kommt. Wie Mozart dem Erzbischof von Salzburg antwortete: „Keine Note zuviel, Sire“. Da das Werk es verträgt, ja, für mich noch gewachsen ist, seit ich seinen wundervollen Aufbau beim erneuten zweiten Wiedersehen bewundern durfte,- da ich, hoffe ich, dem Werk nicht schade, indem ich seine fast schon organische Struktur, die nur einem Zweck dient: nämlich es zum Leben zu erwecken und darin zu erhalten,- den Blicken preisgebe, werde ich so tun: ohne Umschweife, so direkt wie es möglich ist, ganz entgegen dem vollendeten Künstler, der es schuf, den Mythos entzaubern und eine ungekünstelte Eins-Zu-Eins-Übersetzung ins Reale liefern – den genau das – tut letztendlich der Regisseur und Verzaube-rer des Werkes auch.
Er nähert sich von entfremdeten Weiten, von vollkommener Verstellung,- einer völlig unge-künstelten, platten Wiedergabe einer im letzten Detail getreuen Kopie einer unfrisiert existie-renden Szene, nah am Schluß der Konstruktion. Ich sage es gleich, getreu dem einmal einge-standenen und beschlossenen Motto: es ist diejenige der Party im Hause des Film-Regisseurs Adam Kesher am Mulholland Drive 7216.
Noch einmal: ich werde so tun wie beschlossen, weil ich denke, das dieses Werk die unge-schminkte Wahrheit erträgt und verdient,- und in meinen Augen dadurch nur gewachsen ist. Es ist ein Meisterwerk wie wenige. Es ist von derartiger künstlerischer, kompositorischer, und auch visuell-schauspielvollkommener Kraft (zugleich in der atemberaubenden Leistung seiner Darsteller),- das Ihm die Analyse seiner Vollkommenheit, wie bei einem großen Gedicht, nicht schadet. Ich füge ihm, hoffentlich, durch meine Entmythologisierung keinen Schaden zu, auch nicht in den Augen des Zuschauers. Nur Eines sollten Sie nicht tun: weiterlesen, wenn Sie dieses Werk noch nicht gesehen haben. Tun Sie es nicht. Das wäre Mord. Mord an einem vollkommenen Produkt der Kunst,- und ich wäre schuldig, die Pistole(nkugel) in der Hand eines Attentäters. Versprechen Sie es. Versprechen Sie, nie den Film zu schauen, bevor diesen Abschiedsbrief, die letzten Worte ungeschminkter Wahrheit der Absicht, kurz vor der Begegnung mit ihrem Schöpfer, Sie lesen. Die Pietät verlangt es. Versündigen Sie sich nicht, denn auch darum, um Sünde, Schuld, und Sühne, geht es,- eine Tat und furchtbare Folgen. Entraten Sie einer Situation des Vergehens, ähnlich wie hier geschildert. Bleiben Sie rein,- und im unendlich segensreichen Stande der Unschuld. Am Ende des Films werden Sie aufat-men: das Sie, hoffentlich, dem schrecklichen Antlitz nicht begegnet sind. Bisher. Denn wie sagt der Mann im Winkey‘s, bevor er ins Koma fällt: „ein Gesicht, so schrecklich, das ich ihm hoffentlich nie in Wirklichkeit“ – wie dann doch geschieht – „begegnen werde“. Die folgen-den Seiten erzählen von dem tatsächlichen Auftreten und Gewahrwerden diesen Gesichts im tatsächlichen Leben eines Menschen, einer Frau, mit Namen Diane Selwyn, die womöglich) nur ein weiteres Synonym ist, für eine des Namens Jennifer Seyme (Widmung),- und seinen grauenhaften, schrecklichen, furchtbaren, traumatisierenden Folgen. Sie können mir in den genauen Tathergang folgen. Glauben Sie mir, Sie möchten dem Gesicht nicht begegnen. Re-spektieren Sie meinen Wunsch. Schauen Sie zuerst David Lynch Werk. Danach kommen Sie, meinetwegen, wieder. Und nun los.

Um es kurz zu machen: Mulholland Drive, eine real existierende Straße in Los Angeles die Hollywood Hills hinauf, - nicht fern auch dem berühmten Schriftzug, thronend wie eine Kro-ne über der weit ausgedehnten, in ferner anonym glitzernder Dunkelheit, des wimmelnden urbanen Downtowns der Ebene,- ist Sitz der erlesenen Macher, Schalter, Drahtzieher und Teilhaber des Mythos der Traumfabrik,- und der (zeitweiligen) Nutznießer und Inkarnationen des Weltruhms. Hier residiert Kinoprominenz, deren Leben einem Mythos und Dasein der Götter auf dem Olymp ähnelt: wie einer, Jahrzehnte später immer noch, längst zur Legende gewordenen Rita Hayworth („as ‚Gilda‘ in a movie of ‚Glenn Ford‘“).- Nur die Ruhe, wir kommen gleich zu ihr. Mulholland Drive: ein traumhaftes, schwebendes, unwirkliches Li-mousinen-Dasein, fern der Realität des grautumben Alltags der wimmelnden Ameisenschar abwärts, zu mystischen, irgendwie bedrohlich wirkenden Klängen, die ein dunkles Geheimnis umhüllen und ankündigen, während eine Limousine sich schwer in Serpentinen schmiegt in lautlosem Dahingleiten. Auf dem Rücksitz eine chauffierte Frau, von dunkler Schönheit. Es ist Nacht, Einsamkeit, in völliger Stille der Gegend. Nicht ganz. Zwei wahnsinnig rasende Fahrzeuge voll mit Trunkenen, doublettieren die Piste entlang, nebeneinander, im ausgelasse-nen Wettstreit, als ob ihnen die Welt unstörbar zu eigen wäre. Im Augenblick eines offen-sichtlich beabsichtigten Mordes, in der angehaltenen Limousine, an der dunklen Schönheit, angesichts einer sich richtenden Waffe - krachen diese unvermutet, gewaltig jäh, in die Szene. Den Trümmern entwankt, wie durch ein Wunder scheinbar einzig unverletzt, verlassen, un-endlich einsam, nur eben allein diese dunkelhaarige Frau, wohl unter Schock, im bloßen Cocktailkleid samt Täschchen, schwankend, „wie eine zerbrochene Puppe“ (laut den kolpor-tierten Regieanweisungen David Lynchs), den Blick auf das untenliegende Glitzermeer des nächtlichen Los Angeles heftend, querfeldein wankend, zwischen Strauch und Gebüsch hinter sich schließend diesem hinunter zu, wie im Traum.

So etwa beginnt, mit einem von Wind und Wetter gegerbten in der Dunkelheit schwankenden Straßenausweis-Schild, der Film, in einer visionären Schauwert-Illumination. Dieser folgen noch etwa drei, vier andere Schlüsselszenen, die ebenfalls reine Präpositionen sind (wie etwa diejenige des Mannes im ‚Winkeys‘-Schnellrestaurant, der seiner, offensichtlich seelenthera-peutischen Begleitung eine bedrohliche Traumerlebenssequenz erzählt),- bevor endlich im Moment der Ankunft der jungen, optimistischen, strahlenden, begeisterten Betty auf dem Flughafen von Los Angeles – die eigentliche Aufnahme des Erzählstranges beginnt,- und in einem offensichtlich verfremdeten Modus fortsetzt.

All diese unzusammenhängend zeitlich und logisch durcheinandergewürfelten, rein aneinan-dergehefteten Szenen nehmen keinerlei Rücksicht auf den derzeitigen minimalen Kenntnis-stand des Zuschauers, und erweisen nur in eindringlichen Bildern eine eigenständige visuelle Kraft. Ich habe versprochen, ohne Umschweife zur Entschlüsselung überzugehen, um ein kompromißloses Drehbuch gewichtsmäßig auszugleichen. Ich hoffe, ich versündige mich nicht. Auf Ihren Wink, Herr Lynch, werde ich diesen Webzugang sofort schließen. Nun also denn, schweren Herzens, und etwas unsicher, entschließe ich mich, ohne weitere, eigentlich angemessene künstlerische Verfremdungstechnik meinerseits, zur Dechiffrierung der nackten Tatsachen überzugehen. Es sei:

Die Geschichte Bettys – und der dunklen Schönheit – handelt von einem Mord,- und Selbst-mord. Ganz kurz gesagt, heißt Betty nicht wirklich Betty, so wie Rita nicht Rita heißt, auch nicht Camille ist ,- sondern Diane, Diane Selwyn sogar (im Film,- die jedoch, in Wirklichkeit, wiederum noch einen anderen weiteren... Namen trägt, den Ihnen schließlich David Lynch selbst verrät).

Betty ist Diane. Vor weniger Zeit kam sie, wie viele, als junge, unendlich hoffnungsfreudige Provinzikone in der irrealen Erwartung eines traumhaften Aufstiegs im Filmgeschäft nach Los Angeles, Heimat Hollywoods, ein Traum, der deswegen womöglich wahr werden zu können versprach, weil eine verstorbene Tante (übrigens in der Werkeltagsumgebung der Filmland-schaft tätig)- ihr ein Appartement downtown und ein weniges an Geld hinterließ. – Neben diesem nährt höchstens der Preisgewinn eines Jitterbug-Wettbewerbs (dessen ebenfalls bereits irrisierenden Legendencharakter zwischen Tag und Traum das Intro des Films vor dessen eigentlichem Beginn bildet) den ‚Traum von Hollywood‘ .(Im zweiten Teil des Intros – denn auch dies ist gespalten – windet sich eine stöhnende Frauenstimme – „Die verdrängte Schuld“ - unkenntlich unter einer verhüllenden Seidendecke) . – Jenes von der Tante ererbte Apparte-ment, eigentlich Nr.12, ist dasjenige, was wir im immer realer werdenden Schlußgewicht des Films,- vermutlich wenigstens ähnlich demjenigen der Nummer 17, in dessen Inneres wir tatsächlich vordringen,- (fast) betreten. Diane ist, bei der Ankunft, vermutlich voller Elan und ähnlich ausgefüllter Traumhoffnung wie Betty. Der Film erzählt einfühlsam die unendlich traurige Geschichte des Crashs dieser Hoffnungen, die nicht nur in der Selbstzerstörung und dem Selbstmord Dianes‘ enden,- sondern auch den dorthin leitenden Zusammenhang des Tat-vorgangs schildern: die Verstrickung in Schuld, eines Eifersuchtsdramas, in welchem die ver-geblich in Nebenrollen beschäftigte, begabte, auf Aufstieg hoffende Betty die Geliebte eines arrivierten, selbstbezogenen, auch lesbisch aktiven -weiblichen Hauptrollen-Stars wurde. Die-se, mit Namen Camille, in die sich Betty rettungslos verliebt und hingibt, lebt-schläft sich rücksichtslos von Erfolgs-Talent flankiert nach oben: nicht in der Absicht zu verletzen oder zu nützen, doch unachtsam allein nur sich und ihre Bedürfnisse selbst im Blick: andere, auch in ihrer Verantwortlichkeit für sie, nimmt sie kaum wahr. So übersieht sie (oder es ist ihr gleich-gültig), wie tief sie Betty verletzt, und in welche Gefahr sie sich damit drängt : denn Betty ist nicht stark genug für den Schmerz, in den sie gestürzt wird. Nach einem letzten Schlüsseler-lebnis, anläßlich der Party des derzeitigen Erfolgsregisseurs (‚Adam Kesher‘ bei Lynch), des nächsten Starfilms der angehenden Diva bei der Diane gewahr wird, das nicht nur diese bei-den, im Beisein seiner Mutter, einer uralten dominanten Filmgeschäfts-Matrone (namens „Coco“),- ihre Verlobung bekanntgeben (wollen),- sondern sie (Diane) zudem noch Zeugin wird, das sie auch in der sexuell orientierten Zuneigung Camilles durch eine andere Frau, Cynthia Rhodes („...Sie ist die Richtige“...), ersetzt wurde /was ihr ziemlich schonungslos nicht vorenthalten wird – oder ihrer Beobachtungsgabe nicht entgeht - ,- nachdem sie also realisieren muß, das sie in jeder Hinsicht enttäuscht und aus Camilles Leben entfernt ist, die sie doch so rettungslos verzweifelt liebt,- heuert sie, aus Rache und rasender Eifersucht und sinnlos vor kaltem Zornesschmerz, einen ungeheuer genau beobachteten und von Lynch ein-gestuften bezahlten Killer – in eben jenem trostlosen Winkey’s - an : der Camille, den sie grausam quälenden Star, töten soll und wird („Sind sie sicher, das Sie es wollen? – wenn Sie das Geld mir übergeben, haben wir einen Deal!“ – „So sicher wie nichts Anderes auf der Welt -!“) – . Ins Gedächtnis eingebrannt steht, an jener bezeichneten Stelle nah dem Tresen, ein unbeteiligter Mann dabei, um von ihr beobachtet,- an anderer Stelle in die Rekapitulation ei-ner konstruierten Wirklichkeit zweckdienlich verfremdet wiedereingebaut zu werden. „Wenn es erledigt ist, werden Sie diesen Schlüssel an der vereinbarten Stelle finden“ sagt der unsäg-lich schäbige Killer noch, und weist Diane an seinem Schlüsselbund einen blau gefärbten ge-wöhnlichen Alu-Haustürschlüssel (welcher in späteren Filmeinstellungen einer nur durch Lo-gik geordneten Szenenreihung dazu dienen wird, Vorgestelltes, Erlebtes, und Gegenwart von-einander abzugrenzen, indem er auf demselben Couchtisch mal auftaucht, mal verschwunden ist),- und in einer der eindringlichsten Metapher-Einstellungen des Films wie ein schuldzu-weisender schrecklicher Zeiger auf Diane hinweist, der in diesem Moment symbolhaft anhand genau dieses Schlüsselzeichens endgültig klar wird, was sie getan hat,-: (nämlich) das Camille tot auf ihre Verursachung hin – ermordet- ist, nie zurückkehren wird, während im gleichen Augenblick die Schuld wie - oder in Gestalt der bereits ermittelnden Beamtenschaft an Ihre Tür pocht, unter deren Ritze eine der Schuldauslösungen, in Gestalt von Wahn und Ruhm, ins Zimmer schlüpft, - zuerst zwergwinzig, bald ins Riesenhafte anwachsend die Gestalten desje-nigen zuvor bekannten NullAcht-Fünfzehn-All-American-TV-Dream-Paares,- welches ur-sprünglich unscheinbar Zuhause vor dem Bildschirm in millionenfacher Potenzierung Ruhm samt sagenhaftem Reichtum (siehe Ritas Handtasche) und jede traumhafte Wunscherfüllung zu stiften und zu vergeben hat: des ahnungslosen Publikums, das über Wohl und Wehe eines Stars – oder auch Eines, der es nicht bis dorthin zu bringen schaffen wußte,- der unzähligen Verlierer einer, - entscheidet,- und die zu Furien angewachsen die schuldige Diane bis zu ih-rem letzten hiesigen Ort auf Erden, Richtung Kauerstellung auf ihrem Bett in im Schlafzim-mer hetzen, in dem sie sich in einer furchtbar eindringlichen Kurzschluß-Panikattacke, von Schuld erdrückt und Gewissensfurien zerfetzt, erschießen wird.
Ist der Zuschauer an dieser Stelle des Films endlich angelangt, und hat er ihn bis dahin ver-standen, sollte er ernsthaft erschüttert sein, der nie wurde ihm, meines Wissens nach bekannt, ein tatsächlicher, real vorkömmlicher Selbstmord so eindringlich von innen rekonstruiert und nachfühlbar, erlebbar jäh überraschend und erschütternd, packend und quetschend, vor Augen geführt, nein: ins Innere verflüssigt & eingeflößt. Es g i b t so etwas jedoch in Wirklichkeit: wir alle lesen und hören immer wieder einmal davon. So aber –
muß es wohl sein, wenn man selbst derjenige ist, dem es – bald nicht weiter – zu erleben be-stimmt ist.
S i l e n c i o . Heiser. Geflüstert. Welche Wohltat. : Und
Erbarmen.

Soweit der äußere Tathergang, der ‚reale Ebene‘ genannt werden darf, und welcher der er-zählten Geschichte zugrundeliegt. Diese selbst allerdings ist eine andere. Sie ist die Ge-schichte von B e t t y ,- und ihrer mysthischen Vereinigungs-Begegnung mit der dunklen un-bekannten, hilflosen, verletzten, leidenden, weitgehend stummen Schönheit. Sie, ihre gemein-same Geschichte, konstruiert den eigentlichen Gehalt und Flair des Films,- denn die Realität ist, wie wir erfahren,- in ihrer gewöhnlichen Mitteilbarkeit eine b a n a l e Geschichte, übli-cherweise in Form eines unbeteiligten Gerüchtes oder Zeitungsartikels. Gewicht und wahr-hafte Bedeutung, dessen, was wirklich (gefühlt) war, erhält sie erst, wenn wir uns in ihre Ge-stalt begeben und verwandeln : sie, vielleicht durch Kunst, verfremdet angewandelt, als das erleben, wie sie ist /war /scheint: in das, was uns berührt, zu Gefühl, zu Wahrheit, zu Bewußt-sein erweckt wird: und nicht nur als logischer Beschluß informiert. Der Film handelt von der Geschichte einer Entschlüsselung – ganz anderen Wahrheit als geglaubt und ‚wahr‘genommen. Der Film handelt von der Rekonstruktion und dem Wiederauftauchen einer verdrängten Tatsächlichkeit, unter und hinter all ihrer Scheinbarkeit. Der Film erzählt die schreckliche Geschichte, wie Betty, eine schutzkonstruierte Scheinidentität, einer schuldig gewordenen Person, die der Wahrheit zeitweise in die (absolute) Verdrängung auszuweichen gezwungen war,- doch der realen Begebenheit, oft schlicht Wahrheit genannt, auf die Dauer nicht entgehen konnte: Diane i s t Betty – oder ist Betty Diane? Der Film erzählt, wie Betty entdecken mußte, Diane zu sein,- doch nicht sie allein: Rita ist, anläßlich der Gestalt Camilles, der Frau Ihrer (Dianes) Liebe und Träume, ebenfalls mit von der Partie. Denn „Betty“ (unbe-wußt instrumentiertes Namensschild der Winkey’s-Bedienung in jener Killerheuer-Schlüsselszene als Ursprung der Schuld) ist nicht Dianes Abspaltung allein in ein unschuldi-ges Unwissen: sie ist auch, namenlos in ihrer Bewußtlosigkeit, der Nacht, des Unwissens, der Unbewußtheit, die dunkle ahnungsvolle, sich fürchtende ob eines drohenden verborgenen schrecklichen Geheimnisses,- Rita : das unbewußt bewahrte unleugbare Wissen, von sich selbst: dessen, was getan ist – von ‚dir‘, ihr getan wurde.
Rita ist das unterbewußte, in zeitweilige Unwahrnehmbarkeit abgedrängte Wissen und Be-wußtsein der eigenen Schuld, der unnennbaren nackten Tatsachen, der gefühlten Realität. Rita ist, wie Betty, abgespaltener unschuldiger doch nicht ahnungsloser Teil der sich verleugnen-den schuldigen Diane. Rita und Betty sind Schwestern, derselben Über-Schuld-Erzeugerin. Rita ist, genausogut wie Betty, Diane. Rita und Betty: sind eins. Rita und Betty sind: Diane. Beide zusammen ergeben eine Person, vollkommen ahnungslose Ratio und ahnungsvolles Gefühl, denkendes Agieren und erinnerndes Re-agieren, Lenkung und Zeugenschaft, Be-wußtheit und Verdrängung, optimistische Leugnung und bedrohliche, hilflose Ahnung. Rita und Betty, in Liebe füreinander bestimmt, sind und werden eins, wie jemand, der sich im be-sten üblichen Fall gewöhnlich – durchaus in Selbstliebe zugetan ist (wo nicht, denn auch das gibt es,- wo sie zerfallen sind: lauert womöglich ein noch auszehrenderes, weil dauerhafteres Schicksal frei nach dem Motto: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende). Hier aber: sind sie durchaus ‚verliebt ineinander‘- „Ich bin verliebt in dich. Ich bin verliebt in Dich!-“ Dies ist schon in Ordnung. Das Schreckliche lauert woanders. Sie können nicht mehr ungestraft eins sein ; denn schmelzen sie zusammen, zu Diane, wird etwas anderes, Schreckli-ches, real, die Wirklichkeit, die sie zusammen geschaffen haben; Schuld, eines Mordes, am Geliebtesten, für immer nun Entfernten, Zerstörten, durch eigene Weisungsschuld Zugrunde-gegangenen. Das ist das Ende. Die, solcherart, Einheit kann nicht bestehen. Deswegen muß sie zerstört werden. Sie wird es, ist schon getan.

Betty entsteigt dem Flugzeug, unendlich optimistisch, rosa angetan. Den ganzen Film über wird Rosa ihre Lieblingsfarbe sein,- so wie ihr Alter Ergo, das sich hilflos, gedrungen, die Aushilfsbezeichnung Rita sucht (zufällig?? - nach einem geläufig stylischen Wohnschmuck-Acessoire an der Wand, wie wir es in vielen Wohnungen vorfinden: wir alle sind Stützen des verkehrten, bis zum Mord irrbar vermögenden Mythos: wir alle sind schuldig! im Maße wir die Kraft des ahnungslos falschen Kollektivs bedienen und stärken) – so wie die nach der ein-schlägigen Hollywoodlegende Rita Hayworth sich nennende Unbekannte : vor allem Schwarz-Rot-Kombination vorzieht, mittelalterliche Sinnbildvorzüge der Hölle und Sünde (ähnlich, warum bloß, gleich wie „Coco“ – denken Sie darüber nach, es lohnt sich, denn in diesem Werk ist wirklich wenig, sehr wenig, „Zufall“) -. – So wenig wie „zufällig“ die dunkle Schönheit in die Traumwohnung Bettys eindringt und zeitweiligen Unterschlupf finden muß und nur dort finden kann.- Das ist alles andere als ein zufälliges Zusammentreffen: denn Be-wußtsein und Unterbewußtsein, in einer Person, gehören zwangsläufig zusammen,- und woh-nen und domizilieren unter einem beherbergenden Dach. Aber dazu gleich weiter. Nun erst kommt einmal Betty auf dem Flughafen an – jung, strahlend schön, gut frisiert, mit seiden-weich gepflegtem Haar (siehe später die strähnige, strohige, vernachlässigte Realität) – nun voller Elan, Wärme, Hoffnung, und rosagetünchtem Optimismus. Das war Diane einmal: so war sie tatsächlich,- und eigentlich wäre es schön gewesen, sie hätte so bleiben,- oder wahr-haft dazu, zu solcher Realität, heranreifen und werden dürfen. Leider – Sie wissen –

Arm in Arm mit einer zukünftigen Hoffnung – auf Erfolg, beim typischen Publikum, Quelle des anonymen Ruhms – schwebt sie die Rolltreppe hinab, sprachlos vor Begeisterung, mit der sie die Worte spricht : („wer hätte das gedacht – gestern noch in xx, XXX – und nun hier – in dieser – dieser- - TRAUMSTADT!“ (angesichts eines paßgenau ins Bild schimmernden ‚LOS ANGELES-Banners) . Traumstadt – sehr wohl. Die Realität jenes Los Angeles, das Betty nun betritt, während das ruhmgewährende potentielle Zuschauerpäarchen davonrollt – in einer Luxus-Limousine natürlich, stimmig wie Zeus Blitz in der Hand, Zepterausweis seines Po-tentatentums, und irreal dämlich grinsend dabei in seiner Wohlfühl-Identität, die mit Realität nichts zu tun hat und zu schaffen haben will) (was für eine Anklage Lynch’s in diesem breiten Grinsen der Alten steckt!) ,- während also diese fiktionalisierte Metapher glückselig davon-rollt,- begibt sich Betty zu ihrem Domizil: und wir betreten ein traumhaft schönes Apparte-mentareal,- und bitte: immer wenn das Wort traumhaft -, Traumstadt,- oder sonstige Träum-lichkeit auftreten, hat es in diesem Film und Text eine äußerst doppelbödige, zweischneidige und illusionäre Bedeutung.

Bereits vor Bettys erster Ankunft hat sich das dunkle Geheimnis in ihr, dort, verborgen und ist versteckt mitenthalten: und es dauert auch nicht lange, bis, vor allen anderen, Betty selbst sie entdeckt und ihrer Gewahr wird: nach einigen unstimmigen Hinweisen entdeckt sie die ganz entblößte, rein auf ihr Wesen reduzierte Gestalt, wie ganz Zuhause, im innersten Intimbereich ihres Bades, wie Gott sie schuf, ganz und gar nackt unter der Dusche. Pikiert, und doch nicht übermäßig überrascht, und sich zu unglaubhaft, um real zu sein, zurücknehmend, teilt sie sehr bald ihr Appartement mit ihr, als wäre es deren eigener Wohnsitz gleichberechtigt so wie der ihre : keine Bedrohung, obwohl fühlbar, scheint von ihr wenigstens für sie (eher für sich selbst) auszugehen,- sie sind bereits, auf geheimnisvolle Weise verbunden, gefühlte Freundin-nen,- mehr als das. Die Polizei ist, sehr irreal, kaummehr ein Thema und innerhalb eines Ne-bensatzes abgehakt: die beiden gehen die Sache auf eigene Faust an. Wie sie da nebeneinan-der sitzen, die helle, wohlige, bestimmende, forschende, redende Blonde,- und die verwirrte, verletzte, schweigsame, hilfsbedürftige, ruhende Schönheit der Dunklen, komplementär bis in die Augenfarbe hinein, wie Schneeweißchen und Aschenputtel-Rosenrot,- bilden sie von An-fang an ein bizarr aufeinander gewiesenes ergänzendes Gegensatzpaar : wie widersprüchliche, und doch in vollendeter Harmonie verknüpfte Schwestern. Man kann Lynch nur gratulieren: zwei so ungeheuerlich genau zutreffende Verkörperungen bestimmt und gestylt zu haben,- deren Chemie zusammen beim bloßen Anblick bereits ein mystisches Ganzes formt, das ne-beneinander, schreitend, agierend, sich musternd, mitteilend: dem Film erwächst, und ihn in sich hervorsprießen läßt. – Sie prüfen zusammen den Inhalt der Handtasche, die ‚Rita‘ als Einziges, neben der Nullität des Cocktailkleidchens, Stöckelschuhen und ihrer Verletzlichkeit, mit in die Verbindung gebracht hat: es enthüllt, Batzen um Batzen, eine ungeheure, unglaub-hafte Summe Geldes und – einen geheimnisvollen, irrealen, völlig ungebräuchlichen, merk-würdig ägyptisch-futuristischen großen blauen Stift-Schlüssel -.Wozu nur? Sonst nichts. Geht es um Geld, um viel Geld, in dieser Angelegenheit?, auch? Die Beiden werden in ein dunkles Geheimnis gesogen, das, spüren sie, bei Gefahr für Leib und Leben (zunächst für die scheue, geängstete, sprachlose Dunkle), aufzuklären dringend notwendig ist, denn hier geht es spürbar ums Ganze. Auf eigene Faust begeben sie sich, unter der cleveren Führung der dunkel hinge-zogenen bedenkenlos hilfsbereiten Blonden,- an die Auflösung der Hintergründe.



Wenn ihr wollt, setze ich das fort.



eigentliche Kritik gibt's unten.
Autor: patman | 04.05.2005 - 13:32:27
Kurzkritik
Hi

Leute kaum zu glaube, jetzt wird schon ueber drei Jahre (oder mehr) auf dieser Seite herumgeschrieben und ich moechte nun ein paar DInge hinzufuegen, die mir auch aufgefallen sind und die suuperinteressant sein koennen zum interpretieren des Filmes.

1.) Der Name den sich Rita nach ihrem Gedaechtnisverlust aussucht stammt von einer Schaupielerin Rita Hayworth die gegen Ende ihres Lebens Alzheimer hatte interessant nicht wahr?

2.)Das elektriche Lich scheint bei D.L. eine grosse Rolle zu spielen. Als der Cowboy zum ersten mal erscheint, geht das Licht von alleine an und von alleine wieder aus ,wie auf einer Buehne. Ist das Leben ein Buehne?

3.)Ich glaube das M.D. einer der groessten Hollywoodkritiken aller Zeiten ist, warum spielt er sonst ausgerechnet dort auf dem MUlholland Driv ,wo die ganzen reichen Leute wohnen und handelt von Karriergeilheit, Liebe, Eifersucht usw.? D.L. ist genial und kritisiert alle Hollywood eute, die er dumm oder falsch und unehrlich findet auf eine weise, dass sie ihn nicht verstehen, weil der Film zu kompliziert ist fuer diese Leute.

4.) Alle Filme von D.L. handeln immer von einer blonden und einer bruenetten rau, die gegeneinander kaempfen oder in einer sehr speziellen Relation zueinnander stehen, siehe auch Blue Velvet.

5.) Ich stimme dem Farbcode zu ,dass blau immer eine Form von Angst darstellet, alles was blau ist, beduetet was schlectes fue die Figuren, etwas rote ist Libe oder Emotionen.


Soweit dazu hofe euch etwas geholfen zu haben.
Gruesse an alle
Autor: anonymous | 18.01.2006 - 13:09:43
Kurzkritik
Autor: GaaraSama (mmafio@gmx.net)

Ich finde hier viele Interpretationen richtig gut, dennoch gibts etwas drin in mir was mich zur kritik verleitet.
Ich habe nämlich die Sorge, das vieles in dem Film, von Lynch selbst gewollte Chiffren sind. Da wir brav alle in der Schule gelernt haben das Chiffren Dinge sind, die nur der Autor selbst versteht, ist es schwer zu sagen ob Lynch den Film nur deswegen so gemacht hat um die Leute denken zu lassen, er habe ein kompliziertes Rätsel das man nach 2598429058 anschauen löst. Eine Art psychologischer Trick um den Film wie ein Meisterwerk ausschauen zu lassen, aber einfach an einigen Stellen Variablen eingesetzt, die man beliebig wählen kann und deswegen so versch. Interpretationen entstehen, was wiederrum dazu führt das viele Menschen darüber diskutieren und so die Qualität des Films aufbauschen. Ich sage nicht das es sicher so ist. Vielleicht hat der Film ein Rätsel das man wirklich komplett lösen und verstehen kann. Eine andere Theorie wäre, dass der Film genau deswegen genial ist, weil eben Variablen vorhanden sind. Vielleicht will Lynch den Film gar nicht so präsentieren das alle auf eine ultimative Lösung kommen. Klar die Sache mit der chronologischen Zeitfolge der Szenen die hier oft und gut beschrieben werden
ist einer der Dinge, die wohl nach einiger Zeit jeder so interpretiert, aber die Sache mit der Box, die kleinen Großeltern, der Wechsel der Identitäten, der Cowboy sowie das "Monster" und GANZ besonders der Kerl im Restaurant der von seinem Traum erzählt sind wahrscheinlich solche Variablen. Wie auch immer die Absicht des Autors.
Entweder die im Film beschriebene Illusion auch auf den Zuschauer zu übertragen, nämlich das es kein allmächtiges Rätsel zu lösen gibt und wir alle an der Nase herumgeführt werden, oder absichtlicher Einsatz von 99 % sicheren und variablen Interpretationen um den Geist des Zuschauers zu wecken, damit dieser nich nur popcorn frisst und sich die action gibt, sondern beim film, nach dem film und beim mehrmaligem ansehen sein gehirn unter vollast einsetzt um kritischer zu betrachten und eine art rolle eines detektivs übernimmt, eine art interaktiver film.
Autor: DickLaurent | 13.10.2006 - 18:57:02
Kritik


die Kritik:

Ein unglaublich intensives Filmerlebnis: von einer mysteriösen und geheimnisvollen Bildsprache, die sich kaum in Worte fassen lässt, einige Szenen wirken sehr surrealistisch. Getragen wird die unheimliche Handlung von einer sehr sphärischen trauwandlerischen Musik, die der teilweise anderen äußerst bedrohlichen und beklemmenden Musik gegenübersteht. In einem ähnlichen Kontrast befinden sich die Szenen. Einige herrlich farbig wie in einem Wuschtraum, andere von einem tiefschwarzen unvorstellbaren Grauen. Gleichzeitig entsteht ein unglaublich facettenreiches Kunstwerk über das sich allmählich zur Alptraumfabrik entwickelnde Hollywood mit sehr skurrilen und undurchschaubaren Charakteren. Genial ist die sehr komplexe, tiefenpsychologische Handlung, welche unmöglich nach dem ersten Sehen verstanden werden kann. Sie besteht aus einem Wunschtraum dem es immer schlechter gelingt, den Alptraum der Realität zu vertuschen. Die Handlung verläuft nicht linear, was den faszinierenden Effekt hat, dass der Zuschauer auch nicht schlauer ist als die Hauptfigur in ihrem wahnhaften Traum. Ein optisches, sehr komplexes Meisterwerk, welches eine lang anhaltende Wirkung hat. Der beste Film, den ich bisher gesehen habe.
Autor: lynched david | 13.01.2008 - 03:00:59
Kurzkritik
rumtreib rumtreib rumtreib

suchte knappe zusammenfassung
jetzt ist mir klar, dass ich das teilchen nochmal sehen sollte und nochmal und nochmal

allein die atmosphäre ist sehenswert; normalerweise halte ich amerikanische filme
maximal 5 minuten aus; nicht so bei d.l.

bin dann mal im kino/dvd-verleih
Autor: Mike | 03.09.2009 - 14:54:37
Kritik
gut war:
saugeiler Movie. Über keinen habe ich soviel gedacht!!!


die Story:

I

die Kritik:

Ich denke auf jeden Fall auch, das Rita und Betty ein und die gleiche Person sind. Und auch das die einzelnen Rollen ihre Persönlichkeit wiederspiegeln,die sie später dann verwirren.Die blaue Box soll,die echte Wahrheit symbolisieren,denn Rita dreht den Schlüssel um, und hat somit die Wahrheit der Story entdeckt.Die Szenen zum Schluss mit den kleinen Alten die durch die Tuerritze kommen stellen ihr Gewissen da,das man ja auch net vor der Türe lassen kann,es ist immer da,in ihrem Kopf,drum werden die Stimmen (die Alten) in ihrem Kopf immer lauter bis sie sich selbst umbringt.Am ende das Silentio soll darstellen das jetzt Ruhe ist,vollkommene Ruhe.Auf alle Fälle spiegeln dort sich die vielen Gefühle und Stimmen im Kopf von Eifersucht,liebe,Hass und Mord wieder die ja das ganze Spektrum der Menschheit ausmachen.Man muss irgendwie damit fertig werden.CCamilla hats nicht geschafft.
Autor: Mike | 03.09.2009 - 14:57:30
Kurzkritik
der cowboy soll ja auch das wiederspiegeln was man der Weise,Gott oder vielleicht auch ein Geist darstellen soll,der die Wahrheit kennt.
Autor: Vallen | 01.02.2010 - 11:51:17
Kurzkritik
Hi, ich finde man darf den Film nicht mit der Traumdeutung bewerten, es gibt eine viel besser passende, komplexere Theorie.
In der Traumdeutung machen doch viel zu viele Sachen keinen Sinn:
Warum trägt Rita auf einmal eine blonde Perrücke? Was hat es mit der toten Frau im Bett auf sich? Was ist mit der blauen Box? Was hat die Aussage "Alles is nur auf Band" zu bedeuten?
Diese und noch viele weitere Fragen kann die Traum-Theroie nicht beantworten bzw. können völlig anders gedeutet werden, somit machen viele Details mehr Sinn. Lest euch den "Determinismus in David Lynchs Mulholland Drive" durch (einfach danach Googlen).

Zusammengefasst und so wie ich es verstanden habe ist der Film wie folgt zu Interpretieren:

Es gibt ein festes Drehbuch für unsere Welt, alles ist vorbestimmt. Das große Drehbuch in Mulholland Drive beinhaltet 2 Frauen, die eine Blond und die andere Brünett, sie verlieben sich und sind beide im Filmgeschäft tätig. Die Blonde Frau wird eifersüchtig, lässt die andere umbringen und begeht danach suizid.
Die geschichte wiederholt sich anschließend nur mit anderen "Schauspielern" aber alles geschieht erneut so wie es im Drehbuch geschrieben steht. Wieder und Wieder

Aber es passiert ein Unfall, in einem Fall Überlebt durch einen Zufall die Brünett-Haarige Frau, obwohl sie laut Drehbuch sterben sollte. Die Scene vor beginn des Films, in der laut Traum-Theorie die Blonde Frau (Diane) einschläft ist in wirklich keit ihre Todescene, die blondhaarige Frau stirbt, genauso wie die Brünette durch einen Mordanschlag sterben sollte (So ist immer das ende der Geschichte), aber sie tut es nicht wie gesagt, wegen eines Autunfalls, bei dem ihre Mörder umkommen.
Betty kommt in der Stadt an, sie Übernimmt bereits die neue Rolle der Blondhaarigen frau, die Geschichte fängt von vorne an. Aber sie trifft auf die Brünett Haarige frau die aus der vorherigen Geschichte überlebt hat. Die beiden hegen große Zuneigung zu einander, so wie es immer in der geschichte ist, nur dass die Brünette-Haarige (Rita) eben aus dem vorherigen "Film" stammt.
Als die beiden die Leiche der Blondhaarigen frau finden (der "vorgängerin" von Betty) wird ihnen klar was los ist, und die Brünett-Haarige (Rita) versucht durch eine blonde Perrücke ihrem Schicksal zu entkommen. Als die beiden Frauen in einem Theater sind wird ihnen klar, dass alles sich immer wiederholt und es keinen Ausweg gibt.
Die Story bleibt die gleiche, wenn die beiden Frauen sterben fängt alles wieder von vorne an.
Die Blaue Box ist der Ausgang aus der welt ins jenseits. Die Blond-Haarige Frau (Betty) gibt ihren Ausgang der Brünett-Haarigen Frau aus dem vorherigen Film, weil sie weis, dass diese eigentlich schon die Welt ins Jenseits verlassen hätte müssen. Damit vergibt Betty ihre Rolle, sie hat keinen Ausgang mehr sie verschwindet einfach aus dem Film. Die Brünett-Haarige (Rita) öffnet die blaue Box und verschwindet ebenfalls, allerdings ins jenseits.
Die Geschichte fängt wieder von vorne an, man kann sich nicht gegen das Drehbuch des Schicksal wehren.
Dies verdeutlicht auch die geschichte des Regisseurs, der sich gegen seine vorbestimmte Rolle wehrt, die Blond-Haarige frau einzustellen. Dies muss aber geschehen laut dem Drehbuch, denn nur so lernt die BlondHaarige frau (in der neuen Geschichte Diane) die Brünett-Haarige kennen, sie verlieben sich und am Ende sterben beide.
Der Regisseur verliert alles als er sich gegen sein Schicksal wehrt und nur wenn er so weiter macht, wie ihm vorherbestimmt kommt alles wieder in Ordnung. Das Schicksal ist also unumgänglich wer sich dagegen wehrt hat keine chance. Der Film beschreibt praktisch einen Unfall in dem Drehbuch des Lebens, im Schicksal: Durch einen unglücklichen Zufall überlebt eine der Frauen, die Brünett-Haarige Rita, obwohl sie sterben sollte.
Das alte Ehepaar sind die Boten aus dem Jenseits, die die neuen Rollen in ihren Film bringen (z.B. Betty) und sie auch wieder zurück holen (sie Drängen Betty dazu nach dem Mord an Rita sich selbst umzubringen).
Diese Interpretation des Filmes passt perfekt, wer es noch genauer wissen will, sollte die 16 seitige Interpretation von Frank Wittchow lesen (wie oben bereits gesagt), dort erfährt man was es mit den Telefonaten auf sich hat, wer der gräßliche Kerl hinter dem Restaurant ist und was der Cowboy für eine Aufgabe hat.

Für mich der beste Film aller Zeiten, unglaublich spannend, verstört, mystisch und regt noch Monate später zum Nachdenken an.
Autor: dony | 21.02.2010 - 03:01:51
Kurzkritik
So bevor ich mir jetzt alle Theorien durchlese muss ich mal was loswerden. Egal was David Lynch sich bei diesen Film gedacht hat, ob es nur irgendein Wirwar ist damit wir darüber Nachdenken und in Wirklichkeit gibts nichts zum Nachdenken oder ob es die ultimative Auflösung gibt es ist der genialste Filme den ich je gesehen hab!
Meine Mutter hat den Film auf anhieb verstanden, aber ich kann ihren Erklärungen nicht folgen, wie auch immer.

Falls es hier noch nicht erwähnt wurde, David Lynch hat "uns" 10 Hinweise gegeben, das ist dann aber auch schon alles.

1. Schenken Sie dem Anfang des Films besondere Aufmerksamkeit: Zwei wichtige Hinweise finden sich bereits vor dem Eröffnungstitel.
2. Beobachten Sie, wann und wo rote Lampenschirme eine Rolle spielen.
3. Achten Sie darauf, wie der Titel des Films heißt, für den sich Adam Kesher Schauspielerinnen anhört und ansieht. Wird dieser Titel an anderer Stelle wiederholt?
4. Ein Unfall ist ein schreckliches Ereignis… Beachten Sie genau den Ort des Unfalls.
5. Wer gibt wem einen Schlüssel – und warum?
6. Achten Sie genau auf die Kleidung, den Aschenbecher, die Tasse Kaffee.
7. Wer macht sich im Club Silencio bemerkbar? Was ist dort zu fühlen, zu beobachten und zu gewinnen? (Im Englischen heißt dieser Hinweis lediglich "What is felt, realised and gathered at the club Silencio?" [3])
8. Hilft Camilla allein ihre Begabung?
9. Beobachten Sie genau die Vorkommnisse im Umfeld des Mannes hinter Winkie's.
10. Wo ist „Tante Ruth“?
(Quelle: Wiki)

Im folgenden File findet ihr eine mögliche Lösung des Filmes, von Frank Wittchow
http://www2.hu-berlin.de/klassphil/allgemein/Wittchow1.pdf
(Quelle: wieder wiki)

Meine eigenen Gedanken:

Zu den Aschenbecher
Im 2ten Teil, also nachdem sich die Namen geändert haben (ihr wisst schon was ich meine) kommt ein Aschenbecher vor der ausschaut wie ein Klavier. Dieser steht in der Wohnung in der im ersten Teil die Leiche im Bett liegt. Die Nachbarin holt sich den Aschenbecher im 2ten Teil und ca. 1 min. später steht der Aschenbecher wieder da wo er zuerst stand! Gehört die Szene eigentlich vor der anderen Szene (wieder eine Zeitverschiebung)?

Der Unfall
Das ist schon etwas komplizierter. Man muss etwas über den "echten" Mullholand Drive wissen um das zu verstehen. In den 60er und 70er sind u.a. viele Morde und dunkle Geschäfte am Mullholand Drive passiert. Es wurde/wird dort viel mit Drogen gedealt, etc. Der Mullholand Drive führt von Down Town über die Hollywood Hills, deshalb wohnen dort viele Schauspieler und Regisseure. z.B.: lernte Anrold Schwarzenger seine ersten Hollywood Kontakte am Mullholand kennen. Einige Leute fahren auf den Mullholand Drive um dort Sex neben den Haus von irgendwelchen Stars zu haben.
Einfach gesagt, repräsentiert der Mullholand die dunkle Seite Hollywood's (man kann es auch mit etwas Phantasie auf die gesamte USA auslegen). Allerdings ist der Mullholand eine wunderschöne Strasse, man sieht auf den Strand, die vielen Kurven, etc. Man kann ihn mit den Teufel assoziieren, wunderschön und doch böse!
Wie auch immer, am Ende des Mullholand ist man ganz weit oben (am höchsten Punkt), Rita ist ganz weit oben und dann stürzt sie nach den Unfall den Mullholand herunter und ist ganz unten angekommen!
Lynch sagte zu Laura Harring (Rita) sie soll wie eine kaputte Puppe gehen, allerdings erst nachdem sie schon 2 oder 3 mal die Szene gespielt hat, insgesamt hat sie wirklich sehr oft diese Szene spielen müssen bis lynch zufrieden war.
Der Film ist meiner Meinung nach eine geniale Hollywood Kritik die nicht von den Hollywood Größen verstanden werden soll!

Ich glaube zwar nicht das folgendes relevant ist aber ich erwähne es trotzdem. Mullholand war ein Mann der die Stadt Los Angeles mit Wasser versorgte indem er Viadukte baute die noch heute im Einsatz sind und heute noch die Stadt mit dem nötigen Wasser versorgte. Mullholand war ein außergewöhnlicher Mensch. Der Drive wurde nach ihn benannt.

Der Cowboy spiegelt die bösen Machenschaften in Hollywood wieder! Das ist fast selbsterklärend. Adam Kesher verliert alles, sein ganzes Vermögen, nur weil er (die ist die richtige ;) ) nicht als Hauptdarstellerin haben will! Was ich dabei nicht verstehe ist warum er ihn noch einmal sieht wenn ers richtig macht und zweimal wenn ers falsch macht, Tatsache ist das ers Richtig macht und der Cowboy im 2ten Teil auf der Party nochmal auftaucht! Und natürlich im Übergang zwischen den ersten und zweiten Teil.

Die Party ist auch so eine Schlüsselszene, die auch die Zeitverschiebungen erklärt, mal abgesehen davon das dort sämtliche Personen im Film auftauchen!
Adam Kesher erzählt von seiner Scheidung, Zitat: Ich bekam den Pool und mein Frau einen Poolreiniger. Zitat Ende Dies passiert im 2ten Teil, doch der Poolreiniger kommt im ersten Teil vor! Denkt mal darüber nach...

Weiteres

So dann noch etwas, der Typ (ich weiß jetzt nicht wie er heisst) der die 3 Morde macht, er macht diese ja nur um an das "schwarze Buch" zu kommen, was steht im schwarzen Buch? (das passiert im ersten Teil) Im 2Teil wird er bezahlt damit die Camilla die Hauptrolle bekommt aber im 1ten erledigt er den Job. Ausserdem sieht man ihn dann nochmal hinterm Winkies wie er die Nute? fragt ob sie eine dunkle Haarige Frau gesehen hat, damit meint er Rita.

Was die Zeit angeht, komm ich zu dem Schluss es gibt hier keine Zeit, der Film ist Zeitlos was aussagt das auch die Kernaussage des Filmes Zeitlos ist.

Zu den restlichen Hinweisen Alles was ich dazu sagen kann ist zB das in der Anfangsszene, die Leute tanzen und wenn man sich den Tanz in Zeitlupe ansieht kommen folgende Personen in schwarz/weiß, quasi als Geist vor: Betty und das alte Ehepaar das am Flughafen und später in klein zu sehen ist. Das sagt Meiner Meinung nach aus das es die Eltern von Betty sind! Der zweite Hinweis ist das rote Kissen das nach den Tanz zu sehen ist, das rote Kissen ist in den Zimmer in den die Leiche liegt. Es können nur diese 2 Hinweise sein, weil danach ist die Anfangsszene zu Ende und sonst passiert nichts. Die Szene auf den Mullholand gehört nicht mehr zur Anfangsszene bzw. Eröffnungsszene!

Ich weiß zwar welche Lampenschirme er meint, kann damit aber nichts anfangen ausser das immer ein Telefon leutet (bin mir da jetzt aber auch nicht 100% sicher) und das es immer um Geschäfte geht.

Wie der Film von Adam Kesher heisst kommt glaub ich nur auf der Party am Ende vor, ich muss den Film nochmal sehen...

Den Unfall hab ich bereits erwähnt, der Schlüssel wurde hier eh schon x mal diskutiert, was aber glaub ich noch keinem aufgefallen ist, es gibt 2 verschiedene blaue Schlüssel, der eine ist dreieckig und der andere normal, was das zu bedeuten hat... keine Ahnung aber es ist 100% beabsichtigt, David Lynch macht solche Fehler nicht, sonst wäre ich jetzt schwer enttäuscht!!!!! Wenn ich mich recht erinnere liegt der normale Schlüssel im 2ten Teil am Tisch der dreieckige kommt nur im erste teil vor! Es heisst ja auch wer gibt wem den Schlüssel UND WARUM... Warum? Die grauen Machenschaften in Hollywood die ich bereits erwähnt habe.

Den Aschenbecher hab ich erwähnt, was im Club passiert wissen wir eh alle, was es zu bedeuten hat kann ich nicht in Worte fassen, wahrscheinlich weil ich nur eine ganz wagge Vorstellung darüber habe was D.L. damit meint.

Die Begabung von Camilla ist eindeutig NEIN, was wieder zu der Hollywood Kritik Theorie passt!

Das mit den Winkis versteh ich derzeit überhaupt nicht, dazu kann ich wieder nur auf die Hollywood Kritik Theorie zurückgreifen. Denn der Traummann am Anfang sagt das er träumt das, das böse hinterm Winkie ist, der typ Hinterm Winkie hat im 2ten Teil die blaue Box, die wiederum mit den Schlüssel zusammenhängt, kann aber auch die Mord-Schlechtes-Gewissen Theorie sein.

Wo die Tante Ruth ist weiß ich nicht, aber ich glaub im Norden, wie bereits gesagt ich muss den Film nochmal sehen, dann zum 1468 mal *lol*

Mysteriöse Szenen

So will ich noch ein paar Szene erwähnen über die man auch nachdenken sollte:

Das alte Ehepaar kommt kurz nach dem Flughafen nochmal vor, die beide sitzen ganz komisch lachend in einer Limosine, die Limosinen haben auch etwas in dem Film zu bedeutet, wahrscheinlich den Reichtum der von Hollywood kommt (siehe Oscar Verleihung, da gibts so viele Limos das keine mehr vom Fleck kommt)

Die Szene in der Betty einfach so verschwindet ist einfach nur genial, von der Kameraführung her besonders. Wahrscheinlich musste Naomi schnell über das Bett Hüpfen *gg Aber was hat das zu bedeuten. Danach beginnt der Übergang zum 2ten Teil, hier kommt nochmal der Cowboy vor der die "Leiche" zum leben erweckt, vielleicht stellt er doch etwas größeres dar!?

Die Party hab ich bereits erwähnt, sie ist eine sehr wichtige Szene.

Was ist mit der Nachbarin die böses in der Wohnung von Tante Ruth (bzw. Betty) sieht, Coco warnt Betty am nächsten Tag.

Dies hat zwar nichts zu bedeuten zeigt aber die Genialität von David Lynch:
Im Casting spricht (singt) zuerst die Frau vor die Kesher eigentlich für seinen Film haben will, links und rechts neben der Frau steht ein jeweils ein Paar dass aus einer schwarzen Frau und einem weißen Mann und auf der anderen Seite aus einer weißen Frau und einem schwarzen Mann besteht *gg

Was aber eine Bedeutung hat, in dieser Szene werfen sich Betty und Kesher einen langen Blick zu bevor Betty nach Hause fährt. Was das zu bedeuten hat... keine Ahnung.
Außerdem hat Lynch ein drang zu den 50er Jahren.

Im 2ten Teil gibt es eine Szene in der eine Szene von Keshers Film gedreht wird, alle müssen den Raum verlassen nur Diana darf bleiben und eifersüchtig zuschauen!

Mysteriöse Personen

So dann haben wir noch ein paar Mysteriöse Typen:

Den Traummann und sein Freund oder Psychologen hab ich eh schon erwähnt.
Das alte Ehepaar stellt wahrscheinlich das Gewissen dar.
Der Cowboy stellt wahrscheinlich den Teufel aus Hollywood dar.
Haben die beiden Cops etwas zu bedeuten? Ich glaub schon sonst wären sie nicht im Film.
Den Poolreiniger hab ich auch bereits erwähnt.
Dann gibts noch den ganz hohen Chef der von diesen kleinen Mann (mir fällt gerade sein Name nicht ein und will jetzt nicht googeln, ihr wisst eh wem ich meine, der spielt auch bei Twin Peaks mit, der der im Red Room tanzt, Folge 6 oder 7), was der aber zu bedeuten hat weiß ich nicht, ich kann hier nur wieder die Hollywood Kritik Theorie ins Spiel bringen.

Noch ein paar Gedanken

Der Film sollte eigentlich ein Pilotfilm zu einer Serie werden, manchmal denke ich mir wenn die Serie raus-gekommen wäre würde man sich mehr auskennen, das gleiche gilt auch für Twin Peaks, der Pilotfilm ist extrem verwirrend aber im Laufe der Serie klärt sich alles auf, man muss Mullholand Drive ein bisschen mit Twin Peaks vergleichen, meine Meinung nach.
Nachtrag
Sorry hatte da etwas falsch in Erinnerung, der Film dauert 2 Stunden und 16 min.

Was ich meinte:
---- Zitat von Wiki:
Als die zweistündige Rohfassung fertig gedreht war, verlangte ABC jedoch, dass etliche Szenen geschnitten oder entfernt werden sollen, weil ihnen der Film zu lang war. Lynch willigte trotz anfänglichen Widerstands ein. Als der Film fertig war, wurde er dennoch abgelehnt.

Lynch wollte das Projekt jedoch nicht aufgeben und suchte nach einem Investor. Schließlich kaufte das französische Netzwerk Canal Plus den Amerikanern die Rechte für Mulholland Drive ab. Für die Umsetzung des Drehs wurden mehr als 7 Millionen Dollar investiert. Mit diesem Geld wurden neue Szenen gedreht und ein neues Ende erstellt.
---- Zitat Ende

Das hab ich hab ich zuerst geschrieben:

So als dann aber klar wurde das es bei einem Film bleibt, machte Lynch einen geschlossenen Film daraus der Anfangs über 2 Stunden dauerte, nach langen Verhandlungen wurde der Film dann gekürzt und manche Szenen neu gedreht (sonst wäre der Film nie raus-gekommen und das wäre ein tragischer Verlust der Filmgeschichte).

Wenn der Film allerdings nie raus-gekommen wäre, wäre es wirklich ein tragischer Verlust der Filmgeschichte!

Ein Beispiel, nach den Unfall sollte Rita einen knurrenden Coyoten begegnen!
Noch etwas, ich hab den Film auf einen Privat Sender gesehen jetzt aber lese ich von einigen Dialogen, die zwar nur 10 sec. dauern aber durchaus wichtig sind, die aber leider raus geschnitten wurden, das bedeutet ich muss mir die DVD kaufen, zum Glück hab ich sie vor kurzem Zufällig in einem Geschäft gesehen, das heißt ich muss nicht suchen!

Falls sich wer wundert warum ich nichts über die Erotik Szenen geschrieben hab, meiner Meinung nach haben sie keine Tiefgründige Bedeutung, sie sagen aus das Betty lesbisch ist und Rita bi (vor allem im 2ten Teil) aber das ist ja eh selbst erklärend.

Was gegen die Traum Theorie spricht:
Der Erste Teil ist ja lt. der Theorie der Traum, aber hier kommt der Typ vor der von seinen Alptraum erzählt, Traum im Traum ist zwar möglich aber es ist einfach zu einfach! Ausserdem erzählt er das er angst hat das ist im Bezug auf den Mordauftrag der im 2ten Teil Vorkommt, also kann es kein Traum sein.

Weitere Punkte folgen noch...

So ich glaub ich hab jetzt alles gesagt, etwas will ich noch zum Abschluss loswerden:
Dieser Film hat mich inspiriert mir auch so eine, wie soll ich sagen, nicht ganz normale Geschichte auszudenken und einen Film daraus zu machen um mir danach anzuschauen wie sich die Leute Jahrelang denk Kopf darüber zerbrechen was der Film/Buch zu bedeuten hat.

lg
Dony

PS: Ich freu mich über eure Antworten zu meinen Beitrag und auch über konstruktive Kritik!!! Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.

Nachtrag:
PPS: Sorry, ich bin neu hier und hab die Seite nicht gleich durchblickt, auf eine Kurzkritik kann man nicht antworten und eigentlich weiß ich nicht wo ich normal posten kann, das man mir auch Antworten kann, ich hoffe Ihr findet einen Weg mir zu Antworten oder schreibt mir ein Mail, wird schon irgendwie gehen...
@ ADMIN oder du änderst mir den Beitrag so das man darauf Antworten kann, wäre toll! lg dony

Nachtrag2:
Hab mir den Eröffnungstitel nochmal angeschaut, und dabei entdeckt das die Rita nicht zu sehen ist nur die Betty und das Ehepaar was bedeutet das es Ihre Eltern sind. Hab das im Beitrag ausgebessert.
Auch wenn es jetzt schon sehr lange her ist werd ich hier wahrscheinlich noch ein paar nachtragungen machen um schlussendlich zu einem logischen Ergebnis zu kommen.

Noch etwas wichtiges
Die Geschichte selbst hab ich überhaupt nicht erwähnt und zwar mit absicht nicht, weil sie eh zu sehen ist und überall nachzulesen ist. Meiner Meinung nach hat die Geschichte selbst zwar schon eine Bedeutung aber sie ist für die End-Auflösung irrelevant, bis auf die von mir Beschriebenen Szenen, ich hab wahrscheinlich ein paar wichtige Szenen vergessen weil ich den Beitrag gestern Nacht einfach runter getippt hab, hab aber mittlerweile sämtlich Beiträge der anderen User gelesen und da wird es eh oft genug erklärt, deshalb bleib ich bei den Dingen die noch nicht aufgelöst wurden bzw. versuche meine Theorie zu festigen.

lg dony



Diskussionen über Mulholland Drive führen | neues Thema | Abo (alle Themen)
(neue Themen und neue Antworten jeweils ganz unten)
Sebi: Kommentar erstellt am: 27.12.2001 - 12:49:24
Dieser Film ist einfach genial, aber nichts für FastFood Kino Konsumenten, aber schon etwas "strange". :-)
clemi: RE: Kommentar erstellt am: 27.12.2001 - 12:55:56
Oh oh, ich glaub hier entsteht ein falsches Bild von mir. Also ich finde Filme mit Nachdenkeffekt echt gut, aber der war heftig. Und mir darf ein Film auf den ersten Blick ja auch mal nicht gefallen. Ich weiß nicht, wer alles schon meine vorher abgegeben Kommentare gelesen hatte, aber dieser Film ist einfach heftig und man sollte sich vorher informieren um was es sich denn überhaupt für eine Film handelt. Nach ausgiebiger Diskussion mit Sebi bin ich zu dem Schluss gekommen, mir diesen Film nochmals mit ihm anzusehen und zu überdenken, auf welchem Niveau er anzusiedeln ist, deshalb auch meine Aufwertung bezüglich dem Rating. Aber wer echt nur ins Kino geht, um schnell mal einen Film zu sehen, sollte dieses Werk aus meiner Sicht dennoch vorerst meiden. Mal sehen, was sich bei weiterem Anschauen noch herausstellt.
Kai: RE: Kommentar erstellt am: 27.12.2001 - 14:45:49
wo wollt ihr euch den Film denn ansehen? In VS wird der doch in hundert-Jahren nicht laufen...

Wird dann wohl Zeit sich Schonhardts Kinotempel in Freiburg mal anzusehen ;-)
UHU: RE: Kommentar erstellt am: 30.12.2001 - 19:35:22
Wunder mich ja schon warum niemand mit mir über diesen "Superfilm" streiten will!!!!!!!!!!!!
Warum habt ihr dem denn dem Film 9 Punkte gegeben? Nur weil ihr ihn nach dem ersten Mal nicht verstanden habt (welch ein Kriterium)? Oder weil ihr wußtet, dass er für 4 Golden Globes nominiert ist (noch ein viel besseres Kriterium)? Hab hier noch keine sinnvolle Meinung gelesen, warum der Film eine "sehr gut" verdient hat!!
Sebi: RE: Kommentar erstellt am: 30.12.2001 - 20:13:19
Ich habe ihn für mich selbst interpretiert und verstanden.
Mike: RE: Kommentar erstellt am: 03.09.2009 - 15:26:25
hi wenn du magst können wir mal über den Movie Mullholland drive reden....mailen.
dony: RE: Kommentar erstellt am: 21.02.2010 - 03:31:22
@ UHU,
Du Willst wissen warum ich den Film die Note 10.0 gebe!?
Ganze einfach, wie Du selbst gesagt hast beim ersten mal anschauen bleibt einfach nur ein großes Fragezeichen im Kopf!
Ich kann mir den Film auch ein 100tes mal anschauen und er ist immer noch nicht fad weil ich wieder etwas finde über das ich nachdenken kann.
Die Tatsache das ich über den Film nachdenke bedeutet schon sehr viel und über diesen Film muss man sehr viel Nachdenken, auch noch Monate später, und wenn ich über einen Film lange Nachdenken muss/will dann ist er gut. Ich will mich nicht ins Kino setzten und mir so einen komischen James Bond Film anschaue, während ich das Kino verlasse vergess ich den Film wieder und denk über was ganz anderes nach, wozu schau ich mir so was dann an, bzw. wozu geb ich Geld für sowas aus, nur damit ich 90 - 120 min. Unterhalten werde. Wenn ich am nächsten Tag noch über den Film nachdenken muss, ist er mit Sicherheit Gut, aktuelle Beispiele: Knowing Men, Butterfly Effect 1 und 3 den 2ten hab ich zwar aber noch nicht gesehen deshalb kann ich jetzt nichts dazu sagen. Wenn Du nicht über einen Film nachdenken willst, OK! Deine Meinung! Ich kenn Dich ja nicht und kann auch nicht mehr dazu sagen aber nur um ein Beispiel zu nennen. Ein Freund von mir hat zB einen komplett anderen Filmgeschmack als ich, ich kann mir mit erm keinen Film anschauen! Den sobald etwas im Film vorkommt was er nicht gleich versteht ist der Film automatisch schlecht! Ich versteh das zwar nicht aber ich respektiere es.
Ich sollte ihn einmal Mullholand Drive unterschieben, dann packt ers überhaupt nicht *gg

Aber das ist nicht der einzige Grund warum der Film die Note 10.0 von mir erhält, ich hab auch "handfeste" Gründe:
Weitere Gründe Warum er Gut ist:
Eine wahnsinnig Gute Kammeraführung!
Eine ebenso Gute Regie, Lynch hat an alles gedacht, ich hab ein Beispiel in meinen Beitrag erwähnt, beim Casting von Keshers Film, die erste die Vorspricht (singt)!
Man glaubt der Film spielt in den 50ern, sämtliche Einrichtungen haben den gleichen Still, egal ob mir der Still gefällt oder nicht, er zieht sich durch den gesamten Film, nicht einmal so dann wieder so.
Außerdem Erstklassige Filmmusik!
Gute Besetzung!
Der Film ist ziemlich ausgeglichen, damit meine ich: Ein bisschen Humor, Ein bisschen Erotik, ein wenig Aktion, eher mehr Spannung Im Großen und Ganzen ist alles Vorhanden von allem nicht zu viel und nicht zu wenig, zugegeben es ist wenig Action im Film, aber in so einem Film ist Action auch am falschen Platz!

Es ist zwar schön und Gut das der Film so und so viele Auszeichnungen erhalten hat aber das beeinflusst meine Bewertung nicht im geringsten, selbst wenn der Film keine Einzige Auszeichnung und/oder Nominierung hat würde ich ihn die selbe Note geben!

lg
Dony

@ UHU: Das ist jetzt nur konstruktive Kritik, bitte nimm nichts persönlich, wie gesagt, ich kenn dich ja nicht mal also warum soll ich persönlich werden!
Sebi: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 31.01.2002 - 00:57:18
Achtung; bei dem folgenden Text handelt es sich um einen Spoiler, sie sollten ihn nur lesen, wenn sie den Film auch schon gesehen haben!!!

Oft gefordert, here it comes... (aus einer Email von mir rauskopiert, darum evtl. stellenweise etwas seltsam) Dies ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen!

Voraussetzungen um den Film halbwegs zu verstehen:
1. Man sollte wissen, dass dieser Film nicht linear verläuft, dann stellt man sich darauf ein "aufzupassen". 2. Ohne dieses Wissen fand ich den Film erst nur seltsam und stellenweise unfreiwillig komisch. (Daher hätte eine bessere Ankündigung als Drama und Action in der Sneak von Martin kommen sollen.) 3.Das Publikum sollte sich "normal" verhalten: Diese sehr pubertären "Nichtsblicker", die bei mir mit ihm Kino saßen machten mit ihren Kommentaren vieles kaputt. (Auch meine schon sehr verringerte Konzentration (warum?siehe 1 und 2)) 4.Am besten sollte man danach darüber reden!

Eigentlich gibt es in dem Film alles, um ihn halbwegs "brauchbar" "deuten" zu können (sogar der seltsame Anfang gehört dazu). Nur das wichtigste, den Bruch zwischen Traum und Realität (Club Silencio, es ist alles nur Playback....(also nur Fantasy und Traum)) habe ich nicht kapiert (ohne dem versteht man erst recht Bahnhof), da ich mich innerlich noch an der Bettszene davor gestört habe und mich fragte, was die eigentlich sollte (sie hat schon einen Sinn, nur hätte man sie auch "verhüllter" zeigen können). Hier kommen natürlich noch die brüllenden Kommentare anderer dazu, aber egal jetzt. Kommen wir zum Film.

Der Film lässt sich in 2 Teile unterteilen:
Die ersten 90min sind ein Traum, geträumt von Diana, um die es in der zweiten Hälfte geht, wobei sich dort Realität mit Wahnvorstellung mischt.
Der Film teilt sich nach dem Club "Silencio" und dem Öffnen der blauen Box. Ich versuche also mal den Film chronologisch darzulegen und fange mit dem zweiten Teil an. Allerdings macht dieser Zeitsprünge auf die man achten muss.

-Die Frau, die laut dem Traum Bettys Tante ist, läuft in das Schlafzimmer und sieht nichts.
Man soll nur gezeigt bekommen, dass die blaue Box, genau wie Rita oder Betty eigentlich nicht existiert. Dieser Frau ist auch nicht Bettys Tante, diese ist ja tot (erfährt man bei der Poolparty).

-der Cowboy weckt Betty/Diana auf
Man bekommt gezeigt, dies war alles ein Traum, nun beginnt die Realität. Betty ist nicht real, nur Diana Selwyn.

-die Nachbarin will ihre Sachen abholen
Wichtig hier, der Blaue Schlüssel auf dem Tisch und das die Nachbarin Diana von 2 Polizisten erzählt, die nach ihr gefragt haben.
Auf gut deutsch: Camilla ist tot und die Polizei verdächtigt Diana.

-Diana geht zur Spüle, sieht Camilla
Diana fantasiert, ihr schlechtes Gewissen beginnt sie langsam aber sicher in den Wahnsinn zu treiben.

-Diana läuft zur Couch, sieht Camilla nackt auf der Couch, nun ist sie selber nackt und steigt auf sie.
Hier sieht man die Vergangenheit (der blaue Schlüssel auf dem Tisch fehlt!), Diana und Camilla scheine glücklich vereint.

-der Regisseur Adam und Camilla sitzen im Auto
wieder mal Vergangenheit, der Anfang vom Ende

-Camilla erscheint bei Diana, sie streiten sich (wohl wegen Adam)
wieder eine Szene aus der Vergangenheit

-Diana liegt auf dem Bett und masturbiert weinend
Diana erkennt, dass Camilla tot ist und nie wiederkommen wird und das wegen ihr

-Dianas Telefon klingelt
wieder etwas zurück, Camilla lädt Diana zur Pool Party ein, am Mulholland Drive

-Die Limousinenfahrt
wie am Anfang des Filmes folgt man der schwarzen Limousine

-Camilla holt Diana ab
Wichtig hier: Camilla fängt Diana ab bevor diese vorfahren kann, d.h. sie will nicht recht mit ihr gesehen werden.
Diana aber sieht dies nicht, sie scheint überglücklich

-Poolparty (wichtige Szene)
Coco stellt sich den beiden als Adams Mutter vor. Diana erklärt dann einigen Gästen, dass ihre Tante gestorben ist, ihr Geld hinterlassen hat und wie sie nach Hollywood kam, nachdem sie einen "Jitterbug" Wettbewerb (der Anfang!) gewonnen hat. Auch ihr erstes Treffen mit Camilla und wie sie seither die zweite Geige neben ihr spielen durfte wird erwähnt. Hier sehen wir auch eine unbekannte Frau (Camilla im Traum) die echte Camilla küssen. Diana macht dies eifersüchtig, sie wird diese Frau später in ihren Traum auch einbauen. Wir sehen den "Espresso Fanatiker" vom Anfang, während Diana gerade selber Espresso trinkt. Adam erzählt wie froh er darüber ist, seine Exfrau los zu sein und im Hintergrund läuft einmal der Cowboy vorbei. Kurz darauf tuscheln und lachen Camilla und Adam zusammen, Diana wird sehr wütend und eifersüchtig.

-Winkies: Diana trifft sich mit dem Hitman
Diana bezahlt den Killer mit dem Geld ihrer Tante (kommt auch im Traum vor) um Camilla beseitigen zu lassen, dabei sieht sie den Mann vom Anfang (der das "Monster" sieht). der Killer erklärt ihr die Sache mit dem blauen Schlüssel und man sieht wie Diana auf das Namensschildchen der Bedienung schaut, sie heißt Betty. Zum Abschluss fragt Diana was der Schlüssel öffnet, der Hitman lacht und die Kamera entfernt sich.

-das "Monster" öffnet die blaue Box, die kleinen alten Leute kommen heraus
Wohl eine von Dianas Wahnvorstellungen, wobei sie auch nur eine "Erklärung" für das Auftauchen der alten Leute sein kann, das "Monster" das wohl für das reine "Böse" stehen soll, entlässt seine Häscher um Diana zu holen. Eventuell hat sie auch einen Obdachlosen hinter Winkies gesehen und ihn zu ihrem "Monster" gemacht, dies erfährt man leider nicht. Die alten Leute sind wohl entweder ihre Tante und Onkel oder ihre Eltern. Man sieht auf jeden Fall beide am Anfang auf den Bildern, die scheinbar nach dem Wettbewerb gemacht sein sollen, alle freuen sich. In Dianas kranker Fantasy kommen sie jetzt um sich dafür zu rächen, was für Böses sie mit dem Geld gemacht hat.

-Diana liegt auf ihrer Couch, plötzlich erscheinen die Alten und werden groß, sie beginnen sie zu jagen
Diana dreht endgültig durch, ihr schlechtes Gewissen hat Gestallt angenommen und hetzt sie durch ihre Wohnung, ihren einzigen Ausweg sieht sie in ihrem Tod und erschießt sich auf dem Bett selber. (sie liegt so dar wie die Leiche in ihrem Traum)

-wir sehen das Monster und Aufnahmen von Dianas Rita/Betty Fantasy, das Wort Silencio wird gesprochen.
Silence -> Stille, Dianas Fantasy ist vorbei und still, sie ist tot.

Die ersten ca. 90 Minuten:
Die ist eindeutig ein Traum von Diana, in dem sie vieles aus der Realität verarbeitet. Evtl.. fehlen ein paar unwichtige Szenen.

-der Jitterbug Wettbewerb
Diana hat so einen Wettbewerb gewonnen bevor sie nach Hollywood kam, auch sie man Bilder mit ihr und den alten Leuten.

-Rita überlebt den Mord und taumelt mit Amnesie auf LA zu
Rita (Camilla) ist noch am Leben und dank ihres gedächnisverlustet haben Rita/Betty eine neue Chance sich zu verlieben etc.

-die Telefonate
es telefonieren mehrere unbekannte Personen, scheinbar geht es um den fehlgeschlagenen Mordversuch.
Hier sieht man auch mal Dianas rote Lampe, die zeigt, dass sie auch leblose Dinge in ihren Traum einbaut

-Betty kommt am Flughafen an
Bettys Ankunft ist richtig auf fröhlich getrimmt, die Farben sind etwas heller als normal und die alten Leute, die für ihren Tod mitverantwortlich sein werden, sind hier wahre fröhliche Engel, so übertrieben fröhlich, dass sie gar nicht aufhören können zu grinsen

-Betty kommt beim Appartement an
Betty trifft Coco, die in ihrem Traum eine freundliche und hilfsbereite Person, in der Realität die böse Mutter des Mannes, der ihr Camilla wegnimmt. Warum gerade Coco ihre Vermieterin ist? Schwer zu sagen, finde ich.

-Betty trifft auf Rita
Betty findet Rita unter der Dusche. Sie öffnen ihre Tasche und finden Geld (das Geld das Diana in der Realität dazu verwendet um sie zu töten) und den blauen Schlüssel.

-Das Gespräch des Regisseurs mit den Mafiatypen
Die Mafia will, dass Adam unbedingt Camilla Rhodes (im Traum die unbekannte Frau von der Poolparty) für seinen zukünftigen Film besetzt und er erwischt später seine Frau mit einem Anderen im Bett.
In ihrem Traum zerstört Diana systematisch Adams Leben (er nimmt ihr auch Camilla weg). Erst muss er Leute besetzen, die er gar nicht haben will, dann betrügt ihn auch noch seine Frau.

-Der Killer redet mit seinem Bruder(?)
Hier soll wohl gezeigt werden, dass der Killer unfähig und böse ist. Er tötet seinen Bruder (?) wegen eines Buches und darf noch 2 weitere Personen plus einen Staubsauger erschießen. Er ist unfähig -> er kann Rita/Camilla gar nicht töten.

-Betty und Rita sitzen auf der Couch
Rita erinnert sich an "Mulholland Drive" und den Namen Diana Selwyn. Im Traum erinnert sich Rita an genauso viel wie nötig ist, dass die beiden am Ball bleiben können. Dies soll wohl eine Bindung zwischen den Beiden schaffen (die in der Realität zerbrach).

-Adam ist in "Cookies" Hotel
Cookie erzählt Adam, dass seine Konten gesperrt sind und das 2 Typen von der Bank hier sind um ihn zu suchen. Das erste ist klar, Adams Leben wird weiter zerstört. Die beiden Leute von der Bank sollen wohl die beiden Polizisten sein, die hinter Diana her sind.

-Adam trifft den "Cowboy"
Über den Cowboy kann man geteilter Meinung sein. Scheinbar führt Lynch gerne Übernatürliches mit "Elektrizität" ein (das Licht flackert, daher denke ich, dass er den guten Gegenpart zum "Monster" darstellt. Er gibt Adam den Rat Camilla zu casten und alles wird gut werden. Handelt er gut, sieht er ihn noch einmal, wird es schlecht sieht er ihn zweimal. Dies ist eigentlich an Diana gerichtet, sie sieht ihn danach nämlich noch zweimal.

-Loise (die verrückte Frau) warnt Betty das etwas "böses" passieren wird.
Nach dem Cowboy noch eine Warnung in ihrem Traum.

-Rita und Betty üben Bettys Szene und Betty geht zum Vorsprechen
Betty begeistert alle beim Vorsprechen, sie ist perfekt, ganz im Gegensatz zur Realität. Sie geht dann auch noch zum zweiten Vorsprechen verschwindet aber sofort wieder, da sie scheinbar Rita nicht warten lassen will. Betty erhält die "große Rolle" wohl nur nicht, weil Camilla wegen Druckes von Oben gecastet wird. Der echte Name Camilla fällt hier, da in der Realität auch Camilla Diana alle Rollen wegschnappt (evtl.. durch die Besetzungscouch -> Affäre mit Regisseur).

-Rita und Betty suchen Diana Selwyns Wohnung auf
Als erstes sieht man wieder 2 Polizisten, wohl die zwei Polizisten aus der Wirklichkeit. Dann brechen beide in Dianas Wohnung in und finden eine Leiche (in der selben Position wie am Ende). Warum sie eine Leiche finden ist schwer zu sagen, es passt nicht recht hinein. Man könnte es als versteckte Todessehnsucht deuten. Oder wie so manche, die ersten 90 Minuten als Nahtoderfahrung sehen (finde ich aber nicht).

-Rita und Betty lieben sich
Die Sache mit der blonden Perücke ist mir nicht klar, die Liebesszene selber ist ganz klar die Erfüllung Dianas Träume. Rita(Camilla) und Betty(Diana)sind glücklich vereint.

Club Silencio
Der Club ist eigentlich ein extra Teil, da er die beiden Hälften verbindet und auch am Ende vorkommt.
Man kann den Club als einen Wink mit dem Zaunpfahl sehen, dass alles davor war ein Traum war. Unklar ist, warum "Cookie" auch im Club vorkommt. Auch zeigt der Club Dianas beginnendes Aufwachen auf, nur, die Sängerin fällt um und ihr Gesang geht weiter. Es soll zeigen, dass sie bald aufwacht , ihr Traum aber weitergehen wird, obwohl er eine Illusion ist, will sich Diana nicht davon lösen. Gerade als die Sängerin umkippt erscheint die blaue Box.
Als die blaue Box geöffnet wird, verschwindet erst Betty und dann Rita, der Traum ist vorbei, sie erwacht.

Fazit:
Meiner Meinung ein genialer Film, den man natürlich auch noch anders interpretieren könnte. Ihn als kompletten Traum zu sehen, wie einige Kritiker meinen, halte ich aber für falsch, ein Schnellschuss, den wohl so mancher begangen hat.
Nur Schade, dass er nicht regulär bei uns im Kino läuft.

life long and prosper

Sebi
UHU: Re: Meine Interpretation.... erstellt am: 31.01.2002 - 12:46:00
Ich war schon darüber enttäuscht, dass du mich mit dem Satz "Ich habe ihn für mich selbst interpretiert und verstanden" abspeist.
Aber das ist wirklich mal eine lange Interpretation, die ich mir nachher auch genau durchlesen werde (jetzt muss ich erst mal was essen...).
aycari: andere Interpretation erstellt am: 20.04.2003 - 16:48:04
Ich finde eure Interpretationen sehr interessant und hätte auch gar nicht gedacht, dass es andere menschen gibt, die dieser Film auch nicht so recht loslassen will.. in meinem Bekanntenkreis zumindest gibt es ie nicht. Eigentlich wollte ich gerade eine Internet-MulhollandDrive-Selbsthilfegruppe gründen, hab ja aber jetzt diese seite gefunden - Gottseigedankt! Coole Seite! Also meine gedanken zum Film sind folgende:

Die wichtigste Message, die den Interpretationsrahmen bildet ist wohl die aus dem Theater: Nichts ist Realität! Es ist alles nicht nur Illusion sondern, wie ich glaube, Film. Das Leben ist ein Film!
Der Cowboy übernimmt, denke ich, eine Art Gottesfigur (kann auch böse sein), oder ist eine Art Gesandter Gottes/des Chefs. (Gott/Der Chef wird eher durch den Mann im Rollstuhl verkörpert, von dem alle Anweisungen ausgehen). Es gibt einen Drehbuchautor (Drehbuch = Schicksal), der wegen dieses "schwarzen Buches" umgebracht wird.
Sicher ist, dass nachdem Bette(?) und Rita ins blaue Kästchen "gefallen" sind, eine Rückblende beginnt. Wir sehen Diane, die mit ihrem Leben nicht zufrieden ist und die bisher bekannten Protagonisten des Filmes - die jedoch von völlig anderer Relevanz und Persönlickeit sind. (Was mich in der "das-Leben-ist-ein-Film-Theorie" bestätigt - die Rollen sind auswechselbar - also auch die Identitäten).
Diane bezahlt den blonden Mann im Cafe "Winkies" (sie werden von "Bette" bedient), damit er das Drehbuch klaut und umschreibt und Diane auf diese Weise ein neues Leben, eine neue Identität, ein neues Schicksal verschafft - das beginnt, als sie als "Bette" mit den zwei Alten aus dem Flughafen kommt. Es sind die gleichen leute, die Diane in den Tod getrieben haben. Als die beiden im taxi sitzen, benehmen sie sich, als hätten sie eine Aufgabe erfüllt. (Diese Aufgabe war es Diane auszulöschen und sie als Bette wieder in die Welt zu schicken..)
Es gibt viele Hinweise, die diese Theorie soweit bestätigen - die will ich jetzt nicht aufzählen. Allerdings bleiben trotzdem viele Fragen offen.

Die genaue bedeutung des blauen Kästchens kenne ich immer noch nicht, vermute aber, dass man - sobald man drin ist - eine neue "Rolle" bekommt. Die "Mafiosis" arbeiten für den Cowboy und den Mann im Rollstuhl, verändern aktiv die Wirklichkeit, sorgen dafür, dass das neue, gekaufte Schicksal Dianes/Bettes auch funktioniert... Ich vermute, meine interpretation ist recht kompliziert, doch ich finde, dass sie vieles klären kann, wenn uch NOCH nicht alles. Viele Grüsse.
Kai: Re: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 20.04.2003 - 16:58:41
Hallo!

zunächst mal herzlichen Dank für die Interpretation. Mulholland Drive ist übrigens der bei weitem beliebteste Film bei kinokai.de - sowohl was die rein textliche Menge angeht, aber auch bezüglich der Vielfalt an Meinungen zum Film...
anonymous: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 05.10.2004 - 12:40:35
Ich glaube nicht, das der Cowboy Betty/Diane weckt, er wird in den Traum genauso reingebastelt wie die anderen von der Party. Erst das Klopfen weckt sie auf. Das "Zeit aufzustehen, meine Süße" oder so ähnlich ist noch Traum...

ciao Holm
anonymous: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 27.03.2006 - 02:42:39
Autor: rimi (alexrimkus@aol.com)

@sebi. danke für die interpretation!!! habe den film gerade im swr gesehen u. mich quälen gerade fragen über fragen. du hast viele schlüßig beantwortet, finde ich. einzig eines ist für mich offen: hat camilla den anschlag nun tatsächlich überlebt - oder war das reines wunschdenken von diana? und was hatte es mit dem dillitantischen killer auf sich bzw. mit dem schwarzen buch, dass er gestohlen hat?
anonymous: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 27.03.2006 - 23:34:01
Autor: rü (mr_white@gmx.de)

hi! auch ich habe ihn grad gestern auf swr gesehen, allerdings schon zum zweiten mal... also die interpretation ist richtig gut und deckt sich weitgehend mit meinen schlüssen. auch die von leoteo, sehr gut. der mord wurde wirklich begangen, daher der blaue schlüssel im zweiten teil auf dem tisch.

was die offenen fragen betrifft, kann ich vielleicht nur eine sache beisteuern, aus meiner sicht auch recht logisch. die - zugegebenerweise - sehr skurrile Szene mit dem Mörder und dem Schauspielagenten (!) - der übrigens nicht der leibliche Bruder ist, Bruder ist hier Slang für Kumpel - spielt in der Realität!

Der Mann ist Agent, in dem schwarzen Buch - die Welt in Nummern - hat er die Adresse und Nummer von Camilla. Der Killer tötet ihn und stiehlt es, um daran zu kommen, um Camilla ausfindig zu machen! Was meint ihr?

So viel erstmal von mir. Jetzt brauche ich dringend noch Ideen für Lost Highway, der lässt mich schon seit Ewigkeiten nicht mehr los. Gruß, rü
anonymous: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 09.04.2006 - 14:23:14
Autor: till (till.breiter@lycos.de)

Da ergeben sich bei mir aber 2 fragen da an diesen Stellen deine Interpration keinen Sinn ergibt:
Zum einen sagst du Camille/rita überlebt den Anschlag und deswegen bekommen sie und Betty/diane die Chance sich erneut zu verlieben etc. das kann aber gar nicht seien da ja später in der realität der Schlüssel zu sehen ist der Mord sozusagen ausgeführt wurde ( oder überlebt Rita/camille nur in dem Traum den Betty träumt?)
zum zweiten warum finden sie das Geld in Ritas'/Camilles Tasche wenn es doch von Betty/diane an den Hitman gegebebn wurde?(oder lässt sich dies ebenfalls dasdurxh begründen das sie träumt?)
dankbar für jede antwortr
dony: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 21.02.2010 - 04:26:32
ACHTUNG
Sorry im Vorhinein wenn ich jetzt jemanden die Interpretation zerstöre, ich beabsichtige nur konstruktive Kritik zu schreiben, als bitte nichts persönlich nehmen!!!

Ihr dürft euch das nicht so leicht machen, ich dachte auch Anfangs an die Traum Theorie, sie ist aber meiner Meinung nach ein Blödsinn, sorry aber es ist einfach zu einfach!
Ihr seht den Film und wollt antworten, kann ich voll und ganz nachvollziehen, mir ging es genauso. Dann findet man Antworten die mit ein bisschen Phantasie geradeso halbwegs passen und ihr seit zufrieden, aber es ist leider nicht so einfach, wie ich bereits in meinen Beitrag geschrieben habe hat uns Lnych 10 Hinweise gegeben (siehe meinen Beitrag) und das passt einfach nicht zusammen.
Ich persönlich hab die Hollywood Kritik Theorie für mich entdeckt und weiterentwickelt, es muss aber nicht sein das ich recht habe, das will ich hier gar nicht sagen, sondern nur das vieles Möglich ist, wie ich auch bereits in meinen Beitrag geschrieben habe und in einen anderen Beitrag gelesen habe, lest euch Determinismus in David Lynchs Mulholland Drive von Frank Wittchow durch
Link: http://www2.hu-berlin.de/klassphil/allgemein/Wittchow1.pdf

@ Beitrag Verfasser:
Du hast das meiner Meinung nach ganz gut erklärt nur wie gesagt, ich glaube nicht an die Traum Theorie.
Du hast irgendwo geschrieben das der Schlüssel plötzlich nicht mehr auf den Tisch liegt, aber dafür steht der Aschenbecher wieder auf dem Tisch den sich die Nachbarin zuerst abgeholt hat.
Und ganz wichtig, das ist hier noch keinen Aufgefallen (glaub ich halt):
Es gibt 2 verschiedene blaue Schlüssel
Also das mit der Zeit ist sehr kompliziert.
Man kann den Film in 2 Teile Unterteilen, ABER man darf nicht sagen zuerst passiert Teil 2 und dann Teil 1 oder so das ist absulut falsch

lg Dony
dony: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 21.02.2010 - 16:05:21
@ aycari: Das alte Ehepaar sitzt nach dem Flughafen nicht im taxi sondern in einer Limosine, ich schau mir den Film gerade an und bin gerade bei der Szene! Also es stimmt wirklich das Sie in einer Limo sitzen!!! lg dony
craax: Danke & Grüße für die Anregung erstellt am: 09.03.2012 - 09:53:30
Mulholland Drive:

Folgendes zu bedenken (SÄMTLICH SPOILER) :

Scchneeweißchen und Aschenputtel-Rosenrot sind die beiden, deren dunkles Geheimnis es zu lüften gilt. Das Geheimnis ist: sie sind eins,- eine und dieselbe Person.

Die blonde ist die bewußte, gewünschte Sicht auf das eigene Ich,- ein hellgefärbtes Wunsch-bild, die rosarote Brille auf der Nase. Die dunkle („ihr Gegen-Part“) ist das Unterbewußte, die Wahrheit, die ans Licht drängt, unsere echten Begierden und Gefahren, die vom hellen Teil unseres Ichs – in der Regel – kontrolliert oder unter Kontrolle gebracht werden müssen.
Schlüsselszene: Theater Silencio: Als der Conférencier den Nachweis führt, das „alles nur eine Aufzeichnung“ ist, was uns real scheint (die Klarinette, die er herbeizaubert, der Trom-peter, - schließlich: die ergreifende, herzbewegende Sängerin)- heißt: eine Inszenierung unse-res „Ich“, welches eine bewußtseinserzeugende Maschine ist, an deren Manifestationen so-wohl Kontroll- wie Unterbewußtsein beteiligt sind – - als „das Kontrollvermögen“ begreift, das nichts wahrhaft kontrollierbar ist, verfällt es schockiert in Konvulsionen. Jedoch das be-deutet nicht, daß das fühlbegabte Unterbewußtsein kontrolliert: dieses, das von der aufrichti-gen Herzenswahrheit des Gesanges zutiefst ergriffen ist (genau wie die Kontrollinstanz),- muß letztlich ebenso feststellen, das auch die zutiefst als Wahrheit beglaubigte Gemütsbewe-gung (wenn man so will: die Echtheit der Gefühle): eine „Aufzeichnung“, eine Inszenierung (der ‚biologischen Realitätsmaschine‘) ist.

Die blonde Perücke: das normalerweise unterdrückte „wahre Selbst“ darf nur in erlaubter Form (der Selbstzensur) wahrgenommen werden, und seinen Weg an die bewußte Oberfläche finden. Wir „kontrollieren unsere Gefühle“ : sie dürfen nicht rein sie selbst sein (der zurück-gehaltene Haß z.B.), sondern nur in abgeschwächter, bezähmter Form erscheinen: wo sie dem ähneln oder zu ähneln scheinen, was wir der Welt als unser Gesicht präsentieren: und - uns die Welt präsentieren,- denn dieses Zwielichts-Spiel funktioniert zweigleisig: wir (als „zen-sierte“ Selbstdefinition) spielen der Welt etwas vor: und diese, auch in einer subjektiven Um-deutung, erscheint vor uns zunächst als Das, was wir von ihr wünschen und ihr erlauben, für uns zu sein. Mulholland Drive erzählt also die Geschichte einer Selbst-Dekonstruktion, bei der eine verschwiegene Wahrheit (über eine von uns geglaubte Schein-Realität) in uns aus der Betty-Perspektive - ihren Weg ans Licht erkämpft: als Erkenntnis der Realität, wie sie wirk-lich ist („war“, sich abgespielt hat).
„Betty“ oder „Diana“ wird klar, wer sie wirklich ist (und was sie getan hat). Friseur-Betty ist ihr Wunschbild von sich: Diana (mit den strähnigen Haaren) ist die Realität. Betty hat geliebt: Rita. Rita war aber nicht nur Rita, wie Betty sie sich geschaffen hat: sondern sie beruhte auf einem realen Menschen, Camilla. Camilla hat Betty/ Diana verlassen,- zugunsten eines Man-nes. Betty hat daraufhin in ihrer Identität als Diana einen Killer angeheuert, der Camilla tötet, und als Zeichen der vollbrachten Tat einen blauen Schlüssel zukommen lassen wird,- nach-dem er es getan hat (der Schlüssel deutet sehr schön wie ein Wegweiser auf Diana, ein genia-les winziges Detail unter Hunderten). Ermittlungen laufen bereits: die Beamten, die als manchmal mafios unterbewußt gewandelte Bedrohung den ganzen Film bevölkern, werden bald da sein. Diana entkommt ihren Gewissensbissen, und dem zunehmenden Zugriff der Realisierung dessen, was geschehen: und was unwandelbare zukünftige Wahrheit sein wird (dem Abschied aller Fiktion) zuvor in den Freitod. Die sie bis dorthin hetzen: das in Furien verwandelte, so zuckersüße harmlose erste Flughafen-Ankunfts-Ladenhüter-Päarchen,- ist eine Metapher für den Jubel der Massen, der das Provinz-Pflänzchen mit dem Traum von der großen Schauspiel-Starkarriere nach Hollywood lockte: der erhofften Belohnung einer Selbst-Illusionierung,- quasi die Kehrseite des Ruhms: die Abhängigkeit der durch „Öffentlichkeit“ ersetzten Selbstverantwortlichkeit – und beurteilung.
Daraus ergibt sich folgende Rekonstruktion der Geschichte:
Diana-Betty träumt den Traum vom Ruhm als Star: noch sind sie eins. Betty ist Dianas Traum, und Diana kann glauben, Betty zu sein, und läßt sich von ihr, ihrem Traum, ihrer Hoffnung, und ihrem Elan beflügeln. Betty übernimmt die Regie: Diana ist Betty, solange sie hoffen kann, das ihre Träume wahr werden,- und real (berechtigt) sind,- das heißt -, wenn noch nicht,- so doch eines Tages „Wirklichkeit“ sein,- sich bewahrheiten werden. Betty ist Dianes Optimismus und illusionärer Zukunftsglauben.

(Später rekonstruiert sich: eine Tante in Hollywood war gestorben, hatte ihr ein Appartement und Geld hinterlassen. so kam Diana hierher) (Das reale Appartement ist jenes Herunterge-kommene, welches Diana bewohnt und in dem sie später sterben wird, und das sich in ihrer Vorstellung zu jenem mit ungeheuer gemütlichen Flair Ausgestattetem von Betty wandelt). Bei ihrer Ankunft kostet sie das Gefühl voll aus, den Anfang eines traumhaften Aufstiegs zu erleben: in der „City of dreams“ Los Angeles mit ihrer angeschlossenen Traumfabrik ‚Holly-wood‘: alle Welt, das große Publikum, erwartet sie bereits sehnsüchtig in ihrer Vorstellung, schließt sie auf Anhieb ins Herz und man ist gegenseitig völlig überzuckert. Als dieses ideale ruhmstiftende symbolische Zuschauer-Päarchen (‚in der Limousine!‘) davonrollt, verhalten die sich grinsebreit wie kein reales Menschenpaar es je tun würde: sie sind kernhaft, bis ins tiefste Mark, u n e c h t : der Schein-Erfolg, den Traum-Hollywood zu vergeben hat, ist nicht real. Betty weiß dies noch nicht.

Die dunkle Schönheit fährt die nächtliche Straße, ebenfalls in einer Limousine (getragen vom Erfolg), entlang. Das Fahrzeug hält, gegen ihren Willen. Eine Waffe richtet sich auf sie. Ein (irrealer) Unfall. Sie entkommt scheinbar, ohne Gedächtnis. Beamten nehmen Ermittlungen auf.

Betty und die unbekannte Schöne treffen – was für ein (garnichtzufälliger) Zufall- in Bettys Traumwohnung aufeinander, noch ohne jeden gewußten Bezug der Zusammengehörigkeit (unsere wahren Gefühle in uns sind uns, sehr oft, tatsächlich fremd). Unser Bewußtsein kon-trolliert unsere Gedanken-Wahrnehmung. Betty und die Fremde, die sich sehr irreal verhalten (die äußerst naheliegende polizeiliche Meldung ist nie ein Thema zwischen den beiden). Lois „die Seherin“ an der Tür spürt, das etwas sehr Dunkles und Bedrohliches in der Wohnung der beiden vorgehe (Betty wird eine schreckliche Wahrheit über sich herausfinden). Coco die Vermiet-Verwaltungs-Aufseherin, macht gleichfalls nur sehr vage irgendwie irreale Andeu-tungen, das Betty “alles in Ordnung zu bringen“ habe. Offenbar zusammenhangslos: (in Wirklichkeit nicht): Ein Mann im Restaurant zuvor erläutert seiner Begleitung, offensichtlich einem Psychiater, eine Angstsituation, welche in eine Begegnung mit einem namenlos zu Fürchtenden hinter diesem kulminiert. Später stellt sich heraus, das in diesem „Winkey’s“ Diane sich mit dem Killer trifft, um ihn anzuheuern, und dabei zufällig den Namen ihrer zeit-weiligen Realitätsflucht-Identität (am Namensschild der Bedienung) aufschnappt. Offensicht-lich begann ihr zeitweiliger Eskapismus aus der Wirklichkeit nah dieses Anlasses und Zeit-punkts. Welche Funktion dieser Mann ausübt, ist aus einer zuvor anderen vorgestellten, scheinbar aus jedem Zusammenhang herausgerissenen Sequenz bekannt, die nur, etwas irreal-komisch (bitte: alle Vorkommnis in diesem Film ist „irreal“ überwiegend, weil es auf der ver-fremdeten Konstruktion eines krisenerschütterten Selbst beruht -)- dazu dient, genau diese Irr-Funktion klarzumachen. Dieser Mann also tötet gegen Auftrag - und Bezahlung. Was dabei Sündhaftes geschieht, ist nicht der Killer: sondern „das Böse“, das hinter dem Restaurant lau-ert, in Gestalt eines „Mannes, dem ich hoffentlich nie in der Realität begegnen werde“ : ein primitives Urwesen,- mehr Dämon statt „Mensch“. Das ist der fromme Wunsch, den wir alle nur hegen können: niemals Anlaß von etwas wirklich ,nie Wiedergutzumachendem, ‚Bösem‘ zu werden. Das tiefe Ur-„Teuflische“: die dunkle Macht: der Waldprimitive: die ungebändig-ten Gefühle wie Eifersucht und Haß und umgesetzte Entschlußhandlungen daraus sind das >Böse< in uns. Es lauert auch in der Umgebung dieses Restaurants: denn genau dort wird die Entscheidung der eifersüchtigen, liebeskranken, verlassenen Diane gefällt, Camille töten zu lassen,- zwar es nicht selbst zu tun, aber doch der wahre Anlaß ihres Todes zu sein: in diesem Augenblick wurde Camille eigentlich ermordet („sind Sie sicher, das Sie das wollen? Wenn Sie mir das Geld geben, haben wir einen Vertrag“).
Mit Geld langt Rita in Bettys Wohnung an: alles, was sie in der Handtasche hat, ist Geldbat-zen um Geldbatzen (wiederum: in der geschönten, übertreibenden Vorstellung Bettys sehr viel mehr als in der mageren Wirklichkeit Dianes‘),- sowie einen merkwürdigen, fremdartigen blauen Schlüssel,- sonst nichts: zentrale Hinweise.
Zunächst gehen sie einer dunklen Vermutung – Ahnung der Wahrheit - nach,- doch nicht, ohne das die Gedächtnislose sich selbst zuvor einen Traum-Namen gewählt hat: „zufällig“ (gibt’s hier nicht) nach einer der ganz großen Hollywood-VersprechensTraum-Erfüllungen: der Hayworth (der sie äußerlich durchaus gleicht) (Zufall?!). (Später wird sie zugeben, das diese Namens-Identität eine komplette Fiktion ist: ‚Rita‘ ist nur ein Plakat, ein Mythos, ein Symbol für Bettys Traum, in deren Wohnung sie ja auch als „kunstvolles Acessoire“ eine Wandecke schmückt - ohne Realitätsentsprechung jedoch hier : typischer mytholgischer, ir-realer, namen- und wesenloser „Ruhm“,- eben).

Die og. ‚dunkle Vermutung‘ besteht darin, das ihr ein Name dämmert, der ihre Identität ent-hüllen könnte,- zumindest mit dieser in Zusammenhang steht,- einfällt: „Rita“ hält es für möglich, eine gewisse „Diane“ zu sein. Ein anonymer Anruf bei der Polizei bestätigt übrigens paralell, das am Mulholland Drive (eine tatsächliche wunderbare Serpentinenstraße die Hol-lywoodhills hinauf, wo hoch oben Los Angeles überthronend jede Menge Filmwelt-Establishment residierte und präsidierte) ein realer „Vorfall“ passiert ist: nur das es in diesem Stadium der interpersonellen Klarwerdung eher auf die Feststellung der Realität (oder noch besser Realisierung) eines Vorkommnisses,- statt auf dessen Charakter (ob Mord oder Unfall) war; denn in diesem Stadium – innerhalb Bettys – erscheint das, was in Wirklichkeit ihr Auf-tragsergebnis war,- noch als Verkehrsunglück: denn anschaulich tötete sie ja nicht selbst,- gab nur den Anstoß dazu,- hat weder Leiche noch Vorgang gesehen, „weiß“ (und verdrängt) ihn nur; vielleicht mag sie (noch) hoffen, alles stelle sich nur als ein „böser Traum“ heraus,- wie nicht wenige von uns sich durchaus insgeheim einmal wünschen möchten,- dieser oder jener Zeitgenosse wäre besser tot,- ja gar,- hülfen wohl noch etwas nach: in der Regel bleibt es beim Wunsch,- bei der Vorstellung: einer anderen, als gemeinhin „real“ genannten,- Wirk-lichkeit.
(Nach dem „Unfall“ stolpert „Rita“ (Lynch’s Regieanweisung „wie eine zerbrochene Puppe“) von der ver-schlungenen, traumhaften Höhe des ruhmerhobenen Avancements in die Niederungen des anonymen, alltägli-chen Los Angeles hinunter, in dem sich Bettys (die „noch“ nicht berühmt ist) reales & idealgewandeltes Appar-tement befindet,- querfeldein hinunter : wie ein jäher Absturz).

Noch also hat Betty-Rita-Diane (alles Aspekte einer Person) nicht wirklich begriffen, das Camille tot, auf ihre Auslösung hin umgebracht ist: „sie“ nähern sich langsam, als Duo (das heißt also, Bettys schöngefärbte Weltwahrnehmung, wie ihre dunkel unterbewußte, bessere Wissens-‚Ahnung‘ in der Gestalt von Rita) - gemeinsam dem „realen“ Wohnsitz der zu ent-deckenden Dritten im Bunde : Dianes - . Diese Wohnung wird bereits observiert: das Netz (der Polizei, die wohl im Umfeld des Mordfalls Camille diffus ermittelt) um Diane beginnt sich bereits zu schließen. Die Nachbarin: hat mit Diane (in der banalen „Realität“) (mag man dieses Wort noch benutzen?) die Wohnung getauscht: dies ist ein (belangloser) Zug „Norma-lität“, ein wahres Begebnis, das als solches nur schwer unter all den Fiktionen und, ja, Wahn-vorstellungen,- Realitätsfluchten ,- herauszufinden ist: denn wie, bitte schön, können wir die Falschheit unserer womöglichen diesbezüglichen Vorstellungen erkennen? Haben sie denn ein Schild um den Hals: „ich bin eine unzutreffende Einbildung“? – eben nicht: wahres und falsches treten in uns gleichberechtigt auf: wir müssen sie anhand anderer Plausibilitätsmerk-male ausfindig machen, und „erschließen“. – Die verwahrloste Wohnung gibt einen entschei-denden Hinweis (auf eine zukünftige Tatsächlichkeit): eine weibliche Leiche in wiederkeh-rendem Haltungsgestus - taucht kurzzeitig in einer der sich immermehr vermischenden, fluk-tuierenden, zeit- &identitätsebenen-wechselnden Einstellungen auf dem Bett : Diane’s‘ auf, welche sich schließlich, sagen wir es nur, angesichts der letzten Erkenntnis der furchtbaren Realität, erschossen haben werden wird.

Der Film erzählt noch einiges (von Lynch aus Interesse am Eigengegenstand ‚Holly-woodwelt‘ Lanciertes) vom Her-& Hinwerdegang an biographischem Bezug seiner Haupt-protagonistin Diane-Rita-Betty, die als Provinz-Ei in die Megametropole kam, um dort zu zerbrechen : ihr Traum vom durchschlagenden Erfolg im Film-Milieu (immer zweigleisig erzählt vom mutierten Traum der Selbstwahrnehmung Dianes‘ durch ‚Bettys‘ Augen,- in der sie die Hauptperson darstellt) zurück zu der allmählich durchsickernden De-Konstruktion der ‚wahren‘ Wahrheit : nämlich, das C a m i l l e der begabte Star ist, den sie bei den Neben-rollen-Dreharbeiten zu irgendeinem von deren Filmerfolgen kennen- und liebengelernt hat (Diane ist lesbisch, Camille zieht keines der beiden Geschlechter vor, und hat nun ein Tech-telmechtel mit ihrem derzeitigen Regisseur) (PS das Betty zur Lesbe wird, ist letztendlich erforderlich dadurch, das nur so der Kontrast zwischen Bewußtseins-Kontrolle (Betty) – und ahnende Macht der wahren Gefühle („Rita‘) in einer sie vereinigenden Person so künstlerisch ungeheuer einprägsam kenntlich gemacht werden konnte: was für ein Bild, wenn die blonde und die dunkle Schönheit, wie ein in Szene gesetztes Yin-Yang-Symbol, nebeneinander wan-deln: und tatsächlich die zwei identischen Seiten einer Person, die sich selbstverständlich liebt, spiegeln : Verstand und Gefühl, Ratio und Unterbewußtsein)-!. - Dieser Mann, dem Camille sich mittlerweile zugewendet hat, der Regisseur namens ‚Ashton Kusher‘) (Lynch scheint eine gefühlte Verbindung zu Aston Kutcher zu modulieren) erscheint längst als Kon-struktion in Bettys Furcht-Neid-Träumen: als Mischung aus Hollywood-Realität und ge-fürchtetem geballtem Talent-Cyborg: dessen Geschichte, ausführlich aus Bettys Wahnvor-stellungen als Ritter, Märtyrer und mit unbesieglichem Elan ausgestattetem Durchsetzungsta-lent zusammengesetzt und erzählt,- illustriert also – in Lynch’s Film – nicht den ‚realen‘ Mann, dem wir nur einmal auf der Insider-Party (anläßlich der Verlobung mit Camille) be-gegnen,- sondern vor allem aus dem begründeten Rivalen-Komplex von Diane sich erschafft: sie denkt sich, welcher Natur und Leben ihr Liebes-Rivale (um Camilles Gunst) ist. Sie fürchtet diesen Mann, der ihr Camille wegnimmt: er kämpft (furchtlos) mit Produzenten und Widerwärtigkeiten,- verläßt auf unnachahmliche originelle, inspirierte, bewundernswerte Weise eine enttäuschende, verräterische Geliebte („ich bekam einen Pool, meine Frau einen Pool-Wärter“),- er kämpft furchtlos und unerschrocken mit jeder Gefahr und Widerwärtigkeit („Stimmen Sie zu, den Cowboy zu treffen“? – „Klar treffe ich den Cowboy!“) (apropos Cow-boy: er ist wohl die höhere „wohlmeinende“ Macht,- natürlich nicht der ‚Liebe‘ Gott,- jedoch der Erfolg,- das Fatum, das Ruhm beschert ,- jedoch nicht widerrechtlich, als erschlichene Illusion, oder unbegründeten, ungerechtfertigten Erfolg,- vielmehr der verdiente, einverstän-dige, mit dem Schicksal geschlossene Pakt des durchgesetzten Talentes mit der ‚erfolg‘ten Bestätigung, den man auch, unter Umständen, als gerechtfertigten Nachruhm verstehen könnte: denn vor dem Urteil der Geschichte zerstiebt die Scheinbarkeit und die Wahrheit bleibt übrig. „Sie ist die Richtige“,- die der Regisseur zu wählen hat: ‚sie‘, das ist eine Meta-pher, für Vieles (Positive): das entscheidende erkannte Talent der Hauptdarstellerin, ob man will oder nicht, Synonym dafür dem Werk zu dienen, nicht umgekehrt; er der Regisseur mag eine andere persönlich vorziehen, muß aber doch die „Beste“,- die dem Werk Dienlichste wählen; die Kunst- als Abbild der Wahrheit wählt ihre Mittel, im Grunde, selbst aus: in Me-taphern den Regisseur, die Geschichte, die Darsteller. „Die Metaphern“ heißen und bedeuten als zugleich : das gelungene (künstlerische) Werk wie Die Wahrheit überhaupt, der Erzäh-lung, der Auffassung, der Realität: jenes ‚realen‘ Märchens, an das alle glauben, und es für ‚Wahrheit‘ erkennen,- und mit diesem Status belohnen: höher als alle eigene, individuelle Vernunft: das, was wir in Büchern als Geschichte lesen,- und als Erfolg glauben : die fiktive Geschichte von Jesus oder Bismarck oder Abraham Lincoln, beispielsweise („ham’s einen gesehen?“ – frei nach Ernst Mach),- denen niemand von uns „in Realität“ je begegnet ist,- und deren Unternehmung(en) doch einen mächtigen Einfluß auf unser aller Dasein,- ob wir es befürworten mögen oder nicht, als „reale Emanation“ ausübt,- nur zum Beispiel. Der Cowboy ist nicht Gott: er ist eine Art Geschick,- das immer noch überwiegend positiv erlebt wird,- denn die Menschheit fühlt sich immer noch (überwiegend) wohl in Ihrer geglaubten Haut. Er ist mehr: unser kollektiviertes, gelingendes, positives Selbst: der Narren (siehe die Kostümie-rung), den nicht ein Einzelnes an sich selbst (siehe Diane & ihre Betty -), sondern den die Menschheit an sich selbst gefressen hat: was in uns mächtig wirkt, als „kollektives Selbst(verständnis),- ob wir mitwollen oder nicht: wir teilen die Träume und das weitgehende Selbstverständnis unserer Zeit, den Zeitgeist, - und sind, zu großen Teilen, unausweichlich – Zeitgenossen. Der Cowboy sagt uns, was wir tun sollen, wollen wir erfolgreiche Zeitgenossen sein,- und mit ihr gehen,- und an ihrem Erfolg (zu Recht, in tiefer Übereinstimmung,- auch mit der später dazu erklärten Nachwelt-Wahrheit) teilhaben. Kompliziert?

Man kann sich einen irrtümlichen Bären aufbinden: wie Betty. Das entlarvt sich früher oder später selbst,- und geht unter. Man kann sich aber auch einer positiven Illusion beugen: und die Menschheit mag für Jahrhunderte solcher höherbewerteten Wahrheit nachhängen und sol-chen kollektiven Traum teilen. Das ist k e i n Betrug, und keine Illusion: es ist das Höchste an Wahrheit, dessen der Mensch eben überhaupt fähig ist. Denn sie ist ihm verschlossen: in einer – neuwort-beliebten - Black Box.

Diese taucht dann auch in der entscheidenden Kehrtwende des Films auf: der Blaue Schlüssel, aus Ritas Handtasche, paßt in das im Theatro Silencio aufgegriffene – aufgetauchte – ent-deckte – in Besitz gelangte kleine gleichfarbige Tresörchen : und dort hinein wird Betty eini-ges klar. Sie, nein, sie ist plötzlich verschwunden: allein Rita, die gefühlte Erkenntnis, wieder ohne Blondie-RatioImitat-Perücke, sondern sie selbst, als alleingelassenes,- Herrin-gelassenes unkontrolliertes ‚Unter‘bewußtsein, taucht in die Dunkelheit der Box hinab und fördert die Wahrheit zutage: danach ist nichts und niemand mehr, wer er zuvor, schöngefärbt, war. Das Tauchen in die Black-Box der rückkehrenden Wahrheit - : oder soll man es besser einkehren-des Erkennen - nennen? - verwandelt alles:
fördert Umwandlung der verfremdeten Illusionen zu allmählich erinnerten Realitäten zu Tage. Betty verwandelt sich in Diane (zurück). Rita wird zum (wahren) Ursprung von Camille – einerseits,- und Dianes gefühlt wissendem Unterbewußtsein, andererseits. Der Regisseur wird zum („realen“) Party-Gegenüber aus Mythischem zu begrenztem, jedoch liebesreal-bedrohlichen, - und eifersuchtsstacheligem Fleisch und Blut. Der geforderte Musentalent-Nachweis küßt, als Erfolgsbegabung- &-rechtfertigung, allein Camille: sie ist die in Wahrheit zu Engagierende, Begnadete; Dianes Talent reicht zumindest in Augen des kollektivierten Weltglaubens nur für Nebenrollen. Der Cowboy ist ein Mitglied der Staffage; sein mystischer Satz „Tun Sie das Richtige, sehen wir uns noch einmal; tun sie das Falsche, zweimal“ – führt leider keinen kosmischen, sondern nur einen Lynch’schen Spielzug-Gehalt (wie die erforderte Gleichgeschlechtlichkeit Betty/Ritas) mit sich, denn der Regisseur mit dem Rücken zu ihm sieht ihn nur einmal; Diane allerdings, frontal (und mit ihr die Zuschauer), zweimal. Das heißt, der Regisseur, der sich dem Druck der künstlerischen Erfordernis, gegen seine etwaigen persönlichen Präferenzen, beugt, erhält Recht; dem Zuschauer, der (zwangsweise) die ganze Zeit Bettys verkehrte Perspektive bis zur Auflösung zu teilen hat, wird bedeutet: hier stimmt es wieder nicht, Betty und Du an ihrer Stelle: seid verkehrt, unstimmig, falsch (wie sich schließlich ja auch als Filmresultat herausstellt).

Alles in Allem ist Mulholland Drive ein rücksichtslos künstlerischer Krimi um einen idealen, abgehobenen, intellektualen,- um nicht zu sagen: philosophischen Gehalt: eines Künstlers, der, das findet man so selten wie nie in den geschilderten Gefilden, kompromißlos künstleri-sches Kino macht: das heißt, nicht dem Mainstream,- sondern eigenem Gewissen, Kreativität, und dadurch verzwickt erzwungener Visualisierung abhängig gehorsam. Dieses Film-Werk schert sich einen Dreck darum, ob es einem ungeübten Publikum gelingen mag, zu folgen: er erzählt sich selbst eine höchst vertrackte,- und anspruchsvolle Geschichte. Damit ist er letzt-lich einer der besten Filme der gegenwärtigen Erzähl-Epoche geworden; ein ästhetischer, überlegungsreizender, schauwertiger, abwechslungsreicher, spannender, unterhaltsamer, ja sogar stellenweise urkomisch lustiger (der Killer, dem alles schief geht, und der zum Schluß sogar einen Staubsauger mitdranglaubenlassen muß) – vielfältiger, ideen- und detailreicher, genauer,- auf’s i-Tüpfelchen gelingender Film: ein Genuß für den ganzen Zuschauer, mit sehr sehr guten Schauspielern. Ein Erfolg, den man nicht wollen kann: der nur gelingt, wenn die Götter gnädig und milde gestimmt sind - unabhängig allen eigenen Wünschens. Betty mußte, ob sie wollte oder nicht,- schließlich die düstere, verzweifelte Wahrheit, der eigenen Schuld, jenseits aller Illusionen, erkennen, und das sie Diane war ; und so, ob irgendjemand wollte, mußte, konnte oder sollte, kam es zustande: diesem Film gelang, tatsächlich, was er erhoffte zu erreichen, und was keiner von uns befehlen kann: er kam in Übereinstimmung mit dem, was in niemandes vereinzeltem Ermessen steht, nur in dem von uns ALLEN: was „WIR“ für Wahrheit erklären: einen äußeren Erfolg, den Wir alle glauben: er besitzt Uns, nicht wir ihn, diesen Film. Sein Regisseur wurde von ihm besessen wie wir nun, zustimmen,- wenn wir ihn sehen: unsere Vernunft unterwirft sich, unter diesen Eindruck : und wir lassen uns unterjo-chen, und ihm, solange wir gebannt schauen, den uns führenden Vortritt: und er macht es so gut, das wir ihn bis ans erleuchtende Ende gewähren lassen.
Das erhoffte der Regisseur: und es hängt nicht von ihm ab, uns zu zwingen; nur wir alle kön-nen das: uns selbst: zu verwirklichen. Indem wir mit dem, was außer uns ist, zulassen, zu ver-schmelzen, wenigstens für die Stunden dieses Schauens; es gelingt.
Der Film ist groß. Bitte, Cowboy (aber auch du kannst nur gewähren, was wir dir zukommen lassen): laß geschehen, das es mehr davon gäbe. Es ist schön, wenn es gelingt. Und man mit reinem Gewissen sagen kann: ich habe es genossen, denn ich mußte es: und war gezwungen es zu tun: weil es stimmte,- das war, was wir uns alle als Wahrheit zu sehen entschlossen und überwunden erklärt haben. Der Film ist gut : denn er funktioniert. Es ist ein großes, gelunge-nes Stück, visualisierter Kunst inneren Gehalts. Ein Kunstwerk; ein Wert. Danke, Herr Lynch. So etwas kriegt man nicht alle Tage zu sehen. Und wer einmal so etwas gemacht hat: hat das Seine vorgewiesen und geleistet. Mehr kann von Ihnen nicht übrig bleiben: als absolutes Ge-lingen. Gerne zwar noch einmal. Aber Sie wissen: mehr als dieses können sie nicht weiter erreichen. Dies ist der höchste Punkt eines Gipfels: und das muß genügen.
DejaVu: RE: VORSICHT: *SPOILER*: Meine Interpretation.... erstellt am: 18.09.2012 - 11:28:27
Wow - danke! :-)
Kai: im Kino!!! erstellt am: 31.01.2002 - 09:05:41
Ja, der vielgefeierte Film Mulholland Drive ist jetzt auch in VS zu sehen. Ab Donnerstag, 31. Januar läuft er im Schwenninger City Kino. Für alle für die Kino nicht nur abschalten und zugucken ist, sondern die auch mal etwas nachdenken wollen ist dieser Film der richtige.

Am Wochenende geh auch ich nochmal rein, denn der Film ist wirklich sehr zu empfehlen!!!
Sebi: Re: im Kino!!! erstellt am: 31.01.2002 - 09:49:39
Da werde ich mich dir mal prompt anschliessen Kai :-)
Peti: Re: im Kino!!! erstellt am: 31.01.2002 - 14:51:42
leute wann geht ihr ? ich war nämlich noch immer nicht und würde gerne :-)
Kai: Re: im Kino!!! erstellt am: 03.02.2002 - 00:39:03
Peti guck dir den Film noch an, wer diesen Film nicht gesehen hat hat wirlich etwas bahnbrechendes verpasst!!! (hab deshalb auch mein Rating erneut angehoben;-))
Kai: MEISTERWERK erstellt am: 03.02.2002 - 01:21:27
zu Mulholland Drive möchte ich (nachdem ich ihn jetzt noch ein zweites Mal sehen durfte) folgendes sagen:

Er ist in meinen Augen ein Meisterwerk eines Meisterregiesseurs, der problemlos an seine älteren Filme (Der Elefantenmensch, Dune und Twinpeaks, um nur einige zu nennen) anknüpfen kann.

Ich finde der Film ist keineswegs ohne Sinn und Konzept. Man muss ihn aber interpretieren, ihn anzuschauen allein reicht nicht aus.
Sieht man den Film nicht nur einmal sondern noch ein zweites Mal versteht man ihn etwas eher, und hat man die Möglichkeit jeweils nach den Kinobesuchen noch mit einigen anderen Zuschauern zu diskutieren ist der Weg zu Erkentniss geebnet ;-)
Eine interessante Interpretation der ich in weiten Teilen zustimmen will hat Sebi ja schon gegeben, deshalb will ich diese nicht mehr wiederholen, lediglich einige Ergänzungen bzw. auch Abweichungen von meiner Meinung zu seiner Interpretation seien genannt.

der Traum/das Licht: man könnte den ersten Teil des Films als Traum, als Wunschdenken von Diane halten, oder als kurzes Auflackern der Vergangenheit vor dem Eintreten des Todes (klingt etwas abgefahren, ich weiss) manche Tote (bzw. Leute die eigentlich medizinisch Tod waren, aber doch wieder zurückgekehrt sind) berichten davon, dass sie durch einen "Weissen Tunnel" gegangen sind, durch einen Tunnel des Lichts. Eben dieses helle, gleissende Licht taucht in der ersten Hälfte des Films (von David Lynch übrigens mit "She found herself inside the perfect mystery" bezeichnet) immer wieder auf. Weisses, helles Licht scheint von draussen durch Türen und Fenster, die Siluetten der Protagonisten sind in vielen Szenen von einer Seite mit eben diesem Licht beschienen, von der anderem im Schatten. Diese Punkt der Licht-kompostion ist einer der Punkte warum dieser Film ein Meisterwerk ist.

eine weitere Erklärung für diese Lichtregie liegt auch darin, dass der erste Teil gewissermasen Idealisiert ist, z.B. ganz am Anfang am Flughafen lächelt Diane eigentlich die ganze Zeit, und auch das alte Ehepaar grinst zum Wahnsinnigwerden. Also eine Welt in der alles gut ist, bzw. die wie im Film ist (Zitat Betty: "Wir rufen anonym bei der Polizei an, ganz wie im Film")

die Musik: fantastische Ton-Kompositionen (bzw. manchmal auch deren fehlen) erzeugen eine spannungsgeladene Athmosphäre ohne jemals kitschig oder ausgenudelt zu wirken. Einer der musikalischen Höhepunkte ist sicherlich die Arie im Club Silenzia

der gesamte Film: in fast jeder Szene sind Puzzlesteine versteckt, die zusammengefügt einen Sinn ergeben. Das Problem mit ihnen ist lediglich, dass beim ersten betrachten des Film der weitere Verlauf noch nicht bekannt ist, und deshalb können diese Hinweise auch nicht bewusst wahrgenommen werden.

Der Film ist durch und durch durchdacht und eigentlich für alle Szenen gibt es (nicht unbedingt eine Erklärung aber eine:) Interpretation. Der Film gehört für mich definitiv zu einem der besten Filme des Kinojahres 2001/2002 und hat sich einen Platz in meiner "all-Time-Favourite" Film-Hitliste gesichert. Falls ihr die Möglichkeit hab ihn euch anzuschauen dann schaut ihn euch an - für etvl. anfallende Diskussionen seit ihr hier herzlich willkommen ;-)
UHU: Kinder... erstellt am: 05.02.2002 - 23:33:58
Es gab genug Leute, die Mullholland Drive nicht verstanden haben, sich hier auf dieser Seite aber lieber nicht zu Wort gemeldet haben, weil es hier wiederum genug Leute gibt, die den Film einfach auch nicht verstanden haben, ihn aber gerade deswegen zu einem genialen Meisterwerk umbenotet haben und keine Meinung neben der eigenen akzeptieren und dann hier nur sinnloses, dumme Kommentare von sich geben (oder sind die dummen anonymen Kommentare etwa auch ein Meisterwerk?). Der Film war anders als der normale Kino-Duchrschnittsfilm. Aber für einige ist hier ANDERS=GUT oder auch NICHTSKAPPIERT=9 PUNKTE oder, oder, oder...

Außer von Sebi und Kai hab ich außerdem noch keinen sinnvollen Kommentar über diesen Film gelesen, der vielleicht annähernd eine gute Benotung gerechtfertigt hat. Aber beschimpft lieber weiterhin die anderen, fühlt euch dann als Elite. Meint weiterhin, wenn ihr den Film seht, ihr versteht die Welt und dann geht mal vor die Haustür und ihr merkt: die Welt ist ja doch ganz anders.

Aber ja ich muss es ja zugeben: ich bin seit heute BLOND.
chifan: Re: MEISTERWERK erstellt am: 19.07.2003 - 19:51:21
Auch wenn der Film schon ein ganzes Weilchen draußen ist, wollt ich auch mal was dazu schreiben. Da es ja schon genug Interpretationen gab, will ich bloß etwas zum Film allgemein sagen.
Ein wenig muss ich UHU recht geben, obwohl ich den Film ganz gut fand.
In meinen Augen sollte man aber trotzdem versuchen den Film zu hinterfragen (auch seine eigene Meinung darüber). Ich denke, dass ein Großteil der positiven Bewertungen, auch die der Presse (und der eigenen), dadurch zustande gekommen ist, dass ihn niemand wirklich verstanden hat (beim reinen anschauen), was man dann mit Gut gleichsetzt.

Ich finde das Lynch mit seinem Verwirrspiel lediglich die Handlungsarmut seines Stoffes übertüncht. Denn während die chronologischen Sprünge z.B. bei "Memento" für Aufbau, Spannung und Stimmung des Films entscheidend sind, erfüllen sie (in meinen Augen) bei Mulholland Drive keinen anderen Zweck als den Zuschauer zu verwirren. Es handelt sich hier aber um kein Verwirrspiel um den Spannungsbogen weiter zu spannen (was ja positiv wäre), sondern einfach nur den Zuschauer bis zum, nein bis nach, dem Abspann im Dunkeln zu lassen und damit ein Rätsel zu schaffen das eigentlich gar keins ist. Würde man den Film in der tatsächlichen zeitlichen Abfolge zu sehen bekommen, wäre alles klar. Hier wird einfach nur künstlich was geschaffen was nicht vorhanden ist. Man könnte auch einen beliebigen anderen Film in zig Einzelteile zerhacken und diese dann in einer zufälligen Reihenfolge aneinanderreihen. Und schon hätte man das Selbe Ergebnis - ein Rätsel das keins ist.
Sebi: Re: MEISTERWERK erstellt am: 21.07.2003 - 16:08:15
Mullholland Drive ist aber nicht "zerstückelt" wie Memento (der am Stück gezeigt auch öde wäre) sondern, es ändern sich ja die Personen, also deren Namen etc...
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 21.07.2003 - 16:58:43
@chifan: Deiner Theorie mit der positiven Bewertung durch Unverständniss muss ich aber massiv widersprechen. Bei den allermeisten Zuschauern wird Unverständlichkeit doch eher zu einer Abwertung eines Filmes führen. Meine Meinung ist da eher, dass der Film nicht deswegen gut ist, weil man ihn nicht vollständig verstehen kann (die meisten Metaphern und Themen bei aufmerksamen rezipieren aber sehrwohl), sondern weil es spannend ist, über ihn nachzudenken. Und wie viele Filme kennst du denn, wo es noch Wochen später Spaß macht, Theorien über die Bedeutung einzelner Handlungselemente aufzustellen. Für mich kann das niemand so gut wie David Lynch. ("Lost Highway": Immer wieder eine Verbeugung wert...)
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 21.07.2003 - 17:36:53
auch von der Seite der Statistik her kann ich da Tuennes nur zustimmen. Es gibt glaube ich keinen Film bei kinokai.de zu dem ähnlich viel Text geschrieben wurde (und immer noch, selbst 1 1/2 Jahre nach dem Erscheinen, geschrieben wird).

Um noch weitere Diskussionen anzustoßen: wie fandet ihr eigentlich Twin Peaks?
Ich finde Lynch hätte nach der ersten Staffel aufhören sollen, denn ab der zweiten (Folge 10 oder so?) kann man interpretieren wie man will aber einen Sinn oder einen größeren Zusammenhang findet man nicht mehr. Es hätte mich wirklich interessiert wie Lynch Mulholland Drive als Serie (was es ja ursprünglich hätte werden sollen) aufgebaut hätte...
chifan: Re: MEISTERWERK erstellt am: 22.07.2003 - 00:32:00
@Sebi Da haste natürlich recht.

@tuennes
Ich will noch mal erwähnen, dass ich den Film sehr gut fand (ist ja an der Bewertung nachvollziehbar). Den von dir genannten positiven Punkten kann ich nur zustimmen. Ich hab auch noch wochenlang mit anderen Leuten über den Film diskutiert, was wahrlich nicht allzu oft vorkommt.

Worauf ich eigentlich hinauswollte ist das Hinterfragen der eigenen Meinung zu dem Film (in Anlehnung daran was Uhu vor mir geschrieben hatte). Und ich empfinde es halt so, dass man geneigt ist "anspruchsvollen" Filmen einen sogenannten Intellektuellen-Bonus (weit ab jeder objektiven Bewertung) zu geben, was ich vor allem aufs Programmkino beziehe.

Aus diesem Grund möchte ich auch deiner Aussage, "Bei den allermeisten Zuschauern wird Unverständlichkeit doch eher zu einer Abwertung eines Filmes führen.", widersprechen. Dieses Argument ist sehr wohl zutreffend auf den "normalen" Kinokonsumenten (wertfrei; die Masse der Leute sieht nun einmal andere Filme). Ist ein Film zu komplex oder aber wird nicht verstanden, folgt durchaus eine Abwertung des Streifens. Aber hierin liegt gerade das Problem. Mulholland Drive ist nun mal kein Film, den sich der "normale" Kinobesucher anschaut, der größte Teil der Zuschauer wird sich aus Programmkinobesuchern und "Intellektuellen" zusammengesetzt haben. Und die wiederum neigen (in meinen Augen - und ich möchte mich da nicht immer ausschließen) leicht dazu, komplex oder gar verworren, generell als gut zu bewerten (siehe Intellektuellen-Bonus).

Es steht ja zweifelsfrei fest, dass "Mulholland Drive" ein komplexes und verwirrendes Gebilde ist - aber reicht das aus??? Beim Popcornkino wird oft das Fehlen einer Handlung, und deren Kompensation durch Action und Effekte, bemängelt. Bestes Beispiel ist wohl "Star Wars II". Rein visuell ist der Film natürlich eine Meisterleistung, das steht auch hier außer Frage. Aber, und nun komme ich wieder auf meine Frage zurück, reicht das aus?

Ich denke, vereinfacht und ein wenig pauschalisiert, das sich der "normale" Kinobesucher von der Visualisierung allein, positiv beeinflussen lässt - viel Action/ Effekte = gut. Und genau das Gleiche macht der auf "anspruchsvolles" Kino fixierte Kinobesucher, bloß dass bei ihm die Kategorien anders aussehen - intellektuell/ komplex = gut. Dies hat zur Folge, dass selbst schlechte Filme eine gut Bewertung bekommen.

Also, misst man bei "Mulholland Drive" nicht mit anderen Maßstäben? Ist der Film (objektiv gesehen) wirklich so gut, oder aber scheint er es nur zu sein, weil wir ihn lediglich auf seine Komplexität reduzieren (und dies mit Gut verwechseln/ gleichsetzen)?
Wenn der Film "The Fast and the Furious" handlungstechnisch genauso verwirrend gewesen wäre wie "Mulholland Drive", wie hätte dann die Kritik ausgesehen? Wäre sie nicht etwa von der Art gewesen: "Gute Effekte aber Handlung undurchsichtig und nicht nachvollziehbar. Nur für Masochisten empfehlenswert."?
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 22.07.2003 - 00:56:58
@chifan: Das Argument mit den Pseudo-Intellektuellen, die jedem anspruchsvolleren Film gleich einen Bonus geben, hab ich schon befürchtet... Und ich muss dir leider recht geben! :-)
Deiner Theorie, dass normale Zuschauer sich nicht in einen solchen Film verirren, muss ich aber aus eigener Erfahrung widersprechen. Es gibt nämlich tatsächlich eine stattliche Anzahl von Leuten, die überhaupt keine Ahnung von Kino und den Filmen, die momentan so laufen, haben, und sich dann bei einem Kinobesuch fast ausschließlich von den Flyern und Aushängen in einem Multiplex beeinflussen lassen. In der von mir damals besuchten Vorführung von "Mulholland Drive" saß eine beträchtliche Anzahl solcher Leute, die dann auch leicht verstört vor sich hin tuschelten. Das beste Zitat war dann nach beträchtlichen Gequatsche in der Reihe hinter mir nach ca. einer Stunde Film: "Ist das nun eigentlich ein Thriller oder ein Mysterie-Thriller?" [Ein Typ zu seiner Freundin, die schon vorher aber auch wirklich gar nichts geblickt hatten.] Die Vorstellung bestand scheinbar bei den beiden, dass allein die Genre-Zuordnung alle Fragen beenden könnte. Das war irgenwie sehr lustig... :-)
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 22.07.2003 - 09:08:08
Ich muß zugeben, daß ich als ich den Film zum ersten Mal sah mich auch ständig fragte: was ist der Film eigentlich, was soll denn jetzt bitte diese Szene und wieso sind denn jetzt plötzlich die beiden Frauen zugange? Auch über das Genre war ich mir nie so ganz im Klaren - dies lag aber hauptsächlich daran, daß ich den Film in einer Sneak sah, nie etwas davon gehört hatte und man uns vor der Sneak sagte, es handele sich um einen Mystery-Thriller...
Nun ja, Mulholland Drive ist zwar sehr verworren, aber ich glaube wenn man es schafft die verschiedenen Bruchstücke zusammenzufügen kommt man auf eine durchaus logische und sinnige Interpretation und kann dann ruhigen Gewissens eine (gute) Bewertung abgeben. Selbst wenn man aber keine Interpretationen durchführt, kann man denke ich aber eine gute Bewertung abgeben, denn der Film ist auch von der Handwerklichen Seite von hoher Qualität (z.B. was Ausleuchtung, Ton / Musik sowie die Schauspielerischen Leistungen angeht...)
Audrey: Re: MEISTERWERK erstellt am: 22.07.2003 - 13:49:19
Es reicht ja wohl kaum aus, einen Film ein wenig zu zerstückeln und undurchsichtig zu machen, um uns "Pseudointellektuelle" zu einer hohen Punktezahl zu verleiten.
Dieses Vorurteil ist mitunter bei deutschen Filmemachern zu beobachten, die es dann glücklicherweise über das Filmfest hinaus nicht schaffen, weil diese Chaosfilme nur ärgerlich sind (siehe meine Liste mit den schlechtesten Filmen).

Ich kann ja nachvollziehen, dass David Lynch Filme nicht leicht zu geniessen sind. Bei "Lost Highway" dachte ich beim ersten Mal auch nur "Mein Gott, was für ein Alptraum!" und fand ihn erst beim zweiten Mal Angucken genial.
"Mullholland Drive" ist im Vergleich leicht zugänglich, da es auch sehr witzige Szenen gibt, die auf den Hollywoodtraum anspielen - herrlich ironisch.

Natürlich ist es in erster Linie die Atmosphäre, die durch ein kongeniales Zusammenspiel von Bild und Ton erzeugt wird, die fasziniert, aber das allein würde auch nicht für mehr als 7 Punkte reichen, wenn man nicht noch viel zum Nachdenken und Interpretieren mitbekommen würde...
Sebi: Re: MEISTERWERK erstellt am: 22.07.2003 - 14:48:00
Ich muss das mit den "Pseudointellektuellen" aber bestätigen.
Anders ist es auch nur sehr schwer zu erklären, dass z.B. 2001 für einen solch genialen Film gehalten wird. Genau wie andere Kubrickfilme ist er okay, aber nichts Hervorragendes. Selbst 2010 ist da besser....
Es gibt aber genug Filme im Kino, die sich nicht sonderlich um Logik oder Zeitabläufe kümmern. Aktuellstes Beispiel: 3 Engel für Charlie 2.
Trotdem finden diesen Film viele Menschen gut.
Anderes Beispiel: Ein Schiff wird kommen, dieser Film versucht eindeutig auf die Intellektuellen Schiene zu zielen. Klappt es? Höchstens bei Zuschauern mit Scheuklappen....
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 23.07.2003 - 00:21:43
@Sebi: Was soll denn das nun heißen? Dass alle, die vom Kino mehr erwarten als kurzweilige Unterhaltung versnobte Deppen sind? Oder dass die Filme, die kommerziell erfolgreiich sind, automatisch gut dadurch werden? Das ist genau das "Leute, fresst Scheiße!"-Argument...
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 23.07.2003 - 09:15:07
ich denke er meint eher, daß es Leute gibt die obwohl sie von einem Film nichts verstanden haben nach dem Anschauen sagen, oh man was für ein Film, nur um dabei intellektuell erscheinen zu können. Dies ist aber denke ich mal nicht so sehr verbreitet, wie z.B. bei der Kunst (wo Neureiche sich Moderne Musik anhören, ohne wirklich etwas dabei zu spüren oder gar zu verstehen)
Film & Kino ist nun mal keine Kunstform die in größerem Maße Anerkennung ob der künsterlischen Leistungen bietet in so fern siehe ich die Menge dieser "Pseudo-intellekltuellen" als eher gering an (da es wenig gesellschaftliches Prestige mit sich bringt wenn man sagt man hätte in einen (nicht einfachen Film) besondere Genialität entdeckt...
chifan: Re: MEISTERWERK erstellt am: 23.07.2003 - 14:46:38
Also ich glaube nicht das es den Leuten lediglich darum geht "intellektuell" zu erscheinen. Vielen geht es wohl auch darum, sich abzugrenzen, sich von der Masse zu unterscheiden. Ähnliches ist ja auch in der Musik zu entdecken, wo Leute sich mit ihrem Musikgeschmack bewußt abgrenzen wollen und sich durchaus auch mal von ihrer Band "trennen", wenn diese es schafft sich größerer Beliebtheit zu erfreuen und kommerziell erfolgreich zu sein. Da fehlt ihnen dann halt der Touch des elitären, des auserwählt zu sein.

Ich glaube auch nicht das Sebi sich mit seiner Aussage auf alle Leute bezog. Trotz allem gibt es aber immer wieder Filme bei denen ich mich frage wie die guten Kritiken zustande gekommen sind.
Ein Beispiel ist für mich z.B. der Film "Dancer in the Dark". Wohl einer der schlechtesten Filme die ich je im Kino gesehen habe und der erste bei dem ich wirklich das Kino verlassen wollte. Von allen Seiten bis ins unermessliche gelobt, konnte ich nicht eine einzige negative Kritik oder auch nur ansatzweise kritische Äußerungen über ihn lesen. Und das kann ich bis heute nicht nachvollziehen.

- Kamera/-führung war einfach nur mies (ist man zwar von Lars von Trier gewöhnt, aber selbst das wurde positiv ausgelegt - wahrscheinlich weils so schön anders war (hier stellt sich einfach die Frage nach dem Sinn));
- Schnitttechnik war nicht vorhanden (ist man zwar auch gewöhnt, aber da stand schon mal eine Person von einem Augenblick zum nächsten 2 Meter weiter);
- Dialoge die in ihrer Langweiligkeit ihres gleichen suchen (hervorzuheben ist vor allem der ausschließliche Gebrauch von Hauptsätzen);
- Handlungsarmut, zwar bewußt auf anspruchsvoll gemacht fehlt es ihm trotz allem an Substanz

Dieser Film ist für mich ein typisches Beispiel dafür, dass Filme durchaus gute Kritiken bekommen, bloß weil sie auf der "Indieschiene" bzw. Intellektuellenschiene fahren. Hier gibt es nichts, absolut nichts, was (in meinen Augen) jemanden dazu bewegen könnte diesen Film in dieser Art zu bewerten wie es getan wurde. Natürlich sind Bewertungen rein subjektiv, aber nachvollziehen kann man sie doch durchaus. Zum Beispiel kann ich nun überhaupt nichts mit "The fast and the furious" anfangen. Trotz allem kann ich einigermaßen nachvollziehen, warum Leute diesen Film gut finden oder sich dafür begeistern können.

Ach so noch etwas positives zum Film "Dancer in the Dark", auch wenns hier ja eigentlich um "Mulholland Drive" gehen sollte. Wirklich sehens- bzw. höhrenswert waren Björks musikalische Einlagen.
Audrey: Re: MEISTERWERK erstellt am: 23.07.2003 - 20:12:44
Nun, ich kann auch nicht immer nachvollziehen, was professionelle Kritiker so schreiben, wobei man sicher auch Zeitdruck berücksichtigen muss und die Annahme, dass der Schreibende den Film mitunter gar nicht gesehen hat, sondern sich was aus dem Pressematerial und dem, was andere geschrieben haben, zusammenstückelt.

Wenn man aber selbst einen Film weder verstanden noch sonst wie geschätzt hat, und andere konnten was damit anfangen, sollte man ihnen auch nicht gleich pseudointellektuelle Motive unterstellen. Ich glaube, dass die Leute, die hier eine hohe Punktzahl vergeben haben, das nicht getan haben, um intellektuell zu wirken und auch keine Hemmungen hätten, einem vielgepriesenen Werk wenig Punkte zu geben, wenn's ihnen nicht gefallen hat.
Audrey: Re: MEISTERWERK erstellt am: 23.07.2003 - 20:13:59
A propos, die Leute mit denen ich "Dancer in the Dark" gesehen habe, waren auch nicht so begeistert. Ich fand ihn auch nicht überragend, ehrlich.
Sebi: Re: MEISTERWERK erstellt am: 24.07.2003 - 09:44:49
@tuennes
Fühlst du dich etwa persönlich angegriffen?

Kai und chifan haben es eigentlich ganz gut ausgedrückt wie ich es gemeint habe, aber jeder kann es natürlich interpretieren wie er es selber möchte.
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 25.07.2003 - 12:26:24
@Sebi: Naja... Sagen wir es mal so: Du bezeichnest im Prinzip alle, die "2001" für einen genialen Film halten als "Pseudointellektuell"... Wenn man so pauschal argumentiert, dann läuft man halt Gefahr, dass sich auch mal jemand angegriffen fühlt.
chunez: Habe den Film noch nicht verstanden!!! erstellt am: 28.08.2003 - 02:23:01
Hallo,
ich habe mir vor einigen Stunden den Film Mulholland Drive angeschaut. Ein wahnsinns Film. Ich finde diesen Film einfach hammer geil, weil er mich zum Nachdenken über den Film anregt. Er erfordert meiner Meinung nach einer gewissen Intelligenz und Aufmerksamkeit. Meiner Meinung nach ist der Film auch sehr gut, weil man viel auf Details achten muss wie z.B. Musik, Farben etc. MAn muss sich bei diesem Film total konzentrieren.
Nach dem Anschauen des Filmes habe ich ihn nicht verstanden und auch bei zweiten mal habe ich ihn nicht verstanden, doch nach euren auch detailreichen Interpretationen habe ich ihn schon eher verstanden bis auf folgende Personen oder Dinge:

Was hat die Wahrsagerin (oder wer auch immer) zu bedeuten (Loise heisst sie soweit ich weiss)

Was hat die Szene im Winkies zu bedeuten mit den zwei Typen, der eine erzählt von einem Traum, den er zweimal geträumt hat

Was äffnet der blaue Schlüssel (sieht aus wie ein nachgemachter Haustürschlüssel)

WAs hat die MAfia mit der ganzen Geschichte zu tun??
und was bedeutet der Cut, als man den Mr. Rock sieht, wo er mit dem Typen spricht, der ihn fragt ob sie abbrechen sollen, weill der Regisseur nicht die HAuptrolle an Cammila Rodhes vergeben will??

Wen der Killer so unfähig ist, seid ihr sicher das Rita/Camilla wirklich tot ist?? Wenn ja warum (Vielleicht ist ja das alte Ehepaar Rita und Adam!!)

Warum ist die Kamera manchmal so unscharf wie z.B. bei der Poolparty oder als Betty/Diane beim masturbieren an die Wand schaut??

Warum schaut Adam Betty/Diana als er beim casten so oft an, als ob er sie kennt oder so??

Mitten in den ersten neunzig Minuten (nach ca 45 min) gibt es einen kleinen Break, wo der "Killer" vor einem Cafe names Pinks eine Prostutierte nach einer schwarzhaarigen fragt!!

So Leute, warte auf Eure antwort!!!
Tool: Re: MEISTERWERK erstellt am: 03.09.2003 - 04:06:27
Ich denke, über die genial verwobene Story und deren Interpretationsmöglichkeiten ist schon genug geschrieben worden. Was mich persönlich überrascht hat, ist, dass sich nahezu alle Kommentare auf eben diese beschränken. Die emotionale Wucht, mit der Naomi Watts Betty/Diane verkörpert, hat mich schier schier umgehauen. Die Leidenschaft und Verzweiflung dieser Frau hat mich aufs Tiefste berührt. So ist die Masturbationsszene schauspielerisch mit das Beste, was ich jemals gesehen habe. Einfach unfassbar. Ging das euch nicht ähnlich?
Umso enttäuschender ihre Leistung in "The Ring". Das war nur Hollywood-Durchschnitt.
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 03.09.2003 - 11:57:56
da muß ich dir zustimmen. Nicht zuletzt durch Mulholland Drive gelang ihr der Durchbruch, zuvor war sie ja hauptsächlich in ettlichen TV-B-Movies zu sehen. In Ring liefert sie meines Erachtens eine ordentliche Darbietung ab, man muß dabei halt auch beachten, daß Ring ihr ja wesentlich weniger Entwicklungsmöglichkeiten wie Mulholland Drive bot...
ti-do: Re: MEISTERWERK erstellt am: 15.09.2003 - 17:34:37
Mullholland Drive lief damals bei uns in der Sneak. Nach dem Film werden Bewertungszettel verteilt, auf denen man dem Film eine Schulnote geben kann. Mullholland Drive hatte einen Schnit von ca. 5,6. Also zwischen 5 und 6. Und das nur von den Leuten die nicht schon im Laufe des Films gegangen sind sondern bis zum Ende durchgehalten haben. Noch heute steht Mullholland Drive als Synonym für einen schlechten Sneakfilm. Wenn man sich über die schlechtesten Sneakfilme der letzten Jahre unterhält fällt als erstes eigentlich der Name Mulholland Drive. Für mich gehört Mulholland Drive jedenfalls zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten...
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 15.09.2003 - 21:05:40
Hmm... Ja... Ohne die Diskussion über Sinn und Zweck dieses Filmes wieder starten zu wollen, beweist das letzte Statement eigentlich nur, dass Mulholland Drive nichts für ein Sneak-Publikum ist. Das würde ich auch in jedem Fall mit unterschreiben... :o)
tuennes, der Pseudointellektuelle
DejaVu: Re: MEISTERWERK erstellt am: 13.10.2003 - 14:14:07
hallo!

auch eine interessante kritik - meiner meinung nach liegt der film irgendwo in der mitte (zwischen kritiken wie "top film + meisterwerk" und eben dieser hier):
http://evolver.at/site/review.php?id=12172

lg
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 13.10.2003 - 14:58:54
erstmal Herzlich Willkommen bei kinokai.de - wie findest du denn den Film? Gib doch ein Rating ab (oben rechts auf "Film bewerten" klicken)
DejaVu: Re: MEISTERWERK erstellt am: 14.10.2003 - 08:41:52
hallo!
hab ich schon gemacht - bin ja neu hier (eigentlich nur durch mulholland drive auf die seite aufmerksam geworden). :-)
werde mal weiter hier stöbern!
habe den film selbst erst einmal gesehen - werd ihn mir aber sicher nochmals ansehen.
stimmt es, dass an der dvd "home version" einige minuten rausgeschnitten wurden?
viele grüße
gerhard
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 14.10.2003 - 10:53:36
@DejaVu: Das kann ich mir nicht vorstellen. - Zumindest wär es mir nicht aufgefallen... =:-) Kann sein, dass es nur das übliche Problem der unterschiedlichen Lautzeiten Kino/Video ist. (24 Bilder/Sekunde zu 50 Halbbilder pro Sekunde, also ca. 4% Beschleunigung.)
DejaVu: Re: MEISTERWERK erstellt am: 14.10.2003 - 12:13:56
hi!

das mit der länge steht bei der kritik aus dem link, den ich gepostet habe (könnte auch in einem der user-kommentare dort stehen).
lg
gerhard
tuennes: Re: MEISTERWERK erstellt am: 14.10.2003 - 17:18:07
Ich wüsste aber nicht, was in dem Film für DVD noch extra geschnitten sein sollte. Ich vermute mal, dass der Kommentator einfach nur Laufzeit Kino und Laufzeit Video verglichen und darauf abgeleitet hat, dass da was rausgeschnitten wurde. Das ist aber sehr häufig nicht der Fall... (Ich hab in der von die angegebenen Kritik die Stelle nicht gefunden.)
DejaVu: Re: MEISTERWERK erstellt am: 15.10.2003 - 10:44:40
naja - ist eh nicht so tragisch - du musst bei der seite "alle kommentare ansehen" anklicken - dann steht da u.a.:

"Das offizielle Presseheft zum Film "Mulholland Drive" weist die Laufzeit mit 152 Minuten aus. Ich bin natürlich nicht mit einer Stoppuhr in der Vorführung gesessen, vielleicht wurde hier geschummelt. Aber mir scheint wahrscheinlicher, daß Ihnen eine beschnittene Fassung des Films vorgesetzt wurde, wobei offenbar die Lesbenszenen gekürzt waren. ..."

lg
gerhard
melatoninwatermellon: Re: MEISTERWERK erstellt am: 04.01.2004 - 15:42:39
Also, Sebis Interpretation des Filmes macht absoult Sinn.
Kurz zusammengefasst : Diane gewinnt in Otario einen Jitterbug Wettbewerb, fährt mit Hoffnung auf eine grosse Karriere nach Hollywood, trifft Camilla. Die beiden verlieben sich ineinander, doch Camilla, deren Karriere glücklicher verläuft, verlässt Diane für den Regisseur Adam, wohl weniger aus Liebe sondern mehr aus Gier und Karrieregründen. Dies bricht Dianne das Herz und zerstört ihre letzten Karrierechancen, sie nimmt Drogen, prostituiert sich (diese Dinge sind nur unterschwellig zu erkennen, für mich aber durchaus deutlich) und beschliesst Camilla umbringen zu lassen. Der schmierige Killer ist wohl aus dem Strassenmilieu. Ihr schlechtes Gewissen (v.a. in Form der sie ständig verfolgenden Eltern) treibt sie selbst in den Selbstmord. Kurz vor/nach oder während des Eintritt des Todes traümt sie den Traum (erste 90 min des Filmes), in dem alles so ist, wie sie es sich gewünscht hätte. Dabei vermischen sich erlebte Szenen, Figuren treffen in neuen Rollen aufeinander, wie dies in Träumen doch so oft geschieht (nur mir?).
Zu den Fragen von chunez:

1.Was hat die Wahrsagerin (oder wer auch immer) zu bedeuten (Loise heisst sie soweit ich weiss).
--Ich denke Sie ist eine Person von der Strasse, welche Diane am Ende ihres Lebens kennenlernte. Sie sagt "etwas schlimmes ist geschehen" was wohl heisst dass Camilla umgebracht wurde.

2.Was hat die Szene im Winkies zu bedeuten mit den zwei Typen, der eine erzählt von einem Traum, den er zweimal geträumt hat.
--Diane sieht diesen Mann im Winkies als sie den Auftrag gibt, Camilla zu töten. Da er die Szene beobachtet fühlt er sich (wie Diane in Wirklichkeit) von Dämonen verfolgt - natürlich nur in Dianes Traum.

3.Was äffnet der blaue Schlüssel (sieht aus wie ein nachgemachter Haustürschlüssel).
--???

WAs hat die MAfia mit der ganzen Geschichte zu tun??
und was bedeutet der Cut, als man den Mr. Rock sieht, wo er mit dem Typen spricht, der ihn fragt ob sie abbrechen sollen, weill der Regisseur nicht die HAuptrolle an Cammila Rodhes vergeben will??
--Die Mafia symbolisiert für mich den undurchdringlichen Hollywoodfilz, welcher Diane an dem Karrieredurchbruch hindert.

4.Wen der Killer so unfähig ist, seid ihr sicher das Rita/Camilla wirklich tot ist?? Wenn ja warum (Vielleicht ist ja das alte Ehepaar Rita und Adam!!).
--Dies ist absurd. Das Ehepaar sind 99% Dianes Eltern.
Wie Sebi schrieb, ist Camilla tot, da Diane von Polizisten gesucht wird.

5. Warum ist die Kamera manchmal so unscharf wie z.B. bei der Poolparty oder als Betty/Diane beim masturbieren an die Wand schaut??
-- Dies ist für mich ein Zeichen für Dianes Drogenrausch zum Ende ihres Lebens.

6.Warum schaut Adam Betty/Diana als er beim casten so oft an, als ob er sie kennt oder so??
-- Wahrscheinlich weil er sie gerne in der Rolle gehabt hätte, was Dianes Traum entspricht.

7.Mitten in den ersten neunzig Minuten (nach ca 45 min) gibt es einen kleinen Break, wo der "Killer" vor einem Cafe names Pinks eine Prostutierte nach einer schwarzhaarigen fragt!!
-- Ein Hint zum Milie in das Diane tragischerweise gerät (wie z.B. auch die Perücke).

Zu Sebis Kommentar:
Ich denke, dass Diane Rita im Film bewusst ihre Leiche zeigt, um ihr zu zeigen, was sie angerichtet hat.

Ich habe den Film erst einmal gesehen (gestern) und eine Interpretation (plus Sebis gelesen). Vieles ist mir auch noch unklar (und deshalb hier reine Spekulation von mir), fest steht aus meiner Sicht: dieser Film ist ein Meisterwerk.
Die Geschicht zweier Frauen, die den Traum der grossen Hollywoodkarriere ausleben wollen, und deren Freundschaft aus Konkurrenzdruck zu erbittertem Hass umschlägt, wodurch schliesslich beide sterben. Fazit : Hollywood zestört Menschen.
Man sollte den Film nich vor dem zu Bette gehen schauen, und besser nicht alleine.
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 05.01.2004 - 02:51:25
kann dir nur zustimmen, melatoninwatermellon

Grüße Kai
MVÖÖÖ: Re: MEISTERWERK erstellt am: 05.01.2004 - 22:46:42
Hat schon mal jemand drüber nachgedacht das der Film einmal in der Welt der toten und einmal in der Welt der Lebenden spielt. Ich denke das Betty nach dem Unfall am Anfang tot ist ( Die Tante der das Appartement gehört sieht Sie nicht mal die Treppe zu diesem hoch laufen obwohl Sie sich umdreht und Ihr hinterher schaut oder denkt Ihr Sie sagt einfach so nichts, und im Haus als Sie unterm Tisch sitzt hätte Sie sie auch sehen müssen ) im Restaurant hört man nur die beiden sprechen alle anderen Menschen schweigen ( oder Sie können sie nicht hören ) man achte auf die Teller die vor den beiden stehen ( die werden mit Sicherheit nicht umsonst ins Bild gesetzt ) der eine ist komplett voll mit essen ( oder bestellt Ihr euch im Restaurant Essen wenn Ihr keinen Hunger habt? )
MVÖÖÖ: Re: MEISTERWERK erstellt am: 05.01.2004 - 22:52:15
Ach ja hatte ich vergessen die beiden alten die Diana in die " Stadt " begleiten vielleicht begleiten Sie Sie ja in den Tod ( das Licht, die Musik )
Es ist auch komisch das man nur das Restaurant von der Stadt sieht und nichts anderes oder?
Kai: Re: MEISTERWERK erstellt am: 06.01.2004 - 00:09:58
hm interessanter Ansatz - ich muß den Film unbedingt mal wieder anschauen...
cowboy: Re: MEISTERWERK erstellt am: 16.01.2004 - 16:31:40
Hallo,
bin gerade durch google auf Eure Seite gestoßen und will auch mal ein paar Anmerkungen zu diesem - wirklich großen - Film machen.
Ich habe mich in den letzten 3 Wochen sehr intensiv mit Mulholland Drive auseinander gesetzt und will ein paar meiner Erkenntnisse nur mal kurz zusammenfassen.

Hier erstmal ein Link zum visuellen Ablauf:

http://www.innergrail.com/mulhollanddrive/

So, meine Theorie ist, dass der Film kreisförmig aufgebaut ist - ähnlich wie Lost Highway. Das heißt, dass das Ende mit dem Anfang gleichzusetzten ist und umgekehrt. Die Rahmenhandlung, also die Szenen, in denen Betty wieder zu Diane geworden ist, stellen den letzten Tag im Leben dieser Frau dar, der mit dem Besuch der Nachbarin beginnt und mit dem Selbstmord endet. Ich glaube, dass nur diese beiden Szenen in "Echtzeit" spielen - also wirklich an diesem Tag passiert sind - alles andere ist auch in der Rahmenhandlung Flashback u./o. Fantasie.
Die 90-minütige Traumsequenz am Anfang ist der Todestraum von Diane und spielt sich im Augenblick ihres Sterbens ab, also chronologisch "nach" oder während des Selbstmords.
Dafür gibt es verschiedene Hinweise: Die Szene im Club Silencio ist eine exakte Entsprechung zu Dianes "wirklichem" Ende:

- eine Art Magier entlarvt alles als Illusion und läßt einen Donner ertönen (der Knall der Pistole), worauf Betty plötzlich zu zittern beginnt. Wichtig ist hier auch das dämonische Grinsen des Mannes, bevor er verschwindet.

-Blauer Rauch füllt die Bühne, wie in Dianes Schlafzimmer nach dem Schuß.
Der Mikrofonständer im Traum und der Bettpfosten in der Wirklichkeit befinden sich in den beiden Einstellungen in genau der selben Position - umgeben von aufsteigendem blauem Rauch. Später folgt eine Überblendung vom Schlafzimmer zur blau erleuchteten Bühne des Traum-Clubs.

- das Lied der Sängerin ist wie eine Totenklage für Diane, sie wird angekündigt als "Llorona de Los Angeles". "Llorona" heißt die Weinende, das Lied selbst ist "Crying" von Roy Orbison auf Spanisch.

-Ich glaube die beiden Todesszenen stellen das selbe Ereignis aus zwei unterschiedlichen Perspektiven dar:

1. als Dianes inneres Erlebnis

2. aus Sicht eines Außenstehenden


Das ist nur eine sehr sehr grobe Zusammenfassung und bei weitem nicht alles, was ich dazu sagen könnte, but i don´t have the time :-)


Sehr wichtig sind die Farben! Es gibt zwei Farbpaare:

1. Rot und Blau

2. Schwarz und Weiß

Achtet auf die Farben, wer trägt welche Farben, welche Dinge haben welche Farbe.
Lynch hat den ganzen Film systematisch farbkodiert!

(Fast) alles taucht in Mulholland Drive ZWEIMAL auf:

- blauer Schlüssel
- Hollywood-Zeichen
- rote Lampe
- Entrance-Zeichen beim Winkies
- Frau, die Koffer in ein Auto laden lässt
- Luftaufnahme von L.A.
- blauer Lieferwagen
- schwarzes Buch
- "Headshot" von Camilla Rhodes (Foto)
- schwarze Stretch-Limo (sogar 4 x)

u.s.w - von den Personen selbst, und dem was sie sagen mal ganz abgesehen...

so, bis denn erst mal

P.S. Mulholland Drive hat bei Amazon.com 850 (!) Kundenrezensionen - welcher Film kann das schon aufweisen?
cristina: Fragen erstellt am: 18.01.2004 - 16:28:53
Hi Leute!
Ich bin ganz zufällig in der Videothek auf Mulholland drive gestossen und war beim ersten anschauen so geschockt weil der film so bizarr und krank ist und ich auf sowas absolut nicht eingestellt war...
naja, kurz und gut der film hat mich nicht mehr losgelassen und ich musste mit allen leuten die ihn kennen drüber diskutieren. leider blieben einige fragen offen - auch nach dem 5. mal anschauen!

Auf jeden fall denke ich auch an die traum-interpretation! nahtod erfahrung is zwar auch möglich aber für mich nicht schlüssig genug!(Was hätte dann das Kasterl für einen Sinn?)
MVÖÖ: sehr interessanter ansatz!!! müsste mir den film noch mal unter dem aspekt anschauen! aber warum findet der polizist am anfang dann keine leiche?
Also, ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen:
Was hat der epileptische Anfall von Betty im Theater silencio zu bedeuten??

Was hat die Frau mit dem blauen Turban im Theater zu bedeuten??

Wieso taucht im Theater plötzlich das blaue Kasterl auf??

Achja, und ich glaube nicht, dass der typ im rollstuhl die mafia ist!
weiss nicht was er ist. aber mafia? i woas ned!

Und ich denke nicht, dass der killer unfähig ist! betty möchte dass er unfähig ist, deshalb ist er das in ihrem traum! aber in wahrheit denke ich schon dass er professionell ist! (schlüssel!!)

also danke.
liebe grüße
cristina
hanzstahl: Re: MEISTERWERK erstellt am: 09.04.2004 - 13:08:20
Ich hab garnicht erst versucht den Film chronologisch zu ordnen. Das wäre warscheinlich der erste Schritt in die richtige Richtung gewesen.
Ich hatte mal Lynchs Eraserhead gesehen und den bis zum Ende durchzustehen hat mich wirklich Überwindung gekostet. Ich hab mich darauf eingestellt den Alptraum eines Menschens zu sehen und mir deshalb vorgenommen nur Bilder und Musik auf mich wirken zu lassen. Und weil das so gut geklappt hat, hat es mich Überwindung gekostet. Der Film ist extrem und ging mir an die Nieren und genau das fand ich so toll daran. Wenn mir einer sagt das man den verstehen kann, werd ich ihn unter diesem Gesichtpunkt nochmals anschauen.
Leider bin ich an Mulholland Dr. mit der selben Einstellen gegangen, was dann irgendwie in die Hose ging. Ich bedanke mich auf jeden Fall für die Interpretationen, die mich wirklich zufriedengestellt haben. Anscheinend bin ich selber viel zu wirr im Kopf um so wirre Filme zu entwirren.
zunera: MEISTERWERK? GOTTESWERK!!! erstellt am: 17.04.2004 - 22:51:34
Hallo zusammen,

eine Menge interessanter Thesen habt ihr hier, wobei die meisten wohl in den Film nur hineininterpretiert wurden. Eins vorweg: Ich bin super begeistert von dem Film. Er sprach mir beim ersten sehen vollkommen aus der Seele! Er hat genau das ausgedrückt, was in anderen Filmen vergeblich versucht wird: Er IST der Spagat zwischen der Fiktion und der Wirklichkeit, Verrückt- und Normalsein, Gut und Böse, Liebe und Tod, Himmel und Hölle!

Doch diese Gegensätze sind nicht nur innerhalb des Filmes spürbar sondern die Geschichte des Filmes erklärt in sich gleichzeitig auch das Verhältnis von Zuschauer (also wir) und den Filmpersone, einfacher gesagt: Der Gegensatz ist die Illusion des Filmes zur Wirklichkeit des Zuschauers! In den ersten 90 Minuten schaut man einen halbwegs plausiblen Film und erwartet eine Auflösung am Ende, doch es folgt ein Abriss einer anderen Geschichte mit den gleichen Darstellern.

Der Zuschauer ist der Spielball des Filmemachers, des Autors, des Regisseurs. Er wird der Fantasie eines anderen Menschen ausgeliefert und hat sich an diese Anzupassen - sprich: Der Film hätte ein ganz anderer werden bzw sein können als in den ersten 90 Minuten. Die Schlüsselszene ist bekannterweise das Theater: Alles nur Illusion. So wird auch der Zuschauer aus seiner Illusion gerissen und soll begreifen, daß er an etwas gefesselt wurde, was gar nicht existiert und darin (in dieser "Verrücktheit") auch noch einen Sinn sucht... den es ja gar nicht geben kann, da etwas Erfundenes keinen Sinn haben muss. Es ist halt nur Fiktion!

Ich hoffe, ich konnte euch die Augen öffnen...
dony: RE: MEISTERWERK erstellt am: 21.02.2010 - 05:41:17
Hi @ all

Ich antworte jetzt mal auf die ersten paar Antworten weil ich mich grad ärgern muss und mich nicht konzentrieren kann wenn ich das nicht loswerde!!

@chifan:
Mit der Behauptung das, David Lynch absichtlich den Film durcheinander gebracht hat um den Inhaltsarmut zu kompensieren kannst Du schon Recht haben, das ist eine von vielen Theorien!
ABER selbst wenn es wirklich so ist, ist das ein absolut Genialer Schachzug von Lynch aus einer Story die nichts kann einen absolut Genialen Film zu machen, warum ich den Film Gut finde hab ich weiter oben gepostet (als Antwort für UHU)
Denn es ist nicht nur das nicht auskennen was den Film Genial macht es gibt auch genug andere Gründe, die ich bereits erwähnt habe!

@chifan und UHU:
Wer nur Unterhalten werden will soll sich Stirb Langsam anschauen und glücklich werden. Niemand zwingt euch den M.D. auf! Bitte nicht persönlich nehmen!

@UHU:
Sorry aber die Antwort (ich mein jetzt speziell die erste) hättest Du Dir fast komplett sparen können! Wir haben Deine Meinung zu den Film gelesen und respektieren sie, also Respektiere auch unsere. Ich weiß meine Antwort kommt sehr sehr spät, ich hab die Seite erst heute entdeckt und außerdem kenne ich M.D. erst seit einem Jahr (leider) Den Rest hab Dir bereits weiter oben beantwortet!

@ Kai und Sebi
Bin voll eurer Meinung!

Nachtrag:
@ melatoninwatermellon: Bin da auch deiner Meinung, wie ich bereits in meinen Beitrag geschrieben habe ist es für mich eine Versteckte Hollywood Kritik, so in etwa wie Inside Hollywood nur das M.D. sehr viel besser ist.
dony: RE: MEISTERWERK erstellt am: 21.02.2010 - 15:25:32
@ melatoninwatermellon:
Du sagts es sind zu 99% die Eltern von Betty/Diana, da hast Du vollkommen Recht, ich würde sagen 99,98% da sie im Eröffnungstitel (der Tanz) in schwarz/weis zu als Familie zusehen sind! Man sollte sich das aber in Zeitlupe anschauen damit man alles genau erkennt, David Lynch gab uns ja 10 Hinweise, Ein Hinweis sagt das im Eröffnungstitel, also der tanz und dann der rote Polster 2 Hinweise zu sehen sind!
Die tanzenden Leute haben genau nichts zu bedeuten und das Kissen hab ich in meinen Beitrag bereits beschrieben.
lg Dony
DejaVu: wertung nach oben korrigiert erstellt am: 14.04.2004 - 15:03:27
hab mir den film gestern nochmals angesehen - und musste meine bewertung gleich um einen punkt nach oben setzen.
fazit: genialer film!
normi: Re: wertung nach oben korrigiert erstellt am: 20.04.2004 - 10:17:48
Erstaunlich über wieviele Jahre hinweg, der Film anregt, schaut man sich allein dieses Forum an. Nun endlich habe ich ihn auch endlich gesehen und war gespannt, was mich hier so an Interpretationen erwartet. Ein paar wenige Ideen/Fragen (mit Hoffnung auf Feedback) hätte dann auch...

Ich bin nicht sicher, ob es um Nahtoderfahrung geht, eher denke ich, das die Mischung aus zerfressenem Gewissen, die Liebe/Abhängigheit zu Camilla Diane in einen Wunschtraum flüchten lässt. Schließlich wacht sie auf, da die Realität sie einholt (schlußendlich die einzige Vision die in in Dianes wirklichem Appartment stattfindet, als das alte paar sie "verfolgt") und bringt sich dann um.
Ich weiß auch nicht, ob ich's überlesen habe (da ich auf die Schnelle nichts davon gelesen habe), aber entscheidend ist doch der Rollentausch, den Diane "erzwingt". Sie macht Camilla zu sich selbst (die ja auch vorerst Diane genannt wird), da diese aufgrund ihrer Amnesie nun von Diane abhängig ist. Es geht also nicht um eine "zweite" Chance, sondern um eine alternativen, absolut realitätsfremden Ereignisverlauf, in dem Diane auf Camilla trifft und diese "beschützt".
Als die Abhängigkeit dann gefestigt zu sein scheint, "tötet" Betty (also Diane) ihr reales Pendant (also sich selbst; sie will nun ihr wahres Ich endgültig verbannen, schließlich schließen die Damen ja, das Camilla nicht Diane sein kann ), als sie in ihr ebenso reales Appartment einbrechen und die Leiche entdecken. Ich bin mir nämlich nicht sicher, daß sie Camilla die Leiche zeigen wollte, um ihr zu zeigen, daß Diane ihretwegen in den Tod getrieben wurde, denn die "Traumcamilla" weiß ja nichts davon, Reue wäre also nicht zu erwarten. Es war eher der letzte, nötige Portion (Todes-)angst um Camilla in die totale Abhängigkeit zu treiben. Denn danach kommt die blonde Perücke und der Sex.
Nun scheint Diane in ihren Wünschen eine "gefährliche" Statik der Zufriedenheit einzukehren, denn danach holt sie die Realität sehr beschleunigt ein (vorher gab es ja nur vereinzelte Warnungen, sie aus dem Traum zu reißen, die sie aber abwiegelte; der blaue Schlüssel/das Geld wird versteckt, Louise wird von Coco weggebracht; das Plädoyer des Cowboys "wünscht" sie Adam an den Hals, tatsächlich ist das für sie selbst gedacht...).

Der Club (das Bild der Illusion ist ja ausreichend thematisiert), der auftauchende Würfel (für mich eindeutig Symbol der Wahrheit/Realität/Traumende, denn die Reise geht direkt in das schicke Appartment, in dem sich absolut gar nichts abspielt, dann direkt in Dianes wirkliches Appartment...(reicht fürs erste, muss arbeiten)

Unklar für mich,

Wie erschließt sich, das daß ältere paar die Eltern sind, und wenn bedeutet es, daß sie Diane schon früher verlacht haben (was ja pädagogisch frahwürdig ist), oder ob sich Diane die lacher verdient hat.

bis bald (hab noch mehr Fragen, aber keine zeit)
Ps: alles nur meine Meinung...
Kai: Re: wertung nach oben korrigiert erstellt am: 20.04.2004 - 12:48:57
interessante Ideen... bezüglich der Eltern: such mal auf dieser Seite nach "Eltern" (bei den meisten Browsern: Strg. + F), Sebi hat in seiner Interpretation ein paar Gründe angeführt weswegen es die Eltern sein könnten...
normi: Re: wertung nach oben korrigiert erstellt am: 30.04.2004 - 09:34:12
Oh ja, vielen Dank. Die ganze Dichte des Films hat mich das Intro ganz vergessen lassen.
Hab das Forum nochmals durchgelesen und meine Ansichten decken sich mit denen Sebis am meisten. Schlußendlich kann man den Film auch "zerinterpretieren", da Herr Lynch selber die einzige Referenz wäre, alles zu bestätigen, andererseits sollten die Spekulationen schon den "Touch" des Films haben, d.h. eine gewisse Nachvollziehbarkeit sollte erkennbar sein; ich sage das, weil einige andere Ansätze hier doch sehr hanebüchen wirken.
Zu Sebi:
Die Bettszene halte ich für sehr wichtig, auch in der Darstellung. Ich erwähnte oben ja schon den "Rollentausch" (Diane macht Camilla zu sich selbst, weswegen sie dann auch im Traum bis zum Leichenfund Diane heißt) und den alternativen Verlauf den Diane wünscht - ich denke diese mädchenhafte, entdeckerische und dadurch zärtliche Art, die diese Szene zeigt, gab es nie im Realen - deswegen auch dieses wiederholte "Verliebt-Bekenntnis". Das hat sich meiner Meinung nie so abgespielt. Vergleicht man nämlich die Rückblende auf Dianes Sofa (und Camillas erste Zweifel), so wirkt das "härter" ("machst mich wild"...usw). Wahrscheinlich war da schon Liebe im Spiel, aber wohl nur von Diane, die das aus Selbstschutz (Angst vor Abweisung, Verletzlichkeit) wohl nie in der Form äußerte, wie sie es als Betty im Traum tat.
Die Masturbationsszene, denke ich, ist eher vor dem Entschluß, Camilla töten zu lassen, angesiedelt. Sie wirkt eher traurig-agressiv, ob der Abweisung. Nach dem Mord gäbe es keinen Grund mehr zur Aggressivität (und in keiner Szene, die chronologisch nach dem Mord spielt, wirkt sie aggressiv). Anderer Hinweis, der mich das vermuten lässt: Diane ist "gestylt" in der Szene (Make-up, Lippenstift, Haare).
In allen Szenen, die die Mordabsicht beeinhalten, scheint sie sich geheh zu lassen
(Winkies mit dem Hitman).
Der Cowboy hat mich lange beschäftigt, ich habe aber ein wenig Abstand von der Engelsfigur genommen, da sämtliche, christliche "Versuche" scheitern, so dann auch der Gottesgesandte: Erst ein Mord, dann der Freitod - das würde den Cowboy im religiösen Sinne "alt" aussehen lassen, da er auf ganzer Linie versagt. ich glaube eher, er verkörpert die Realität ("Howdy, straightes, unzimperliches Verhalten, konfrontieren, warnen -die Realität ist ja auch "hart" und oft nicht gerade zimplerlich).
Das passt zu den Sachen die er Adam sagt und (für mich sehr wichtig) er taucht (im realen) genau in dem Moment auf, als die "falsche" Camilla auf der Poolparty nach dem provozierenden Kuss um die Ecke biegt- Just in diesem Moment ist Diane sämtliche Hoffnung los, da würde noch irgendwas mit Camilla gehen, die Realtät schlägt sie förmlich K.O.! Da sie den Cowboy in diesem Moment sieht und gleichzeitig ein Gefühlszustand der bitteren Erkenntnis hat, transportiert sie dieses Gefühl der Realität mit dem Cowboy in den Traum. Zumindest steht der Cowboy für eine Art letzte Chance (Nach dem Motto "Du hast zwei Möglichkeiten -entweder Du stürzst dich ins Verderben oder Du erkennst die Realtität, versperrst dich nicht vor ihr (wachst auf) und handelst konstruktiv und verpasst damit nicht die Chance, dein Leben wieder in bessere Bahnen zu lenken.- nichts anderes sagt er Adam)
Genau dasselbe geschieht ja mit dem "Mafiosi" und ihrem eigenen Espresso. Das Zeug muss ihr in dem Moment so widerlich geschmeckt haben, bei den Geschehnissen vor ihren Augen -gleichzeitig schaut sie kurz zum (Traum)mafiosi rüber und im Traum sieht man ja, wie sie beides kombiniert. Ich deute diese Verhandlungen eh als verklärte, aufs Essentielle reduzierte Version der Poolparty, da so ziemlich alles ins Gegenteil verkehrt wird)
Nach exakt diesem Schema, denke ich, lässt sich auch der opener mit dem Therapeuten und Patienten erklären (ist im Forum auch angesprochen); da sie auch den (Patienten) nur zufällig ganz kurz in einer Schlüsselszene sieht, aber sofort ihre Angst vor ihrem eigenen Entschluß mit diesem Menschen verschmelzen lässt, der ja imTraum beim Anblick seiner Fleisch gewordenen Ängste (das Monster) kolllabiert, einbricht. Puh!

Wenn man also versucht, alles weniger religiös zu sehen, ohne die Funktion dieser symbolfiguren zu mindern, so ist das Monster die dunkle Seite/Seele im Menschen, die einen aus emotinalen Gründen "dummheiten" (oder schlimmer) begehen lässt, während der Cowboy die erinnernde Realität ist, die einen, wie das Gewissen hart mit möglichen Konsequenzen konfrontiert und "Absprünge" anbietet.

Wie immer, meine Ansicht...
Der Film lässt mich nicht los.
DejaVu: Re: wertung nach oben korrigiert erstellt am: 30.04.2004 - 12:40:42
deine deutung des cowboys ist super! :) danke (werd mir den film bald mal wieder ansehen)
stev: eine CHRONOLOGIE - was fürn abgefahrener Film... erstellt am: 04.05.2004 - 17:36:20
hier ist eine mögliche Chronologie der Szenen, in Klammern die Abfolge im Film:

I. (4.) Szene vom Filmdreh mit Regisseur und Camilla im Auto - die beiden kommen sich näher. Diane wirft ihnen böse Blicke zu.
II. (3) Diane und Camilla barbusig auf dem Sofa - Camilla läßt sie nicht richtig 'ran.
III. (6) Diane kriegt einen Anruf von Camilla, die sie zur Poolparty abholen läßt.
Bei der Poolparty ist Diane sehr aufgewühlt da sie realisiert, Camilla endgültig verloren zu haben. Der Zuschauer erfährt hier wie Diane nach Hollywood kam und Diane und Camilla sich wirklich kennengelernt haben.
IV. (5) Diane zuhause, knallt die Tür vor Camilla zu, masturbiert, ist verzweifelt
V. (7) Diane und der Killer bei Winkies
VI. (1) Diane träumt... die ersten 90 Min des Films!
VII. (2) Diane wacht auf (Cowboy weckt sie bzw. Klopfen der Nachbarin) - Nachbahrin holt ihre Sachen ab, der blaue Schlüssel liegt auf dem Tisch.
VIII. (8)Schuldgefühle, Verfolgungswahn, bitteres Ende - Die Szenen mit dem Müllmann/der blauen Box und dem älteren Ehepaar spielen sich natürlich in Dianes Fantasie ab.

- noch was zum Schlüssel:
der Killer sagt, "wenn's erledigt ist findest du ihn da wo ich's gesagt habe". Der blaue Schlüssel ist für Diane die Gewißheit dass Camilla beseitigt wurde. Mit der Gegenwart des Schlüssels auf ihrem Tisch steigen Dianes Schuldgefühle. Es spielt in der Realität keine Rolle, was der blaue Schlüssel öffnet. (Lachen des Killers, er weiß vermutlich selbst nicht, was der Schlüssel öffnet). Vielmehr ist wichtig dass er sich mit der blauen Farbe von gewöhnlichen Schlüsseln abhebt, und schließlich, sich in Dianes Wohnung wiederfindet. Im Traum erfindet sie ein Gegenstück, die blaue Box. Als diese am Ende des Traums von Rita geöffnet wird, bedeutet das für Rita das Ende (Verbindung zum Mordanschlag), man sieht aber nur die geöffnete Box, die herunter fällt.
Julia: andere Interpretationsmöglichkeit erstellt am: 02.06.2004 - 15:34:11
Hallo,

ich bin zufällig durch google auf diese Seite aufmerksam geworden und finde die ganzen Interpretationsansätze hier wirklich interessant, auch wenn ich noch nicht alle lesen konnte.

Ich habe den Film bisher folgendermaßen interpretiert: Ich dachte immer, dass der Anfang (Ritas Unfall) wirklich passiert und sie ihr Gedächtnis verliert, und dass alles was danach im ersten Teil des Films passiert nur Ritas Versuch ist, ihre Vergangenheit zu rekonstruieren. Als sie am Anfang in der Wohnung ihre Handtasche öffnet, findet sie den Schlüssel mit dem sie später die blaue Box öffnet, aber die Box ist nicht da. Ich denke, die Box symbolisiert ihr (verlorenes) Gedächtnis, und der dazugehörige Schlüssel (den sie ja noch hat) zeigt, dass sie sich durchaus an einzelne Namen, Gesichter, Momente etc. erinnern kann (vielleicht unbewusst), aber ohne den dazugehörigen Zusammenhang. Im Laufe des ersten Teils versucht sie, diese Erinnerungsstücke zusammenzufügen... nichts davon passiert also real, sondern es sind quasi Ritas Rekonstruktionen ihres Lebens. Sie erinnert sich z.B. daran wie ihre Freundin (Diane) aussah, und erfindet eine Frau (Bettie), die (fast) genauso aussieht... etwas später erinnert sie sich auch daran dass sie und Diane ein Paar waren, also fängt sie im1. Teil des Films mit Bettie ein Verhältnis an etc. Die Szene im Theater, als ständig wiederholt wird dass alles nur Illusion ist, zeigt dass Rita bewusst wird dass ihr Leben in Wirklichkeit nicht so ist wie sie im Moment glaubt (also dass es nur eine Illusion ist), und kurz danach findet sie auch ihr Gedächtnis wieder (als sie die Box öffnet). Der 2. Teil des Films ist ein Rückblick; es ist praktisch Ritas wahres Leben vor dem Unfall, an das sie sich erinnert.

Ich habe den Film aber erst ein mal gesehen; wahrscheinlich ist diese Interpretation nicht durchgehend schlüssig wenn man sich den Film nochmal anguckt ....
Audrey: plausibel erstellt am: 03.06.2004 - 13:18:44
Erscheint mir durchaus plausibel, danke, Julia.
petra: nach dem ich das ganze wochenende über mulhol... erstellt am: 26.07.2004 - 15:51:13
nach dem ich das ganze wochenende über mulholland drive nachgedacht habe (sah den film das erste mal) bin ich durch zufall auf dieses seite hier gestossen. ich finde es umwerfend wieviele menschen sich schon über so lange zeit, gedanken über den film machen. das alleine ist die größte auszeichnung! dieses spiel mit der realität, den träumen, ängsten usw. verwirrt sehr, aber so ist es ja auch im "richtigen" leben.es gibt nicht immer auf alles eine zufriedenstellende erklärung. die erklärung über mulholland drive für mich persönlich ist, daß (fast)alles geträumt war. immer wieder sieht man ein bett mit schlafenden frauen (rita, betty,tote ), alle liegen in der gleichen stellung auf dem bett in zerknüllten laken. für mich fängt die wirklichkeit erst an als diane in ihrem appartment aufwacht. vorher war alles von ihr geträumt. aus ihrem albtraum wacht sie nicht mehr richtig auf, das heißt sie "tagträumt". z:b die szene in der sie sich kaffee kocht und camilla sieht und in tränen ausbricht (camilla aber nicht im bild erscheint), die nächste szene zeigt diane oben ohne in jeansshort zur nackten camilla aufs sofa steigen mit einem glas whiskey in der hand...weit und breit keine kaffeetasse mehr zu sehen...usw.es fallen einem immer wieder szenen ein die man durchinterpretieren kann. aber gerade das macht ja diesen genialen film aus!
soert: David Lynch als Surrealistiker erstellt am: 15.08.2004 - 14:25:01
Hallo ,

an den zahllosen Interpretationen möchte ich mich (fast) nicht beteiligen, dazu wurde bereits genug geschrieben. Ein paar Hinweise aus meinem (nicht so umfangreichen) Wissen über David Lynch möchte ich doch ergänzen, vielleicht sind sie hilfreich.
1. Über die Reminiszenzen an "Blue Velvet", einen der verständlicheren Filme von D.L. wurde einiges geschrieben. Ich würde zum "Verstehen" des Films noch weiter zurück gehen, nämlich zu "Eraser Head", einem surrealist. Film und - ich glaube - dem Erstlingswerk von D.L, das in der Tradition von "Der andalusische Hund" (mit Dalí) entstanden ist.
Ein Werk von Lynch zu interpretieren geht nur auf dem Hintergrund des Surrealismus und ist ein bisschen so, wie ein Bild von Max Ernst oder Dali zu interpretieren. Die Bilder speisen sich geschickt aus dem Unbewußten und haben als solche eine symbolische Bedeutung. Um einen relativ(!) einfachen Handlungsstrang (Angehende Schauspielerin engagiert bezahlten Killer, um sich an ihrer Konkurrentin zu rächen und diese auszuschalten. Die Konkurrentin hat ihr aufgrund ihrer Bettaffäre mit einem Regisseur alle wichtigen Rollen weggeschnappt; zu allem Unglück ist sie auch noch in die Konkurrentin verliebt, so das sich ein zweiter Boden für Neid, Hass, enttäuschte Liebe und Eifersucht auftut.) gruppieren sich Bilder des Unbewußten oder meinetwegen auch Träume. Der erste Handlunsteil ist eine Wunscherfüllung von Diana (=Betty), in dem sie ihre Geliebte und Konkurrentin auferstehen lässt (bzw. der Anschlag ist ja gescheitert) und mit ihr zusammen kommt. Gleichzeitig erfährt sie die ihr versagte schauspielerische Anerkennung. Der zweite Teil ist dann - soweit das bei D.L. möglich ist - die Realität, die einem Albtraum gleicht, ebf. in symbolische Bilder verpackt. Wie gesagt, es gibt zahlreiche symbolische Details auf die ich näher eingehne könnte, aber das war nicht Sinn des Kommentars.
Ein Hinweis: Die Szene inder die Protagonisten im blauen Kasten verschwinden, erinnert an eine Szen aus "Eraser Head", in der Leute in einer Heizung (!) verschwinden, in der ähnlich Merkwürdiges passiert..
Ich glaube, das es bei Lynchs Filmen generell wichtig sie als surrealistische Kunststücke zu betrachten, um nicht zu sehr nach einem Handlungsstang zu gucken (der, findet man ihn erstmal, meist recht einfach ist). Sondern eher nach den Symbolen des Unbewußten (die ersten 90 Min. von Mulholland drive als kompensative Wunscherfüllung von Diana usw.) , mit denen Lynch gerne spielt. Lynch findet bilder für das, was in den Köpfen der Menschen passiert und er spielt mit diesen Bildern. Hoffe, der Kommentar ist für jemanden anregend oder er verhilft zu neuen Interpretationen.
Kai: tja der Film ist halt... erstellt am: 15.08.2004 - 17:29:31
... sureal, aber schön ;-) Aus welchem Film ist dieses Zitat wohl ;-)?
DejaVu: @soert so sehe ich das für mulholland drive ... erstellt am: 30.08.2004 - 21:05:43
@soert
so sehe ich das für mulholland drive auch; nur bei lost highway blicke ich (noch) nicht durch... du?
anonymous: nochwas zum schlüssel erstellt am: 04.09.2004 - 15:23:36
den schlüssel findet diane auf dem wohnzimmertisch, bedeutet, dass der killer bei ihr eingebrochen sein muss, ganz wie sie selbst im traum in die wohnung eingebrochen ist.
anonymous: RE: andere Interpretationsmöglichkeit erstellt am: 03.10.2004 - 03:02:36
Hi,

habe den Film eben bei der TV-Premiere das 1. mal gesehen.
Ich glaube die meisten hier machen den großen Fehler, daß sie
alles logisch erklären wollen bzw. davon ausgehen, daß die Handlung
im "wirklichen Leben" spielt.

Mir war aber schon ziemlich am Anfang klar, daß alles nur symbolisch zu
verstehen ist. Ist mir jetzt schon zu spät in der Nacht um eine umfassende
Schilderung meiner Interpretation abzugeben. Um mal meinen Grundgedanken
in den Raum zu stellen:

Ich gehe davon aus, daß es sich bei Diane, Camilla und Betty um ein und
die selbe Person handelt. Diese Person schlüpft in verschiedenen Situationen
in verschiedene, vorgefertigte Rollen und weiß irgendwann selbst nicht mehr
wer sie eigentlich ist (alles ist Illusion, Playback, einmal aufgenommen/kopiert
und dann x-mal abgespielt). Sie verliert dann völlig den Bezug zu ihrem wahren
Ich was sie irgendwann auch erkennt und schließlich an ihrer eigenen Ignoranz
verzweifelt.

Das mit dem Traum ist daher auch nur im übertragenen Sinne zu verstehen.
Irgendwann kommt der Cowboy (Gott) und sagt ihr, wach auf Mädchen find
mal wieder zu dir selbst zurück.

Was haltet ihr davon ?
PMVO: RE: andere Interpretationsmöglichkeit erstellt am: 03.10.2004 - 15:33:05
Nun, ich habe den Film auch heute Nacht zum ersten Mal in der ARD gesehen.... meine Freundin wollte ihn unbedingt sehen..... danach dachte ich, was für ein Mist .... Aber dann lies er mich nicht los .... es dauerte seine Zeit bis ich dann endlich ins Bett kam.
Heute Morgen haben wir uns dann auf die Suche nach Infos über diesen Film gemacht und sind hier gelandet und ich muß zugeben Ihr habt sehr gute Ideen....
Meine erste Überlegung war, daß der Anfang real sei und erst nach der Liebesszene zwischen den beiden Frauen die Rita anfängt zu träumen und sie langsam ihr Gedächtnis wieder findet .... aber im Endeffekt sind bei meiner Theorie zu viele Unstimmigkeiten.
Deshalb tendiere ich nun auch dazu, daß alles bis kurz vor Schluß von Diane/Betty geträumt wurde ....
Die Verbindung mit dem alten Ehepaar ist mir nun auch etwas klarer (hoffe ich zumindest) ... Die "Elterntheorie" ist gar nicht mal so schlecht. Die Eltern habe Diane wahrscheinlich nie unterstützt und wollten ihr die Schauspielerei ausreden ... und lachen sie nun (letzte Szene) aus, weil sie es zu nichts gebracht hat und ihr Leben ruiniert hat.
Aber was mich noch interessiert: Was hat es mit dem Restaurent auf sich?
Die Prostituiert ist hier ....
Der eine Kerl bricht hier zusammen weil der einen Geist oder so etwas sieht....
Der Auftragsmord wird besprochen
Und vorallem ... wieso hat die Bedienung im Restaurent einmal den Namen Diane und das andere Mal Betty? Soll dies nur bedeuten, das Diane und Betty die gleiche Person sind oder steckt mehr dahinter
...
Noch was .... glaubt einer von Euch der Tausch der Wohnungen zwischen dem Haus Nr12 und 17 hat noch was zu bedeuten.

Mein Gott.... der Film macht mich noch ganz verrückt.... aber nun bin ich auf den Geschmack gekommen... wie sind denn die anderen Filme von David Lynch, so ähnlich oder noch undurchsichtiger

Gruß Peter
Ash: lynch erstellt am: 03.10.2004 - 17:01:57
Huhu,
hab den Film auch erst gestern gesehen. Lustig dieses Jahr komme ich zufällig auf Twin Peaks und schaus mir an. Dann zapp ich zufällig irgendwann vor mehreren Monaten auf Lost Highway und gestern zufällig "Mulholland drive" abends eingeplant beim TV-Schauen.

Übrigens: Eine coole Seite, die gut aussieht und auch bei diesem Film nicht nur an der Oberfläche kratzt.

Zum Film: Durch die Theorie, dass die ersten 90 min ein Traum von Diane sind, ist jetzt schon manches klarer. Im Film war das nicht klar, weil er zig Interpretationen zulässt und ja auch jede Szene chronologisch wieder irgendwo anders weitergehen gehen kann und so ziemlich viele Möglichkeiten bestehen. Mit dem Traum bin ich mir mittlerweile auch ziemlich sicher, wobei das coole an dem Film ist, dass es keine *richtige* Interpretation gibt und zeichnet das nicht auch einen guten Film aus? Das immer noch Interpretationsmöglichkeiten übrigbleiben und spekuliert werden kann?

Abschließend kann ich nur sagen: David Lynch macht komische skurille Filme, aber es ist kein Mittel zum Zweck (cool wirken - Pseudointelektuell - s.o. teilweise) sondern wirklich durchdacht, da er sich auch wirklich mit der Musik den Farben und den Schauspielern Mühe gegeben hat und man nie weiss, was als nächstes passiert.
Außer Frage steht, dass solche Filme Nachdenken+Reden mit anderen erfordern, denn sonst ist er witzlos und bleibt undurchsichtig.

Auf jeden Fall interessant im Filmeallerlei!

Bye,
Ash

*der Ash aus Evil Dead... :)
Audrey: RE: andere Interpretationsmöglichkeit erstellt am: 04.10.2004 - 01:29:01
Diese Interpretationsmöglichkeit ist auch nicht schlecht, vielen Dank.

Ja, PMVO, die anderen Lynchfilme sind genauso undurchsichtig, bis auf die "Straight Story" natürlich, die ist in der Tat völlig straight. ;-)
anonymous: ICH BIN ERLÖST erstellt am: 06.10.2004 - 01:04:41
Autor: Kiri (Kiri.K@gmx.de)

Also meiner Meinung nach war der Film grausam, wenn man Samstag Abends ALLEINE im Bett liegt und denkt, (weil die TV-Zeitung es so angkündigt hat) man würde einen NORMALEN Thriller sehen. Am Anfang dachte ich auch: Ja zum Schluß, da kapierst du alles. Ja von wegen!Ich habe erst gedacht, die ARD hätte einen Fehler gemacht und den Film vorzeitg beendet. Das ist doch kein Ende für einen Zuschauer, der auf solch einen Schock nicht vorbereitet ist. Ich muß sagen:Mich hat der Film nicht in Ruhe gelassen(auch weil ich mir dachte: Du kannst doch nicht zu blöd für einen Film sein) und auch weil ich noch Lösungn suchte. Gut, dass ich diese Seite gefunden habe, nun werde ich wohl wieder ruhig schlafen können, aber ansonsten.... Ich hoffe, dass ich nie wieder auf solch einen THRILLER treffe, wenn ich abends allein im bett liege!!!
anonymous: Nur intuitiv erfassbar(Unterbewusstsein) - und ohne das Zeitdenken erstellt am: 22.01.2005 - 18:32:37
Autor: MrRipley (zen_it(at)web.de)

Dieser Film kann meiner Meinung nach nur intuitiv erfasst werden, wenn man Zeit und Raum aussen vorlässt.

Zu gegebener Zeit werde ich näheres berichten wollen, mich hat dieser Film (damals in der ARD) dermassen gefesselt, dass ich ihn in den Filmolymp erhob -aber ich muss dazusagen, dass ich noch nicht sehr viele Filme gesehen haben(kein Fernsehen i.d. Kindheit etc.)
DejaVu: wikipedia erstellt am: 08.03.2005 - 18:33:35
hi!

sogar wikipedia verlinkt schon auf die vielen interpretationen hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Mulholland_Drive_-_Stra%C3%9Fe_der_Finsternis).

hab sie mir jetzt nochmals durchgelesen - wird zeit, dass ich mir den film nochmals ansehe. :)
anonymous: RE: andere Interpretationsmöglichkeit erstellt am: 24.04.2005 - 23:44:58
Autor: ErM! (mulholland.drive@kein-plan.de)

richtig! dank, wikipedias verlinkung und den ganzen interpretationen auf dieser echt spitzen seite, bin ich jetzt weniger verwirrt als vorher!

der surrealistische dali-aspekt und die breite varianz an interpretationsmöglichkeiten und deutungsweisen war mir während des filmes schon bewusst. zum glück gibt es hier in diesem spannend zu lesenden spoiler-thread auch keine letztgültige lösung. ;-)

ich wollte nur noch mal sagen, danke für alle die hier etwas über ihre gedanken zu dem film geschrieben haben!

peace, eRm!
leoteo: Detaillierte Deutung erstellt am: 24.05.2005 - 20:40:58
Hallo,
ich habe mich auch an einer Deutung zu Mulholland Drive versucht. Im groben ist sie mit Sedi's Deutung vergleichbar. Ich habe mich für die Zweiteilung zwischen Traum und Realität entschieden, weil die Nahtod-Erlebnis-Variante doch einige Probleme mit sich bringt (z.B. ist der Traum in diesem Fall an keiner Stelle richtig einzuordnen und der so eindeutig beschrieben Prozess des Aufwachens nach dem Traum passt überhaupt nicht).
Das Problem von Sedis Deutung war, dass die Silentio-Club-Szene nicht enthalten war. Ich habe hierzu zumindest eine schlüssigen Deutungsansatz gefunden
Zur Deutung ist noch zu sagen, dass sie bei weitem nich allein auf meinem Mist gewachsen ist, sondern eine Art Destillat der Beiträge in diesem Thread darstellt (besonders derjenige von Sedi). Meine offenen Fragen habe ich am Ende angefügt.

http://www.kinokai.de/kinokai.150.3389.php

Vorab:
Der Film lässt sich in 2 Teile unterteilen:
Die ersten 90min schildern einen Traum von Diane, in dem sie ihre Eifersucht auf
den neuen Liebhaber Camillas, den Regisseur Adam, verarbeitet. In dem zweiten
Teil wird die Realität geschildert: Wir erfahren, wie es zu diesem Traum kam (In
diesen Teil sind auch Wahnvorstellungen gemischt).

Zuerst werde ich versuchen, den realen Handlungsablauf chronologisch darzustellen. Es sind einige „unwichtig“ erscheinende Details dabei. Sie werden genannt, weil sie im Traum verarbeitet werden. Die als zweites folgende Darstellung der Relation zwischen Traum und Realität erhebt jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit – ich würde mich über neue Details und Verbesserungen sehr freuen.

1. Chronologischer Handlungsablauf (Realität), nach Szenen struktuiert:

Situation: Camilla ist eine ziemlich berühmte Schauspielerin. Sie bandelt mit dem Regisseur Adam an und will sich von ihrer „süßen Maus“ Betty trennen, einer mäßigen Schauspielerin: Diane hat lediglich ein Jitterbug-Turnier gewonnen (Tanz-Szene ganz am Anfang des Films). Dieser Diane hat sie – Camillas Charakter nach zu schließen nicht aus Mitgefühl, sondern als eine Art „Bezahlung“ für erotische Stunden – einige kleinere Rollen verschafft. Diane ist jedoch sehr in Camilla verliebt.

-Diane muss Camilla zusehen, wie sie auf einem Set mit dem Regisseur Adam knutscht.

-Liebesszene: Diane steigt auf die nackte Camilla auf der Couch. Camilla will Diane aber
nicht mehr. Sie hat es ihr „schon mal“ erklärt.

-Szene an der Haustür: Diane wirft Camilla raus, will es ihr "nicht leicht
machen".

-Diane masturbiert. Das Telefon klingelt. Wahrscheinlich denkt Diane, dass Camilla dran ist und hebt deshalb nicht ab.

Kleiner Einschub: Sie hat jetzt dasselbe Oberteil wie in der Haustür-Szene an.
In jener Szene wird jedoch ihre Hose nicht gezeigt. Erst jetzt sieht man, dass
es ich um dieselbe Jeans handelt, die sie in der Liebesszene getragen hat. Auf
diese diffizile Weise wird die Handlungsreihenfolge eindeutig (diese extrem
detailbezogene Arbeit des Regisseurs zeigt sich auch an anderen Stellen).

-Das Telefon klingelt. Die vielen Zigaretten neben dem Telefon sollen zeigen, dass einige Zeit vergangen ist und sie sehr nervös ist (deutet darauf hin, dass es nach der Liebesszene ist und nicht vorher). Diane hebt ab - Camilla ist dran und lädt sie zur Poolparty am Mulholland Drive ein. Sie überwindet sich noch einmal – man sieht wie sehr sie verliebt sein muss – und sagt zu.

-Diane fährt mit einer Limousine auf die Poolparty. Und bekommt Camillas volle Grausamkeit zu spüren: Sie stößt mit Adam auf die Liebe an (und zwingt Diane, mit anzustoßen), knutscht mit ihm bei Tisch herum und gibt sogar ihre baldige Heirat bekannt. Zudem wird deutlich, dass Diane nicht Camillas einzige Liebhaberin gewesen ist. Sie wirft vor Erregung ihre Tasse um (der Film setzt nun bei der Besprechung mit dem Killer ein).

-Szene im Café, Besprechung mit dem Killer: Das Mädchen, das sie bedient, heißt Betty. Es lässt das Tablett fallen und entschuldigt sich. Diane bezahlt mit dem Geld, das ihr ihre verstorbene Tante hinterlassen hat. Sie trägt das Geld in einer Handtasche bei sich. Der Killer zeigt ihr einen silber-blau farbenen Schlüssel. Sie sieht einen Mann mit kurzen schwarzen Haaren, der etwas komisch in ihre Richtung guckt. Als sie den Killer fragt, was der Schlüssel öffnet, lacht dieser sie aus.
Sie verlässt das Café wankend, das Blut strömt ihr in den Kopf (sieht alles in Rot getaucht) – was hat sie da bloß getan! Auf ihrem Weg sieht sie hinter dem Café einen Obdachlosen. Alles um sie herum wirkt so unwahrscheinlich. Ihr scheint, dass der Obdachlose in seiner Hand einen geheimnisvollen blauen Würfel hält (es könnte auch etwas anderes sein, das sie für den Würfel hält. Es spielt keine große Rolle).
Aus der Tüte des Obdachlosen scheinen Tante und Onkel zu kriechen (bzw. die Eltern. Diese werden jedoch im ganzen Film mit keinem Wort erwähnt), die einen Boten ihres Gewissens darstellen.

-Diane kommt zu Hause an. Sie sieht vor ihrem inneren Auge den Sieg beim Jitterbug-Turnier ablaufen, einen ihrer wenigen Erfolge im Leben und auch eine glückliche Erfahrung mit Tante und Onkel (diese stehen links und rechts von ihr). Sie ist total fertig und sinkt ins Bett.

-------------------------------------------Hier setzt der Traum ein -----------------------------------------------

-Dianes Nachbarin klopft und weckt sie auf. Sie will ihre Sachen abholen.
Dabei entdeckt Diane, dass der blaue Schlüssel auf dem Tisch liegt -> Camilla ist tot. Zudem wird Diane verdächtigt, da die Nachbarin Diane von 2 Polizisten erzählt, die nach ihr
gefragt haben. Diane geht zum Küchenfenster und starrt hindurch. Plötzlich meint sie, Camilla zu sehen (in dem Gewand, das sie bei ihrer letzten gemeinsamen Liebesszene trug). Diane fantasiert, ihr schlechtes Gewissen und die Angst vor der Polizei beginnen sie langsam aber sicher in den Wahnsinn zu treiben.

-Diane macht sich eine Tasse Kaffee, um sich zu beruhigen. Ihre Hand zittert
noch. Sie ist im Bademantel und geht auf das Sofa zu (hier wird die
Vergangenheit eingeblendet: Camilla liegt nackt auf dem Sofa).

-Die Kaffeetasse steht auf dem Tisch beim Sofa. Diane sitzt auf dem Sofa und starrt auf den Schlüssel. Es klopft. Sie schließt die Augen und öffnet sie wieder – Es ist nicht eingebildet. Das müssen ihrer Meinung nach die Polizisten sein. Die eigene Wahnvorstellung von den zwei Alten treibt sie schließlich zum Selbstmord.
Es wird noch einmal Dianes größte Schrecken (der skurril überzeichnete Obdachlose) und ihr größter Wunsch gezeigt („Betty“ und „Rita“ (mit blonder Perücke) lachen und sind glücklich) vor ihren Augen ab. Dann kommt „silentio“ (Stille) - sie ist tot.
Besonders in der letzten Szene ist das Spiel mit den Farben blau und rot auffallend. Zuerst erscheint alles in blau, dann alles in rot. Die Dame, die danach das Wort „silentio“ spricht, hat blaue Haare und rot geschminkte Lippen (und befindet sich vor dem roten Vorhang).

2. Chronologischer Ablauf des Traums und Bezug zur Realität (die Traumnamen der Personen sind in Anführungszeichen gesetzt):

Ausgangssituation (Realität): Diane ist gerade vom Café heimgekehrt, wo sie einen Killer auf Camilla angesetzt hat.

Situation im Traum: „Betty“stammt aus einer wohlhabenden Schauspielerfamilie. Die Tante ist nicht gestorben, sondern nur kurz verreist (Dianes heimlicher Wunsch) und hat Diane ihr Appartment überlassen.

-“Rita“ fährt in einer Limousine den Mulholland Drive hinunter – wie in vielen weiteren Aspekten sind die Rollen von Diane und Camilla vertauscht.
Die Beklemmung und Furcht in dieser Situation wird kopiert („Was soll das? Wir halten hier aber nicht!“). „Rita“ soll wie in der Realität ermordet werden. Der Grund – eine Tasche voll Geld – ist derselbe. Die Ermordung wird jedoch verhindert (Diane hätte Camillas Ermordung wohl auch am liebsten rückgängig gemacht).
Durch den Unfall hat „Rita“ ihr Gedächtnis verloren (die Schauspielerin „Rita Hayworth“, von der sich die Namenlose ihre Identität klaut, hatte gegen Ende ihres Lebens Alzheimer – ein kleine Zugabe des Regisseurs). Und was passiert als erstes, als „Rita“ aussteigt? Sie fällt hin. Dies verdeutlicht ihre Verletzlichkeit und Hilflosigkeit. Sie ist total verschreckt, als ein Auto vor ihr über die Straße fährt. Alles das sind eigentlich Eigenschaften von Diane. „Rita“ ist nicht die große, selbstsichere Camilla, nein – das ist nun „Betty“. „Betty“ ist eine Camilla, wie Diane sie sich in der Realität gewünscht hätte: zuvorkommend, hilfsbereit und nett. Sie ist alles, was Diane sein will und diese Eigenschaften zeigt „Betty“ im Umgang mit „Rita“, die bis auf ihr Äußeres ein Ebenbild von Diane selbst ist.
Auch „Ritas“ Angst vor der Polizei ist von der echten Diane kopiert. Diane fürchtet, dass genau das passiert, was in ihrem Traum geschieht: Der Mord schlägt fehl und die Polizei kommt irgendwie auf die Gedanken, es könnte noch jemand außer dem Mörder dabei gewesen sein. Ironischerweise wird in „Betty“, der Beschützerin Ritas, also indirekt eine Beschützerin kreiert, die sich Diane im „richtigen“ Leben wünscht.
Diane versteckt sich im Haus von „Bettys“ Tante „Ruth“.

-Man sieht den Mann, den Diane im Café bemerkt hat, mit einem Unbekannten dort beim Essen sitzen. Sie sitzen dort, wo ursprünglich Diane und der Killer gesessen haben. Wie so oft, wird im Traum eine unbewusste Frage beantwortet: Was hat es mit diesem Mann auf sich? Die Lösung: Er hat im Traum den Obdachlosen gesehen und möchte wissen, ob er tatsächlich existiert. Der Unbekannte (vielleicht ein Arzt) repräsentiert Dianes Vernunft: Sie weiß, dass es diesen mystischen Kerl eigentlich nicht geben kann. Und doch ist Dianes Gefühl einer Bedrohung so stark, dass er im Traum tatsächlich real ist (und den Tod des einen Mannes hervorruft).

-Es folgt eine Szene mit dem „bösen Boss“ in Hollywood, der scheinbar für den Mordanschlag verantwortlich ist. Er startet eine Telefonkette, die bei Dianes Telefon endet.

-Nun tritt „Betty“ auf den Plan. Ihren Namen hat Diane von der Bedienung im Café geklaut – die Kellnerin hat sich, nachdem ihr das Tablett heruntergefallen war so nett entschuldigt. „Betty“ reist in Begleitung von zwei Personen, irgendwelche in Hollywood ansässige Menschen, mit denen sich „Betty“ auf der Reise angefreundet hat und die sie in die neue Welt von Hollywood einführen – stellvertretend für Dianes Tante, die ihr über das Erbe den Weg nach Hollywood geebnet hat. „Es war toll, mit ihnen reisen zu können“ – das hört sich wie ein spätes Dankeschön an Dianes Tante an.
Das Appartment ist für Diane nun die Traumvorstellung, die sie mit Hollywood verbindet und die sie im Kopf hatte, als sie nach Hollywood zog – sie zeigt sich auch zu Beginn des Traumes extrem begeistert, was mir anfangs etwas übertrieben schien. Dies ist jedoch ein Leben, das Diane nur von ferne sehen konnte – sie ist nur eine mäßig begabte Schauspielerin und steht im Schatten der großen Camilla.
Die Managerin wird mit Coco, der Mutter des Regisseurs Adam, besetzt, die Diane wohl am ehesten mit dem Begriff „Hollywood-Urgestein“ verbindet. Dass alle Mieter von ihr „persönlich abgesegnet“ werden, zeigt die Realität, die Diane erfahren musste: Dass man als „Nobody“ keine Chance hat, aufgenommen zu werden.
Als „Betty“ das Schlafzimmer betritt, sieht sie gewisse Utensilien am Boden liegen, die allesamt Diane gehören: Die Tasche mit dem Geld und die Garderobe, die sie bei der Poolparty getragen hat. Sie findet „Rita“ in der Dusche – also ihr völlig ausgeliefert. „Betty“ ist sehr geistesgewandt und zuvorkommend.
„Rita“ will dann im Ausschlafen Heilung finden – ein Bedürfnis, das Diane momentan auch spürt und das in ihrem (bisherigen) Traum Ausdruck findet.

-Adam kommt ins Spiel. Natürlich ist Diane wahnsinnig eifersüchtig auf ihn. Er wird für das bestraft, was geschehen ist (nicht Camilla – dafür liebt Diane sie zu sehr): Irgendwie Adam in die Fänge des „Oberbosses“ geraten, von dem anfangs die Telefonkette ausging. Der Espresso-Mann zwingt ihm eine Schauspielerin für die Hauptrolle seines Films auf. Die Verbindung zwischen diesem Mann und dem Espresso kam auf der Poolparty zustande – Diane nippt an ihrem Kaffee, als sie diesen Mann bemerkt. Zudem ist sie völlig am Boden zerstört, was vielleicht die negative Belegung des Charakters erklärt.
Adam Strafe: Er verliert seine wichtigste Macht: Jene, die Diane so grausam zu spüren bekommen hat, als sie die Hauptrolle in der „Silvia North Story“ an Camilla verlor (die Hauptdarstellerin heißt hier „Camilla Rhodes“). Diane erklärt sich somit auch, dass dies nicht an ihrer mangelnden schauspielerischen Qualität lag, sondern daran, dass der Regisseur zu seiner Wahl gezwungen wurde. Als Person für „Camilla Rhodes“ wird übrigens die Frau von der Poolparty gewählt, die Camilla den lasziven Kuss gibt – Dianes verhasste Rivalin also.

-Der Killer wird gezeigt. Er will irgendein schwarzes Buch stehlen, in dem „die Geschichte unserer Welt in Telefonnummern“ enthalten ist. So ziemlich alles geht schief, aber er kann noch fliehen. Diese Szene zeigt, wie wenig Vertrauen Diane in die Fähigkeiten ihres Killers hat. Sie fürchtet, er könnte (wie in der Szene) den „Alarm auslösen“, der die Polizei dann schließlich auf ihre Fährte führt.

-Betty und Rita entdecken die Tasche mit dem Geld und vor allem: den blauen Schlüssel. Auch sie fragen sich (wie Diane im Café), was er wohl öffnet. Die Antwort wird am Schluss gegeben: Den blauen Würfel. Hier taucht zum ersten Mal die Farbe blau im Zusammenhang mit dem Tod auf. Der blau-silberfarbene Schlüssel des Killers bedeutet den Tod Camillas. Und der blaue, geheimnisvolle Schlüssel im Traum ist sein Pendant. Die Verbindung von Blau zum Tod wird vom Regisseur weitergesponnen: Aus dem blauen Würfel „kriechen“ die beiden Alten, die Diane am Schluss mit ihrem Geschrei in den Tod treiben. Auch am Schluss taucht die Farbsymbolik noch einmal auf.

-Der Killer fragt eine Prostituierte nach „Rita“. Er ist also wie in der Realität auf Camilla angesetzt worden, jedoch vom „bösen Boss“. Man könnte diese Szene als ersten Hinweis darauf sehen, dass Diane in Hollywood in das Prostituierten-Milieu abgerutscht ist.

-Adams Leben wird systematisch weiter zerstört: alle Angestellten gefeuert, seine Frau im Bett mit einem anderen Typen, sein tolles Aussehen ruiniert, aus seinem eigenen Haus geschmissen und sein Geld weg. Außerdem ist noch ein fetter Bodyguard hinter ihm her.

-“Rita“ und „Betty“ sitzen im Café. Interessant, dass „Betty“ auf dem Platz des Killers sitzt und „Rita“ auf dem Platz von Diane. Die Kellnerin heißt „Diane“.

-“Rita“ und „Betty“ rufen bei „Diane Selwyn“ an. Komischerweise sagt „Betty“: „Das ist eigenartig, sich selbst anzurufen!“. „Rita“ sagt: „Vielleicht bin ichs ja nicht!“

-Adam trifft den „Cowboy“. Diesen hat Diane auf der Poolparty in just dem Augenblick gesehen, als Camilla und Adam sich küssen und Diane somit alle Hoffnung auf ein Leben mit Camilla zunichte werden. Sie wird in diesem Moment aus ihren Hoffnungen (auf Versöhnung, etc.) gerissen, die sie in diesen Abend gesteckt hat. Der Cowboy steht also für das vernünftige Anerkennen der (harten) Realität – dies muss im Traum Adam durchleiden, der in der Realität selbst der Auslöser für die Härte der Realität war. Es flackert sozusagen die Erkenntnis auf, wie das auch im Traum durch die flackernde Glühbirne verbildlicht wird (zusätzlich ist weißes Licht ist seit jeher ein, bzw. das Symbol für die Vernunft).


-Schauspielszene 1: „Betty“ wird von „Rita“ bewundert und gefällt sich in der Rolle der gnädigen Diva.

-Schauspielszene 2: „Betty“ zeigt ihre Erotik – an einem Mann. Sie spielt die Szene ganz anders als noch am Tag zuvor mit „Rita“. Vielleicht ein Hinweis auf die Vergangenheit. „Wallys Tage“ sind schon seit 20 Jahren vorbei. Diane könnte es früher mit Männern versucht haben - „er war sehr nett und er machte einen so lieben Eindruck“. Aber es bedeutet ihr nichts. Ihre Souveränität in dieser Liebesszene könnte man als zweiten Hinweis auf Prostitution im Leben Dianes lesen. Sie sprüht vor Erotik und findet im Mann keinen geeigneten Partner („Wally“ sieht in der Liebesszene wirklich schlecht aus).

-Casting zur „Sylvia North Story“: „Betty“ macht lediglich aus Sorge um „Rita“ nicht mit, die auf sie wartet. Der Regisseur wirft sofort nach ihrer Ankunft ein scharfes Auge auf sie. Wieder eine Verschönerung der Vergangenheit: Es ist keineswegs so, dass der Regisseur nicht von Diane überzeugt war, im Gegenteil: Er scheint sich in die attraktive Blonde verguckt zu haben. Und außerdem hatte sie einfach keine Zeit für das Casting!

-“Sierra Bonita“-Appartments: Die zwei Anzugträger im Auto stellen sich als Bodyguards einer rothaarigen Frau heraus. Wieder zeigt „Betty“ ihren Mut, indem sie erst an der Wohnungstür Nr. 12 klingelt und dann bei Nummer 17 einsteigt und später „Rita“ am Schreien hindert.
Bei der Toten im Bett handelt es sich nicht um eine „Vision“ ihres Todes (dort trägt Diane einen Bademantel und darunter ein hellgraues Kleid). Die Tote trägt das schwarze Kleid, das Diane bei der Poolparty trug, und zwar aus gutem Grund: Diane will Camilla zeigen, was sie an diesem Abend angerichtet hat – sie hat Dianes Leben zerstört.
Die Traum-Camilla („Rita“) ist jedoch nicht die grausame Camilla der Realität. Sie ist total entsetzt über die Leiche und muss sogar von „Betty“ getröstet werden.
Man kann es auch so auffassen, dass Diane in Person von „Betty“ in diesem Punkt ihre ganze alte Identität zurück- und verwesen lässt.

-“Rita“ wird von Angst geschüttelt und will ihre Haare abschneiden. „Betty“ verschafft ihr eine blonde Perücke. „Bettys“ Äußeres bietet „Rita“ Schutz. Die blonde Perücke könnte man als dritten Hinweis auf Prostitution lesen
Es folgt die Liebesszene mit „Rita“, in der Diane ihren Traum einer beiderseitig glücklichen (und heftigen) Beziehung mit Camilla auslebt.

-“Rita“ liegt auf dem Bett und spricht Worte in spanisch, die später übersetzt werden (dass Camilla Spanierin ist, hört man auf der Poolparty).

-“Clubh Silentio“: Die beiden Verliebten kommen am abgelegenen Club „Silentio“ an. Die Kamera „geht“ hin- und herwackelnd auf die Türe zu, es macht den Eindruck, als ob sie verfolgt würden (ein häufiges Bild in Alpträumen).
Der „Showmaster“ wechselt zwischen Deutsch (Englisch), Französisch und Spanisch. Die Show spielt hauptsächlich mit dem menschlichen Instinkt, visuelle und auditive Sinneseindrücke zu verknüpfen. Der „Showmaster“ betont mehrfach, dass es „kein Orchester“ und „keine Band“ gibt, sondern alles eine „Tonbandaufnahme“ ist. Trotzdem macht man immer aufs neue den Fehler, gedanklich das Gehörte auf das Gesehene zurückzuführen.
Man kann diese Szene so deuten, dass Diane nun im Traum (!) bewusst wird, dass dieses tolle Leben nur eine Illusion ist. Mehr und mehr kommt die schreckliche Realität ins Bewusstsein (sie wird ja auch bald aufwachen...). Innerlich schüttelt es Diane, wenn sie an die Wirklichkeit denkt. Ironischerweise wird der Traum gerade in diesem Moment, da Diane die Realität ins Bewusstsein zurückkommt, zum ersten Mal unrealistisch („Betty“ bekommt allein vom Blick des Showmasters einen Schüttelkrampf).
Eine zweite Bedeutungsebene ist jene, dass dem Zuschauer klar gemacht wird, dass er es bis jetzt mit einer Illusion zu tun hatte. Das, was man zu diesem Zeitpunkt als „real“ angenommen hat, ist lediglich ein Traum. Die Wirklichkeit folgt noch.
Es erscheint kurz die Dame mit den blauen Haaren, die ganz zum Schluss des Films das Wort „silentio“ spricht. Die Sängerin „Llorona de Los Angeles“ (die Weinende von den Engeln) bringt „Betty“ und „Rita“ zum Weinen. Ganz extrem wird hier der Unterschied zum Beginn des Traumes deutlich, wo Betty ständig übernatürlich fröhlich ist und grinst. Als „Betty“ ihre Handtasche öffnet – wohl um Taschentücher zu suchen – stößt sie auf den blauen Würfel.
Sofort brechen sie nach Hause auf. Nachdem „Betty“ den Würfel aufs Bett gestellt hat, verschwindet sie plötzlich. „Rita“ öffnet den Würfel, die Kamera zoomt in die schwarze Leer in seinem Inneren.
Die Frage, was es mit dem seltsamen Würfel des Obdachlosen auf sich hat sowie die Frage, was der Schlüssel des Killers öffnet, sind wahrscheinlich die zwei Gedanken, die Diane im Kopf herumgeschwebt sind als sie vom Treffen mit dem Killer nach Hause kam und sich hinlegte (und begann, den Traum zu träumen). Anfänglich schiebt sie diese Gedanken beiseite (der Schlüssel wird mit dem Geld versteckt, die Warnung von Louise in den Wind geschlagen) doch nun kommen sie wieder hoch. Wenn sie wieder langsam zur Realität zurückkehrt, dann ist es nur logisch, dass sie sich nun an genau diese Dinge erinnert (hier werden die zwei ungelösten Fragen geschickt zu einer Lösung kombiniert: der Schlüssel ist für den Würfel).
Das Hereinzoomen in den Würfel (ins Schwarze), das beim Zuschauer ein Gefühl des Fallens ins Bodenlose erzeugt, könnte darstellen, wie sich Diane gefühlt hat, als sie sich erschöpft mit dem Gesicht aufs Bett fallen ließ. Dass das Kissen, in dem sie ihr Gesicht begräbt, rot ist wie der Vorhang im Club, deutet zusätzlich darauf hin dass diese Szene im Traum verarbeitet wurde.

-Der Würfel fällt zu Boden. Hier kommt endgültig die Realität ins Spiel: Diane ist noch beim Bild des Würfels, sie verbindet es mit dem Anklopfen der Nachbarin, das sie – noch halb im Schlaf – hört.

-Eine rothaarige Frau blickt suchend im Zimmer umher. Es scheint, als habe sie das Geräusch gehört. Es ist aber weder ein Würfel noch eine „Rita“ im Zimmer.
Das „Suchen“ kommt aus Diane selbst: sie denkt nach, woher das Geräusch kommen könnte.

-Es scheint, als ob kurz vor Ende des Traumes noch einmal einige Bilder durch Dianes Kopf schwirren. Dann kommt die Erkenntnis (natürlich in Gestalt des „Cowboys“). Er sagt: „Es ist Zeit, aufzustehen!“
Auf diese Weise kündigt sich nochmals das Aufwachen an (vor allem soll dies auch dem Zuschauer klarmachen, was gerade passiert).
Als endgültiger Trennstrich zwischen Traum und Realität bleibt die Leinwand schließlich noch etwa 10 Sekunden schwarz.
Dann ist Diane endgültig wach. Sie hört das Klopfen ihrer Nachbarin an der Haustür.

Die Moral von der Geschicht wäre also diejenige, dass Hollywood eben nicht die Traumwelt darstellt, die Diane vorschwebte als sie dorthin zog. Vielmehr leben dort abgehobene und zum Teil extrem exzentrische und grausame Menschen (Camilla), die ihr attraktives Äußeres und ihren Einfluss nur zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen.
Außerdem: Nach dem Tod ist „silentio“ ;-)

### Fazit:
Es gibt noch einige ungelöste Probleme in dieser Deutung. Aber auch ohne ein allumfassendes Verständnis kann man diesen Film gut finden. Die Arbeit mit Licht und Musik und die extrem detailreiche Verwebung von Traum und Realität (Schnitzlers Traumnovelle ist dagegen ja ein Anfängerstück) ist rundum brilliant.
Das zeigt sich zum Beispiel am Wohnzimmertisch in Dianes Wohnung: Allein durch die verschiedenen Utensilien (Klavier-Aschenbecher, Schlüssel, Kaffeetasse, etc...) macht der Regisseur die Zeitabfolge eindeutig.
Die Frage ist jedoch, ob solch ein Film Kino-geeignet ist. Zumindest ich habe lange gebraucht, um mir eine Deutung zurechtzulegen (die alles andere als unanfechtbar ist) und hätte das ohne die Möglichkeit, mir Szenen wieder und immer wieder anzusehen, gar nicht gekonnt (Ich bin nicht mal auf die Idee gekommen, dass es diese Traum-Realität Zweiteilung gibt). Komplizierter ist nicht immer gleich besser, auch wenn eine gewisse Komplexität meiner Meinung nach Voraussetzung für ein Meisterwerk ist.
Aber der Film glänzt ja auch in anderen Aspekten (zum Beispiel bei den Schauspielern), jedenfalls halte ich die Bezeichnung als Meisterwerk unter bestimmten Voraussetzungen für haltbar.

### Fragen:
- Woher kommt die "Tante" im Traum? Gibt es ein Pendant in der Realität?
- Warum passiert der Unfall am Anfang des Traums mit lärmenden Kindern?
- Szene mit dem Killer: Soll sie wirklich nur zeigen, wie schlecht er ist? Was soll das Buch mit den Telefonnummern?
- Auffällig ist, dass sich „Betty“ immer doppelt verabschiedet. Deutung?
- Was soll der Untergebene des „bösen Boss“ abbrechen?
- Warum wird Adam den Cowboy zweimal sehen, wenn ers richtig macht und einmal, wenn erst falsch macht?
Kai: RE: Detaillierte Deutung erstellt am: 25.05.2005 - 09:01:50
Hallo leoteo,

leider ists bei mir schon ne ganze Weile her, daß ich den Film gesehen habe und kann dir deshalb nicht wirklich weiterhelfen. Die Interpretation die du referenzierst ist übrigens von Sebi, nicht von Sedi. Danke für deine Interpretation, du hast den Beitrag ja zunächst anonym verfasst, der muß jetzt ja nicht mehr veröffentlicht werden - oder?
leoteo: RE: Detaillierte Deutung erstellt am: 25.05.2005 - 13:22:45
@ Kai

Nein, muss er nicht. Ich habe den Hinweis (typisch ;-)) erst gelesen als es schon zun spät war. Aber ich wollte niemandem der Redaktion zumuten, den Beitrag ganz zu lesen...
CaptHowdy: RE: Detaillierte Deutung erstellt am: 01.07.2005 - 09:11:10
Hi Leute!
Krass, den Film gibbet schon über drei Jahre und hier wird immer noch geschrieben..... echt heftig!
Ich wollte nur mal was zu der blauen Box sagen, hoffe das hat hier noch keiner geschrieben, war grad zu faul das alles komplett zu lesen!
Habt ihr schonmal dran gedacht, dass die Box die Büchse der Pandora darstellen könnte? Wer diese nicht kennt: Die Dame Pandora wird auf Wunsch von Zeus erschaffen und ist wunderschön. Sie wird auf die Erde geschickt als Strafe für den Feuerdiebstahl des Prometheus, dessen Bruder sie entgegen alles Warnungen Prometheus zur Frau nimmt. Zeus gibt ihr die Büchse der Pandora mit mit der Auflage sie niemals zu öffnen. Doch Pandora erliegt der Neugierde, öffnet die Büchse und setzt damit alle Plagen und alles Leid der Erde frei, welches die versiegelte Büchse enthielt. Auf Zeus Befehl schließt sie die Büchse sofort wieder, doch das letzte was in der Büchse bleibt ist die Hoffnung, das einzig positive in der Büchse, welches die Götter als erstes hineingelegt hatten um die Menschen in ihren Qualen zu trösten.......
Also ich finde das passt.... Camilla stellt dann hier Pandora dar, die Diana alles Übel und Schlechte mit der Büchse bringt... denn als sie diese öffnet beginnt ja der 2te abgefahrene Teil des Films....
lord fiddlebottom: RE: Detaillierte Deutung erstellt am: 11.02.2006 - 01:13:49
tolle deutung, ich stimme mit den meisten punkten überein.

folgende unklarheiten bleiben aber doch:

1. die größte unklarheit betrifft den zeitpunkt des traumes:
warum liegt die leiche im traum exakt so da wie diane in der realität? wenn der traum noch vor dem auftauchen des blauen schlüssels geträumt wurde, wie kann "betty" wissen, wie sie selbst auf dem bett liegt, nachdem sie sich töten wird, wo sie ja zu diesem zeitpunkt ja wahrscheinlich noch nicht konkret an den suizid denkt, er wirkt auf mich eher als spontane aktion?

2. was hat es mit der telefoniererei genau auf sich? ich glaube nicht, dass der boss im rollstuhl "rita" töten lassen will, oder doch? warum? außerdem: auf dem mulholland dr. wollen ja die herren aus der limo sie töten, aber später sucht der hitman aus der realität nach ihr (bei der prostituierten)
hier nochmal zusammenfassung vom telefonat:
rollstuhl-boss ruft dicken, den man nur von hinten sieht, an: "die kleine wird immer noch vermisst"
dieser spricht dann mit dem typen, dessen arm das einzige ist, das ins bild kommt: "reden sie mit mir" - "wie gehabt"
der ruft dann bei diane an? (den punkt versteh ich nicht, das telefon ist diane's aus der realität. aber wo steht es im traum?): niemand hebt ab.
auch wie er wählt, ist äußerst seltsam: einmal auflegen, dann einemal an der wählscheibe gedreht, dann zweimal auflegen, dann nocheinmal an der wählscheibe.... das muss eine bedeutung haben, sonst würde er ganz normal wählen.

3. warum sagt der cowboy (sinngemäß): wenn du es richtig anstellst, wirst du mich noch einmal treffen. wenn du es falsch anstellst, noch zweimal. ihr habt ja schon beschrieben, dass das an diane und nicht an adam gerichtet ist. diane sieht den cowboy noch zweimal: einmal beim aufwachen, und einmal auf der party. aber die party war doch vor dem traum, also was jetzt?

4. was macht cookie im club?

hier auch noch ergänzende anmerkungen meinerseits:

"betty" sagt anfangs, nachdem sie die wohnung ihrer tante "ruth" bezogen hat, "ich komme gerade aus deep river, ontario, und jetzt bin ich in dieser ... traumstadt!" ist offensichtlich, habe ich aber noch nirgens gelesen.

kann es sein, dass die rothaarige alte dame bei den sierra bonita apartments die selbe wie die angebliche tante "ruth" ist?

hat es glaubt ihr eine bedeutung, dass der raum vom rollstuhlboss von theatervorhängen umgeben ist?

achja, das mit dem doppelten verabschieden ist mir noch gar nicht aufgefallen.

naja, ich bin mal gespannt, ob nach so langer zeit sich noch wer in diesem forum rumtreibt....
Mike: RE: Detaillierte Deutung erstellt am: 03.09.2009 - 14:36:40
Hi, ich habe mir erst gestern wieder den Mullholland drive zum x.ten mal angesehn und habe auch eine Deutung. Dein Beitrag ist schon sehr gut auch deine deutungen;jedoch das es ein Traum teils von camilla ist,denke ich nicht.....Gruss
Kai: neuer Film erstellt am: 25.05.2005 - 09:09:26
nur kurz zur Info: Concorde Filmverleih hat die Rechte an David Lynchs neuen Film "INLAND EMPIRE" (ein auf DV gedrehter Film mit Schauspielern wie Laura Dern, Justin Theroux, Harry Dean Stanton und Jeremy Irons den Lynch innerhalb der letzten Jahre unter strengster Geheimhaltung gedreht hat) erworben. Der Film dürfte nächstes Jahr in Cannes Premiere haben und dementsprechend 2006 in die Kinos kommen...
sabün: noch ein versuch erstellt am: 23.09.2005 - 12:22:24
ich finde die deutung von sebi mit traum/realität zwar gut und ich stimm ihr im großen und ganzen auch zu. trotzdem hier noch ein link der den film in einer ganz anderen richtung deutet, nämlich dem determinismus, dem schicksal dem man letztendlich nicht entgehen kann. stimm dem zwar auch nicht 100% zu, ist aber sehr interessant zu lesen.bringt auch etliche motive aus der antike und philosophie die sich im film wieder finden.

www2.hu-berlin.de/klassphil/Wittchow1.pdf
anonymous: RE: neuer Film erstellt am: 26.12.2005 - 01:09:02
Autor: Georg (Georgsch@gmx.net)

Ich habe "Mullholland Drive" nun zum zweiten mal gesehen, und wieder bin ich entrückt und tief in Gedanken versunken. Und genau das sollen Filme dieser Gattung auslösen, hier: mit großem Erfolg.

Es ist schön, hier einige Interpretationen finden zu können, und der Film wirkt nun tatsächlich "logischer", doch wissentlich, daß er ein phantasievolles Spiel zwischen einer Wunschvorstellung und einem gescheiterten Menschenleben abbildet, ist eine genaue Strukturierung jeder Szene und jeder Figur doch gar nicht notwendig.

Auch beim nächsten, dem dritten mal, werd dieser brilliante Film mit seiner Flut aus Eindrücken und Emotionen wieder einen Narren aus mir machen, weil er der Realität wieder das Reale stehlen wird. "Mind fuck" nennt man dieses Filmgenre auch. Der Name passt. ^^

Ich grüße alle hier, die sich die geistige Mühe machen diesen Film verstehen zu wollen und ihn diskutieren. Damit ist man, ohne Arroganz, schon reifer als die "Hm ja boa, die Special Effects waren geil"-Kinogeneration.

Gute Nacht,
Georg
anonymous: RE: neuer Film erstellt am: 29.03.2006 - 13:07:41
Autor: beej (maniacmark@web.de)

Eine Limousine fährt langsam durch die Hügel Hollywoods. Sie hält. Die Frau auf dem Rücksitz wird mit einer Pistole bedroht, doch im selben Moment rast ein anderes Auto mit kreischenden Insassen in die Limousine und alles verändert sich....Eine andere Frau sitzt verzweifelt in ihrem Appartement. Da kommt ein kreischendes altes Ehepaar auf sie zu, sie kreischt mit ihnen und alles verändert sich...Surreal sind David Lynch‘s Filme fast immer, sie sind aber deshalb nicht immer unlogisch. Vertraut man / frau in die innere Logik der irrationalen Ereignisse von "Mulholland Drive" hat man / frau die Gelegenheit, sich an der Lösung eines Vexierrätsels zu versuchen, das mehr erzählerische Ebenen besitzt, als Kino es im Normalfall zu tun pflegt.

Im wesentlichen besteht "Mulholland Drive" aus zwei Teilen. Der erste Teil führt beide Protagonistinnen zusammen. Betty ist eine junge Frau, die nach Hollywood kommt, mit dem Traum, ein "Star, oder noch besser eine Schauspielerin" zu werden. In ihrer Wohnung hat sich eine weitere junge Frau versteckt, die ihr Gedächtnis verloren hat. Gemeinsam versuchen beide, "Ritas" (so nennt sie sich provisorisch, inspiriert durch ein Rita-Hayworth-Poster zum Film "Gilda") Identität wiederzufinden. Bei ihrer gemeinsamen Suche entdecken sie (wie kann es bei Lynch anders sein?) finstere Spuren, eine Frauenleiche und schließlich die Liebe zu einander. Das Glück währt nur kurz. Nach einem sehr merkwürdigen aber auch sehr ergreifenden "Konzert" in einem sehr traumartigen "Cabaret" findet Rita den Schlüssel für ein Kästchen, das sie bei sich hatte. Als sie es aufschließt und ihr daraus das verlorene Gedächtnis "entgegenfällt", wird die spannende und noch hoffnungsvolle Gegenwart der Frauen von ihrer gemeinsamen finsteren Vergangenheit verschluckt, das heißt: Von Ritas (bzw. nun Camillas) Erinnerung an ihre gescheiterte Liebesgeschichte mit Betty, die vorher Diane hieß.

Der zweite Teil, ein Trip in die traurige Geschichte von Betrug, Demütigung und Todessehnsucht im glamourösen Hollywood beginnt. Bevölkert wird dieses sinistre Hollywood vom jungen RegisseurAdam Kesher (der in beiden Teilen zwar denselben Namen behält, für den sich aber genauso viel geändert hat, wie für Betty und Rita) (Justin Theroux), einem wenig professionellen Auftragskiller, schmierigen Filmproduzenten und Schauspielern, Starlets, einem kleinen Mann (bekannt aus "Twin Peaks"), der offenbar die Fäden Hollywoods in der Hand hält, und jenen mysteriösen überrealen Figuren, einer jenseitigen Regie gehorsam, wie z.B. dem sogenannten "Cowboy", der rätselhaft und eindringlich dem Regisseur empfiehlt, bestimmte "Gegebenheiten" zu "akzeptieren", oder dem alten Ehepaar, das Betty mit dem Flugzeug in ihr zweites frisches Leben begleitet, wie es sie auch vorher aus dem ersten verbrauchten Leben herausgebrüllt hat.

Denn beide Geschichten sind die beiden Chancen, die die Frauen bekommen, um ihre Liebe zu realisieren. In der gescheiterten Geschichte bleibt kein Stein auf dem anderen, wird keine Gemeinheit ausgelassen und der Reißwolf Hollywood und seine Agenten scheinen der Siegerin Camilla (Rita) wie selbstverständlich unter die Arme zu greifen, wenn sie ihre Geliebte, die Verliererin, psychisch restlos vernichtet. Vielleicht ist es Bettys Schrei abgrundtiefer Verzweiflung, der irgendwelche Götter dazu bewegt, eine zweite Chance anzuberaumen. Doch ehe diese zweite Chance reifen kann, ist sie vorbei.

Wie schon in "Lost Highway" erzählt Lynch in "Mulholland Drive" die Geschichte eines restlosen Scheiterns in und an einer kalten Realität und deren aus der Verzweiflung geborene Alternativversion, einer Illusion, die (in beiden Filmen) nicht lange dem Druck der bösen Tatsachen (hier der Erinnerung daran) standhalten kann. Ist jedoch "Lost Highway" aufgeteilt in zunächst zwei völlig hermetische Parallelwelten, so ist die Grenze beider Welten und Geschichten in "Mulholland Drive" mitunter so brüchig und fließend, dass selbst deren Figuren das spüren. Sie sind mitunter so irritiert von den veränderten Gegebenheiten, dass sie zur Raison gebracht werden müssen, um die Alternativgeschichte ordentlich weiter mitzuspielen.

So wird der Regisseur auf einmal, nämlich zu Beginn der alternativen Geschichte, gezwungen, statt seiner Geliebten Camilla eine völlig andere Frau unter ihrem Namen für eine Hauptrolle zu akzeptieren. Er mag sich vielleicht nicht mehr an die echte Camilla erinnern, (so wenig wie sich Rita (Camilla) an ihn erinnert), aber wie auch sie spürt er ein Unbehagen, fühlt er sich manipuliert. Dass ihn hier zwei waschechte "Mafiosi" (und später der rätselhafte "Cowboy") manipulieren wollen, die neue Camilla zu BEGLAUBIGEN, ist ein Lynch'scher Witz, denn diese Mafiosi gehorchen auch nur einem jenseitigen Plan, der eben für eine neue Versuchsanordnung hinter den Kulissen entwickelt worden ist, nicht der Mafia.

An diesem Punkt spielt "Mulholland Drive" nicht nur mit der Parallelexistenz zweier Welten, er beschäftigt sich auch mit der Möglichkeit eines Bewusstseins seiner Spielfiguren, das über den (ihnen erlaubten) Rahmen ihrer (derzeit zugewiesenen) Geschichte hinaus reicht. Die Figuren zweifeln an ihrer eigenen Geschichte, weil sie es besser wissen. Die Welt ist illusionär, virtuell, und die Protagonisten spüren es. Hier trifft sich "Mulholland Drive" mit "Matrix", wo eine Katze zweimal auf identische Weise durch den Raum läuft, weil "sie gerade etwas an der Matrix verändert haben". Auch "Mulholland Drive" spielt in einer virtuellen Matrix, auch in "Mulholland Drive" gibt es ordnende Agenten, nur sind sie nicht einförmig grau gekleidet. Dass Stringenz und "Authentizität" an sich unwichtig sind, war ja schon immer einer von Lynchs Grundsätzen. Dieses Thematisieren einer Virtualität, einer Doppelbödigkeit der Fakten, der inhaltlichen Ebene, ist schon in "Lost Highway" dagewesen - der Protagonist ahnte immer sein zweites Ich- , wird aber hier fast schon zu einem Kriminalstück ausgestaltet. Vor allem scheint in "Mulholland Drive" nicht nur, wie in "Lost Highway", die Hauptfigur Identitätszweifel zu hegen, sondern quasi die Hälfte der Belegschaft, womit eine Schizophrenie-Theorie widerlegt sein dürfte.

"Mulholland Drive" ist aber auch dick gefüllt mit dem gutem alten Lynchinterieur, welches mancher seit "Lost Highway" vermisst haben mag wie "nichts Gutes". Keine Angst: Stoff zum Träumen und zum Mirakeln, Absurdes und grotesk Lustiges, Skurriles und fürchterlich Unheimliches bietet "Mulholland Drive" tausendfach mehr als die nette und unheimlich unlynchige, da traumlose "Straight Story". Nur eine ganz leise, eine ganz kleine, ganz unmaßgebliche Fragerei kommt dabei aus meinem Hirn: Ist es diesmal nicht doch etwas weniger als früher, hat er sich diesmal nicht doch nur noch wiederholt, ist die Geschichte nun wirklich so anders als in "Lost Highway", ist das Böse in der Lynchwelt nicht doch langsam etwas zu abgedroschen und hohl,war es wirklich so aufregend, wie ich dachte...
Offenbarung: RE: neuer Film erstellt am: 09.07.2006 - 21:43:31
vielleicht ist es ein großes geheimnis, vielleicht wissen es bereits millionen.
es gibt eine art "matrix" aus kunst, medien, poltik. diese matrix existiert angeblich seit den 60er jahren. es ist eine kryptische und subversive sprache. kurz und gut:
nicht nur in den filmen von david lynch (auch in den filmen von lars von trier, matthew barney z.b., der film "truman show" ist realer als manch einer glaubt) geht es in wirklichkeit um die person/kunstfigur "johnny de brest". seit jahren wird sein leben, seine träume, seine kunst von einer clique aus seinem alten umfeld ausgebuetet, man hat sich zugang zu seiner wohnung verschafft, seine in tagebüchern festgehaltenen träume ausgebeutet und seinen pc geknackt, so fand man zugang zu privaten gefühlen, träumen, ansichten und erlebnissen. man baute eine art mauer um ihn herum, in dem man sein leben inszeniert. de brest hat dieses 2004 herausgefunden, die "mächte", die ihn ausbeuten, sind wahre weltmächte, für ihn eine schwierige und verzweifelte situation. die mordanschläge in david lynchs filmen sind real passiert und die ewige wiederkehr zwischen einer blonden frau und einer dunkelhaarigen (brünetten frau) ist der kontrast "schwarz-weiss" und das hat bedeutung im leben von de brest und politisch-historisch, gesellschaftlich, er könnte hier genau sagen: wer oder was schwarzweiss ist.
es sind auch seine TRÄUME, die man ausgebuetet hat.
und das alles ist nur die spitze des eisberges.
kamü: RE: neuer Film erstellt am: 28.09.2006 - 11:14:16
Lynchs Filmisches Werk ist nur im Zusammenhang zu verstehen. Es gibt einige Filme, die nur im Zusammenhang verstanden werden können. In ihnen gestaltet er so etwas wie ein Landkarte seiner Symbole, Metahpern und Bilder. Teilweise könnte man einige Filme als Wiederholungen vorheriger Filme ansehen: Mulholland Drive ist eine Variation von Lost Highway, The Straigt Story könnte man mit etwas Wagemut mit Wild at Heart zusammenbringen. Dann würde ich noch Blue Velvet und Twin Peaks mit einrechnen in diese Werkgruppe, die eine zusammen zu betrachtende Kartographie von Motiven bilden. Es mag sein, das die frühen Filme noch nicht bewusst auf eine solche Kartographie hin konzipiert waren, die späteren dafür aber umso mehr. Spätestens seit Lost Highway merkt man den Filmen dieses Bemühen an. Aber ich würde sogar schon in Twin Peaks das Muster angelegt sehen. In Lost Highway allerdings kommt noch eine Selbstreflexion hinein, die in der Konstruktion von Twin Peaks nicht so zu durchschauen war; eine medienkritische oder sogar selbstkritische Dimension: Der Mystery Man schein jener zu sein, der alle Fäden in der Hand hat, er lenkt und leitet die Geschicke aller Handelnden, er scheint überall sein zu können, und jeder sein zu können - er hat die Kamera in der Hand, er ist das Auge. Ich würde sagen, hier erscheint im Film ein Alter ego für den Regisseur, den Filmemacher selbst, der die Figuren in Bewegung setzt und die Handlungen inszeniert, so dass sie unheimlich und mysteriös auf uns wirken. Die mysteriöse Macht desjenigen, der uns eine Kinophantsie liefert, erscheint selbst personifiziert im Film selbst. Deswegen kann er überall sein, er ist eine personifizierte Metapher für den Film selbst. Der Filmemacher kann mit uns und den Schauspielern machen, was er will. Und wenn ein Mr. Eddy oder Dick Laurent erdreistet, sich mit ihm auf eine Ebene zu stellen, dann knallt er ihn einfach ab. Das ist reine Willkür. Vieles ist aus diesem Spiel mit der Macht des Filmemachers zu begreifen. So die Rollenvertauschungen und Personen-Umsetzungen: Reine Willkür des Regisseurs. Der Cowboy sagt ja dann auch in Mulholland Drive, das es von eines Mannes Einstellung abhängt .... wie der Film dann aufgenommen wird. Es ist aus dieser Perspektive dann überhaupt nicht mehr sinvoll, darüber zu sinnieren, welcher Teil des Films Realität und welcher Traum sei: alles ist Film. Ich würde sogar so weit gehen, ganz von der Personalen Handlung zu abstrahieren und die Personen und Handlungen nur als Träger von Chiffren zu deuten, Zeichen, die zueinander in Beziehung stehen, diese Chiffren könnte man auf ein Blatt Papier zeichnen und nun versuchen, sie in Beziehungen zu setzen, indem man sie mit Linien verbindet. Eine Karte, ein Muster würde so entstehen. Auch diese Karte ist nur ein Modell, eine Oberfläche, die Verbindungen müssten eventuell auch noch in die Tiefe gehen, in die dritte Dimension, einen Raum füllen. Ein Film ist eine lineare Abfolge von Bildern und Tönen, die auf einem Filmstreifen gespeichert sin, der wiederum auf eine Rolle gewickelt ist. Ihn in unseren Kopf zu übertragen, ist es notwendig, dass er abgespuhlt wird. Die Bilder hinterlassen im Kopf Erinnerungspuren. Durch Wiederholungen und formale Variationen kann aus der vorgegebenen linearen Form ausgebrochen werden, zum Beispiel durch Zirkel und Schleifen, gemeinsam mit der Linie kombiniert ergeben sich Spiralen, oder auch Trichter usw. Aus dem Linearen bilden sich im Kopf räumliche Strukturen. Das ist ästhetischer Genuss. Ich glaube, dass David Lynch mit seinen Methoden versucht, mit dem begrenzten Mittel des Films das ganze Volumen seiner Phantasie zu rekonstruieren. Seine Phantasie zerlegt er in Teile, die er aneinandermontiert, in der Absicht aber, dass sie im Gehirn des Zuschauers wieder rekonstruiert werden. Seine Figuren sind Kunstfiguren, Chiffren, Archetypen - Elemente seines Strukturalismus': Ich galube, dass diese Filme sehr strukturalistisch gedacht und konzipiert sind.

Dispositive der Macht, im Sinne von Foucault, auf der sich eine Ordnung der Dinge errichtet. Lynch stellt solche Dispositive auf, konstruiert sie. Die Mafia, der Mysteriöse Mann, die Leute im Hintergrund. Die im Vordergrund Agierenden sind auf irgendeine Weise von ihnen gesteuert, ob sie es wollen oder nicht. Gerade auch dann, wenn sie aus scheinbar eigener Motivation handeln, sind diese Handlungen irgendwie schon vorbestimmt.

Unheimlich in Lynchs Filmen sind seine Chiffren für den Amerikanischen Mann: das ist der Vater, der Cowboy, der Boss. Sie haben die Vorgeschichte bestimmt, sind die Mächtigen, die die Geschichte weiterhin bestimmen. Die Kinder sind die eigentlichen Hauptfíguren, mit ihren unausgetragenen oder vergessenen Konflikten mit der Erwachsenenwelt. Mit welchen Methoden und unter welcher Gewaltanwendung sie zur Geschichte zurechtgestutzt wurden und werden.

Dann der Inzest! Ein Hauptmotiv bei Lynch.

Ich möcht zum Schluss noch ein zentrales Motiv, das zum Verständnis wichtig ist, herausheben. Bob, in Twin Peaks und das Monster in Mulholland Drive. Diese beiden Dämonen kann man auch als die gestürzten und verteufelten Götter der Vorzeit deuten, denen alle Schuld und alles Verbrechen angelastet werden zur Strafe und Sühne dafür, dass man sie ausgerottet hat - sie müssen das Böse repräsentieren auch deshalb, weil sie das schlechte Gewissen der Zivilisierten sind, die ihre Völker unterjocht und fast vollständig vernichtet haben und auf ihren Gräbern ihre Neue Ordnung errichtet hatten. In dieser Funktion vielleicht ist auch die Magie mit dem Mais zu verstehen in Twin Peaks Serie und ie Maisszene in Twin Peaks Film: Mais ist ein Kulturgut der Ureinwohner Amerikas, wenn auch zuerst in Zentralamerika. Und eben damit ein Symbol des Kolonialismus. In Twinpeaks Film sucht der böse Geist Bob Laura auf und verdeckt den Inszest des Vaters. Auch in Mulholland Drive darf man den Cowboy und das Monster in diesem Gegensatz vermittelt sehen.


2000 - 2010 kinokai.de | Impressum | Nutzungshinweise | Kontakt | Druckansicht | 22530215 Besucher seit dem 17.12.2001 PAGERANK-SERVICE
Sedo - Domains kaufen und verkaufen das Projekt kinokai.de steht zum Verkauf Besucherstatistiken von kinokai.de etracker® Web-Controlling statt Logfile-Analyse
18.01.2018 - 16:29:00 - kinokai.de | http://www.kinokai.de | webmaster@kinokai.de
URL: http://www.kinokai.de/kinokai.150.3389.php
 
Passwort vergessen? | Noch nicht angemeldet?