Der Soundtrack zu Troja wurde von James Horner innerhalb von eineinhalb Monaten geschrieben, aufgrund der Eile die zuletzt herschte kam der Soundtrack auch erst kurz vor der Kino-Premiere in die Läden. Der eigentliche Soundtrack war von
Gabriel Yared geschrieben, nach einem (!) einzigen Test-Screening aber abgelehnt worden da er zu altmodisch sei.
Gabriel Yared schreibt auf seiner Website (
http://www.gabrielyared.com/) daß er während der Zeit an der er an Troja arbeitete (über 12 Monate) immer ein gutes Verhältnis zu Wolfgang Petersen hatte. So bleibt die Vermutung daß der Score von den Warner Bros. Studios aufgrund des Test-Screenings (bei dem zudem noch völlig unfertiges weil nicht abgemischtes Demo-Meterial zum Einsatz kam) abgelehnt wurde. Wie wunderschön die Musik von Gabriel Yared gewesen wäre läßt sich auf seiner Website anhören, auch die Musik für den Troja Trailer stammt von Gabriel Yared.
Horners Score wird von vielen kritisiert, aufgrund des relativ bekannt klingenden Ton-Materials. So wirkt die arabische Sängerin, die einen Großteil des Films zu hören ist, wie ein Verschnitt der entsprechenden Teile in Gladiator. Die Abspannmusik klingt recht ähnlich wie "I want to spend a livetime loving you" (aus
Die Maske des Zorro) oder "If We Could Remember" (aus
Der Anschlag (The Sum of All Fears)). Trotzdem hätte Horner meiner Meinung nach einen schönen Score schreiben können; das Potential zeigt das heroische, wenn auch wenig griechische "Troja-Thema" das z.B. beim Einzug von Hector und Paris in Troja erklingt. Auch wenn ansonsten recht wenig motivische Arbeit geleistet wird, so wird dieses Thema immerhin abgewandelt und scheint an allen Wendepunkten für Troja durch. Trotzdem hat der Score einige Ähnlichkeiten zu anderen Werken Howard Shores, zum Beispiel Braveheart. Aber wer hätte das in eineinhalb Monaten schon besser hinbekommen?
Bleibt zu hoffen, daß es eine CD Veröffentlichung des Materials von Gabriel Yared geben wird, er selbst wird es wohl leider nicht veröffentlichen da er nicht die Rechte am (fertig aufgenommenen und fast fertig produzierten) Material hat.
Audrey:
Musik erstellt am: 20.05.2004 - 00:39:40
Jetzt kann ich dich verstehen, tuennes. Ich dachte beim Lesen, wieso, kann doch nett sein, so ein Gesang, aber in Troja fand sogar ich ihn ziemlich lästig.
Mit der Bewertung tu ich mich allerdings etwas schwer, mir scheint, für das Genre ist er gar net schlecht, es ist nur nicht unbedingt mein Lieblingsgenre. Wie (fast) immer, wenn man mit niedrigen Erwartungen in einen Film geht, ist er dann gar net so schlecht, hm...
Noch ne Frage an die jungen Leute hier, bei der die Schule noch nicht so lang her ist wie bei mir und daher der Homer nicht so präsent: diese Liebesgeschichte zwischen Achilles und der Priesterin war erfunden, oder?
Audrey:
Homer ist, wenn man trotzdem lacht erstellt am: 25.05.2004 - 14:37:56
Lieber tuennes, ich meinte in Bezug auf Homer!
Mein Fazit: Unterhaltsames Popcornkino mit einem illustren Darstellerensemble. Für den ernsthaften Stoff wurde doch erstaunlich oft gelacht (wie sagte ein Bekannter so schön, als ich ihm davon berichtete: Homer ist, wenn man trotzdem lacht. *LOL*).
Habe darüber nachgedacht: die Figur des Paris war ja recht eindeutig als comic relief konzipiert, spätestens bei der Kameraführung bei seinem Kampf mit dem gehörnten Ehemann wird das ziemlich klar. Der jugendliche Ungestüm sorgte allgemein für Lacher. Beeindruckender Weise (und das würde ich mal Orlando zusprechen) behält die Figur trotz allem seine Würde und ist ein Hauptsympathieträger.
Könnte nicht auch der große Kämpfer durch die Kameraperspektive lächerlich gemacht werden? Überhaupt wirken die meisten "Helden" eher wie tumbe Kampfmaschinen (Archilles und Odysseus ausgenommen). Könnte man Petersen, der dem Hollywoodtrend folgend männliche Helden für die Bushregierung liefert, da nicht fast schon ein bisschen Subversivität unterstellen? Oder ist das ausschliesslich publikumsimmanent?
Zum Realismus wollte ich noch anmerken, dass auch Homer sich die künstlerische Freiheit nahm, eine Legende in eine konkrete Geschichte zu pressen. Wer weiss, wie's wirklich war, lang vor seiner Zeit? Erdbeben? Wie unromantisch!
brüh's eis:
RE: Soundtrack erstellt am: 05.06.2005 - 15:18:10
also ich kenn die ilias auch und habe eine kassandra nicht vermißt. hätt man sie eingebaut wär das aber wohl eh nur so ein halbherziges zugeständnis ans literarische figurenensemble gewesen wie ajax – null tiefe, aber hauptsache kurz beim namen genannt und mit von der partie. die oberamazone petersilia oder wie die heißt wo von arschilles hätt getötet werden sollen allerdings wär auch im film für ihren auftritt gut gewesen so als burleskes blitz-interlude um die absurdidät der kriegsszenenkumulation zu krönen. Aber sowas geradezu komödiantisches wär wohl am intendierten stil vorbeigegangen.
tritt brett als arschilles war nur deshalb schwer akzeptabel weil er so bekannt ist. hätt ich ihn kurz vorher erstmals gesehn und dann erfahrn der soll arschilles spielen hätt ich gesagt hä wer isn das, sieht gut aus ok warum nicht?! aber wenn man ihn kennt und hört er soll das machen denkt man eher: was wie ausgerechnet der? ach neeeee du gibt’s da nicht jemand andern?!
dass die beiden liebenden um die zuerst alles ging helena und paris den krieg zwar ausgelöst, sich ansonsten aber null mit ruhm bekleckert (bzw. quasi sowieso keine rolle gespielt) haben, fand ich sehr realistisch: leute auf mr bean niveau wo nur mist baun aber sonst nix draufhaben stürzen den rest der welt bedenkenlos ins chaos.
mit sound und so kenn ich mich nich so aus aber der zweikampf zwischen hekki und arschi war mit den trommeln meiner meinung nach zu sehr auf zirkusnummernwirkung gequält so nach dem motto achtung achtung passt auf jetzt kommts und wer die ilias kennt weiß eh den ausgang des kampfes – schade, dann also nur mäßig spannend die szene. interessant dabei war aber immhin arschis heuchelei: erst tat er so als wollte er den kleinen rächen (patroklos), dann aber als hekki stolperte hieß es „steh auf prinz von troja ich lasse mir den ruhm nicht von einem stein stehlen“ – es ging letztlich also doch nur wieder um den ruhm. sehr entlarvend, fand ich gut (falls es absichtlich so gemessagt war).
bemerkenswert fand ich auch die rolle von nestor. solchen weisen alten herren traut man ja immer so ne art moralische reife zu. die war bei ihm aber gar nicht vorhanden stattdessen hat er die habgierige kriegstreiberei seines königs völlig willenlos unterstützt. so, wie achilles für dieses scheißprojekt sein schwert zur verfügung stellte, stellte nestor halt seinen geist zur verfügung, und somit hatte agammenon schwupps die besten waffen in der hand, die er sich wünschen konnte (ganz zu schweigen von odysseus’ list), was aber gerade ein räuberhauptmann bar jeder königswürde wie er am allerwenigsten verdiente. jahaa, so weit kommt das, wenn auch die klugen linientreu sind (mahnend finger erheb)!
wie auch immer, mir hat der film sehr gut gefallen. ha wer hätts gedacht aber doch, ehrlich!! vor allem weil der film u.a. mit hekki als vorbildlichem aufklärer ("die götter werden diese schlacht nicht für uns schlagen") programmatisch "entmetaphysiert" und somit "realistisch" konzipiert war - irgendein bekloppter hier im thread hat das aber nich gerafft und daher gemeint man hätt mit special effects die götter wie in der vorlage ins kampfgeschehen miteinbeziehn sollen - was ein glück nicht der fall war, das hätt nur wieder für ne menge unfreiwillige komik à la "die mumie" gesorgt.
*grinsende grüße*