Und da hat er wieder zugeschlagen, der Katastrophenfilm-Spezialist Emmerich, nach seiner bewährten Machart. Er kombiniert geschickt Effekte und gigantische Bilder mit skurilen Motiven zu einem surrealistischen Bildermeer und vergißt - vielleicht merkt es ja keiner - die Story. Wie schon bei Independence-Day (großartige Bilder, miese Schauspieler und grottige Dialoge) erzeugt "The Day after Tomorrow" damit ein zwiespältiges Gefühl. Zwar ist das Thema aktuell und einige - kleinere - Seitenhiebe auf die westlichen Kulturen und deren Verantwortlichkeit fehlen auch nicht, aber die Vorgeschichte des Klimawandels kommt nicht zum Zuge. Gerade den Amerikanern mit ihren dicken Autos, die das dreifache eines normalen europäischen Autos verbrauchen, sollten ihre Fehler vor Augen geführt bekommen - das fehlt völlig in diesem Film; wer will sich's schon mit dem größten Markt verscherzen? Kyoto wird auch nur kurz am Rande erwähnt, aber nicht, dass die Amerikaner selber diesen Vertrag nicht unterzeichneten. Statt dessen das übliche Geblah eines Emmerich am Ende des Films: "Ja, wir werden uns bessern, und netter sein, und verantwortungsvoller..."
Schade auch, dass Emmerich's Vision vom Klimawandel in eine hollywoodkompatible Zeitspanne von ein paar Tagen gedrückt wurde. Nach meinen Internet-Recherchen völlig übertrieben (z.B.
http://derstandard.at/standard.asp?id=1657206 )
Wie bei Independence Day schafft es der Bildermacher Emmerich nicht, zu einem Geschichtenerzähler von Rang aufzusteigen. Was soll z.B. die Nebenhandlung mit dem krebskranken Peter? Da sieht man, wie die Welt untergeht, und plötzlich schiebt der Regisseur völlig unnötig einen sentimentalen Seitenarm in die Geschichte hinein. Das Menschelnde liegt Emmerich eigentlich nicht, also sind solche Versuche zum Scheitern verurteilt - oder wem ist eine von Emmerichs Figuren ans Herz gewachsen?
Eine Zusammenfassung der Story, ich bringe jetzt doch eine, ist so: Erde kühlt sich ab, Vize-Präsident ist ignorant, Vater rettet Sohn, Nordhalbkugel am Ende unbewohnbar, ehemals "erste" Welt ist nun Einöde, "dritte" Welt ist nun Gatsgeber von Flüchtlingen, Vize-Präsident ist nun Präsident und gelobt Besserung. Punkt. Mehr gibt's leider wirklich nicht (es sei denn, man zählt Peter zur Geschichte dazu).
Als politisch würde ich - im Gegensatz zu einigen anderen hier - den Film keineswegs bezeichnen. Dafür setzt er zu sehr auf Bilder, statt auf Lösungen, und: es geht ja alles gut aus, es überleben die meisten, und wir kriegen eine neue Chance. Also nicht zuviel hineininterpretieren, ein Öko-Krieger ist der gute Roland sicher nicht - die hätten sich eher dem Schicksal von den ebenso leidenden wie unschuldigen Tieren und Pflanzen angenommen.
Aber:
Ich habe den Film genossen und gerne hingeguckt, es macht Spaß, ihn zu sehen und ich hatte eine gute Zeit dabei. Wer Unterhaltung will, findet das Richtige. Tiefsinnig ist der Film aber nun gar nicht und die Pseudo-Botschaft unnötig - weil jedem klar, der lesen kann.
Fazit: hoher Unterhaltungswert durch die Bilder, aber erhebliche Lücken in der Geschichte