Ich denke nicht, dass man Filme wie "Wanted" für die "zunehmende Verrohung und Verdummung" verantwortlich machen kann. Der Einfluss, den (Gewalt-)Filme und Videospiele auf uns haben, wird allgemein viel zu sehr überschätzt. Als im April 2002 der Amoklauf in Erfurt stattfand, wurde dieses Thema ja sehr ausgiebig in den Medien behandelt. Die Ursachen für Gewaltbereitschaft, "Verrohung und Verdummung" sind eher im sozialen Umfeld und in bestimmten Lebensumständen zu suchen.
Natürlich ist es grenzwertig, wenn Gewalt dazu eingesetzt wird, möglichst coole Unterhaltung zu erzeugen. Aber für mich liegen "
Planet Terror" und "Wanted" von der Art, wie ich sie wahrnehme bzw. wie sie auf mich wirken, gar nicht so weit auseinander. Beide präsentieren "unrealistische" Szenarien und spielen in "erschaffenen Welten", so dass die Gewalt in dem Sinne auch etwas Surreales hat und somit nicht verherrlicht wird. Bedenklich sind da eher Filme wie "
Death Sentence - Todesurteil (Death Sentence)", die Gewalt und Brutalität auf einer realistischen Ebene darstellen. Hier verübt Kevin Bacon alias Nicholas Hume Selbstjustiz und rächt den Mord an seinem Sohn. Was eigentlich recht gelungen und psychologisiert anfängt, entwickelt sich dann aber zum reinen Abschlachten, ohne dass noch irgendeine Motivation dafür erkennbar ist. Die Gewalt verkommt zum reinen Selbstzweck und wird dadurch verherrlicht. Bei "Wanted" empfand ich das nicht so.
Was mir an dem Film sehr gut gefiel, waren vor allem seine Optik und die streckenweise sehr mitreißende Dynamik. Storytechnisch bot er in der Tat nichts Neues, und zum Ende hin gab es auch einige Längen, aber der unverkennbare Stil, den Regisseur Timur Bekmambetov schon mit "
Wächter der Nacht (Nochnoj dozor)" und "
Wächter des Tages (Dnevnoy dozor)" etabliert hat, bot einfach mal wieder eine nette Abwechslung zu den eher konventionellen Action-Thrillern.