Plakat Wenn Träume fliegen lernenWenn Träume fliegen lernen | Originaltitel: Finding Neverland | Produktion: USA, Großbritannien 2004 | Dauer: 106 Minuten | Besucher: 12010
Starttermin: Starttermin, Deutschland: 10.02.2005 | Starttermin, International (Produktionsland): 04.09.2004
Genres: Drama
Bewertungen: Anaijavi: 9.5 | Thesi: 9.5 | DejaVu: 8.5 | Kathybabe: 8.5 | Mandarine: 8.5 | Audrey: 8.5 | Sebenika: 7.5 | Cathrine: 6.5 | Annika: 0.5

Bewertungsübersicht:
Gesamteindruck: 7.5 (9)

Cast: Crew:
Johnny DeppSir James Matthew Barri
Kate WinsletSylvia Llewelyn Davies
Julie ChristieMrs. Emma du Maurier
Radha MitchellMary Ansell Barrie
Dustin HoffmanCharles Frohman
Freddie HighmorePeter Llewelyn Davies
Joe ProsperoJack Llewelyn Davies
Nick RoudGeorge Llewelyn Davies
Ian HartSir Arthur Conan Doyle
Kelly MacdonaldPeter Pan
Regisseur
Marc Forster
Drehbuch
Allan Knee
David Magee

Autor: Kai | 25.01.2005 - 16:06:49
Inhaltsangabe
J.M. Barrie (Johnny Depp) ist wenig erfolgreicher Theaterautor in London des Jahres 1903. Bei einem Spaziergang im Park lernt er die junge verwitwete Mutter Sylvia (Kate Winslet) mit ihren vier Kindern kennen. Er freundet sich mit der Familie an und wird durch das Spiel mit den Kindern zu seinem berühmtesten Werk "Peter Pan" inspiriert...
Autor: Didi | 07.05.2005 - 10:38:01
Kurzkritik
WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN

LIEGEN UNSERE TRÄUME AUF DER STRAßE?

von DIETMAR KESTEN, GELSENKIRCHEN, 26. FEBRUAR 2005.

„Finding Neverland“ ist ein Traumerlebnis. Der Film spiegelt einige Monate des Londoner Theaterautors J. M Barrie (Johnny DEPP) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sein neues Stück fällt bei der Premiere in London durch. Er braucht ein neues Stück. Charles Frohman (Dustin HOFFMAN) hält an dem ambitionierten Schriftsteller fest, und ermuntert ihn dazu, ein neues Stück zu schreiben. Auf dem Weg dorthin lernt er mehr zufällig die Witwe Sylvia Lliewely-Davis (Kate WINSLET) und ihre Söhne kennen. Aus der Inspiration heraus, den Erfahrungen, den Gesprächen mit der Witwe, vor allem aber im Spiel mit Michael (Luke SPILL), Peter (Freddie HIGHMORE), Jack (Joe PROSPERE) und George (Nick ROUD), resultierte sein neues Stück „Peter Pan“, das Märchen schlechthin. Und so wird die Begegnung mit Sylvia und den Söhnen zu seiner großen Inspiration.

Träume sind ein Bestandteil der Phantasie, die während des Eindämmerns von uns Besitz ergreifen. Hier spielen wir nur die Rolle eines unbeteiligten Beobachters, während rings um uns das Leben pulsiert. In diesen Träumen findet die räumliche und zeitliche Verschiebung der Realität statt. Die unerfüllten Wünsche- hier sind sie im Unterbewusstsein sedimentiert. Sie führen uns aus der Kontemplativität des Denkens heraus, aus der monströsen Alltagssituation, und wir erleben sie ohne Ecken und Kanten, nahezu gleichförmig. Die Macht der Fantasie umfasst uns. Und wir bleiben hier ewig jung, lassen uns in Raum und Zeit fallen. „Peter Pan“, die Geschichte der Fantasiewelt Nimmerland, die für Barrie zur Grundlage seines neuen Stückes wird, ist eine Geschichte, die uns in den Heaven der Sehnsüchte führt, der Vergangenheitserlebnisse und Zukunftsvisionen. Nun wird das Kino selbst zum Traum. Sogar zum Alptraum, der in uns nagt. Weil Schein und Sein, Realität und Fiktion uns ständig Streiche spielen, und weil neben der Fiktion das reale Leben uns spätestens im Bus oder der U-Bahn eingeholt hat, ist der Glaube an die Realität der Hoffnung und der wenigen Glücksaugenblicke ein schmaler Pfad geworden.

Menschen sind eine merkwürdige Spezies. Sie trennen gerne ihre Träume vom Erlebten ab. Sie können die Wirklichkeitsebene, die sowieso schon schwer genug zu beschreiben und auch zu begreifen ist, niemals richtig einordnen. Und sie verlieren sich in einem Einheitsbrei, der mit tausenden gesellschaftlichen Facetten umwoben ist. Die engen Rahmenbedingungen, die uns durch die Realität gesetzt sind, überschreiten wir tatsächlich nur im Traum. Spätestens hier wird deutlich, dass unsere Gemütszustände in der realen Welt diesen Traumbildern abgekupfert zu sein scheinen. Alles ist dort abrufbar. Es gibt keine Zeit und keinen Raum. Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist die Seelentiefe, aus der sich wie in einem Feuerwagen alles abfahren lässt: alle gemachten Erfahrungen, Schuld, Sehnsucht, Liebe, Hass, Ängste und das nicht enden wollende Leid. Hier sind tatsächlich Gegenwartserlebnisse, Vergangenheitswahn und Zukunftsvisionen eins.

Im Traum stellen wir mühelos unser reines Leben her, was sonst nur selten geschieht. Wir fügen uns aus Scheibchen wieder zusammen, rasen durch den Ereignisdschungel. Wir sind auf der Datenautobahn unterwegs und überqueren mühelosen die Horizonte der Geschichte. Was sind Märchen, wird alles gut, ist alles nur ein Traum, nur Fantasie? Warum werden in der Fantasie und in Märchen mehr Türen geöffnet, als im wirklichen Leben, warum werden hier keine Türen zugeschlagen? Was ist im Traum der Erkenntnispfad, der uns hilft, durchs Leben zu schiffen?

„Peter Pan“, der Junge, der nie erwachsen werden will, ist in „Finding Neverland“ der charmante Versuch, uns unser Zauberreich ‚Neverland’ näher zu bringen. Es gab schon einmal eine ähnliche Geschichte. „Hook“ von Steven SPIELBERG (1991) mit Robin WILLIAMS war ein Fehlschuss. Hier konnten keine Traumgeschichten vermittelt werden, weil diese Geschichte nicht hinterfragt wurde, weil SPIELBERG keinen Raum für die Fantasie ließ, weil das Wesen von „Hook“ nur eine Ansammlung von Design-Elementen war, abgetakelte Kindergeschichten für Erstklässler, die in ihrem Kinderzimmer vor lauter Spielzeug keinen Blick mehr für die besten Steine haben.

Marc FOSTER („Monster’s Ball“, 2002) überrascht. Während die „Peter Pan“ Geschichte in verschiedenen Varianten oder als Disney-Film immer wieder auf der Leinwand erschien, orientiert sich FOSTER auf Barrie selbst. Er stellt ihn in den Mittelpunkt. In der Tat ist dies gelungen. Als er Sylvia und die Söhne kennen lernt, ist er Feuer und Flamme. Er ersinnt ständig neue Abenteuer, Fantasiemärchen, spielt sie mit ihnen durch, die auch in seinem eigenen Leben immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Fantasiereiche sind weitläufig. Hier können wir beruhigt mit einem Joystick in der Hand uns unsere eigenen Welten (er-)schaffen. Was man sich nicht oft fragt, das geht im Leben verloren. Das ist alles unwiederbringbar. In dieser Fantasie mag alles auf ewig zerstört sein. Doch das macht nichts. Wir setzen uns zwar selbst schachmatt. Alles scheint durch einen schmalen Trichter nach unten gezogen zu werden. Durch die Sucht nach anderen Perspektiven, tritt wie ganz selbstverständlich eine neue Traumwelt hervor. Wie eng doch Fantasie und Träume zusammen gehören!

Die Fantasie ist wie ein Kompass der Seele. Es gibt keine Himmelsrichtungen. Wir ‚erleben’ alles ohne Wände, Decken, ohne Dichtungen und Durchlässen. Diese Welten verschmelzen, verschwinden, manchmal für immer. So zieht man sich hier gerne zurück. Zurück von dem Konsumismus, zurück von Frust und Niedertracht, zurück von der alltäglichen Verrichtung, den gesellschaftlichen Zwängen. Es gibt immer noch diesen Gemütszustand, die Trance, das Balancieren auf der Nadelspitze, die Schwingungen. „Finding Neverland“ ist ein Film, der uns in unserer Traum-Phantasie mitreißt, der alle denkbaren Gedanken widerspiegeln mag, der naiv-kindlich ist, übertrieben-erwachsen, überzeichnet, verspielt, betörend und anmutig.

Was wäre, wenn das reale Leben nur ein Traum wäre, in dem die Rückwand des hundert Jahre alten Barrie-Theaters nur ein Doppelspiegel wäre? „The world is my Oyster“ sangen Frankie goes to Hollywood 1983. Kriecht man dort hinein, spürt man den Zauber, der über dem Film liegt. Erwachsene werden Kinder, Kinder werden Eltern, Geschwister Feen oder Elfen. Visionen enden oft melancholisch. Hier sind sie fesselnd, weil mithilfe der Fantasie oben und unten, arm und reich, gut und böse, alle gesellschaftlichen Klassen und Schichten verschwinden. Ach, wenn das wirkliche Leben nur so aussehen könnte.

Fazit: Wenn auch hier und da überzeichnet, zu beschaulich und zu melodramatisch, so geht von dem Film eine eigenartige Faszination aus. Wenn es draußen dämmert, die Schlafenszeit angebrochen ist, dann schauen wir durch die Wolkengebirge unserer Fantasie. Wir legen eine Maske auf unser Gesicht, entschwinden dem Körper, und beginnen, einen warmen Bergquell zu durchsteigen. Wir überlassen uns völlig der Situation und fliegen in den Kosmos. Unsere Augen sehen sich nicht satt, saugen alles auf, und wir durchschreiten mit Hilfe der Fantasiewelt die Grenze zwischen Realität und Traum. Merkwürdig: wie eng die gesellschaftlichen Bahnen der Menschen doch verlaufen.



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DejaVu: Was freu ich mich schona auf diesen Film! :-)... erstellt am: 23.01.2005 - 20:45:17
Was freu ich mich schon auf diesen Film! :-)
Audrey: Nachdem ich ihn schon für immer verpaßt wähnt... erstellt am: 18.08.2005 - 17:37:19
Nachdem ich ihn schon für immer verpaßt wähnte, wurde er nun in einem netten kleinen Programmkino noch mal OmU gezeigt. Sehr schön umgesetzt.


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